Über das Bauhaus, die Liebe und das Leben: Shootingstar Noah Saavedra

Über das Bauhaus, die Liebe und das Leben: Shootingstar Noah Saavedra





Noah Saavedra im Interview zum ARD-Film "Lotte am Bauhaus"

Nach seinem Zivildienst in einem Kindergarten wollte der Wiener Noah Saavedra noch Erzieher oder Tischler werden. Seine kaum zu zügelnde Ausprobierlust brachte den Sohn eines Österreichers und einer Imigrantin aus Chile jedoch erst einmal in das junge, kreative "Auffanglager" des Wiener Burgtheaters. Dort geschah etwas, das wie ein Märchen klingt. Saavedra wurde aufgrund eines Bewerbungsvideos als Hauptdarsteller für einen großen österreichischen Kinofilm über das Leben des Malers Egon Schiele verpflichtet. Nach dieser viel beachteten Rolle siedelte Noah Saavedra nach Berlin um - und besuchte dort die Schauspielschule "Ernst Busch". Aktuell befindet sich der gutaussehende Jungmime immer noch in seinem letzten Ausbildungs-Jahr, doch die Aufträge für Film- und Serienproduktionen türmen sich bereits bei ihm. In "Lotte am Bauhaus" (Mittwoch, 13. Februar, 20.15 Uhr, ARD), dem Film zum 100. Geburtstag der weltberühmten Kunstbewegung, spielt er die Hauptrolle an der Seite Alicia von Rittbergs ("Charité").

teleschau: Sie waren ein absoluter Newcomer, als sie in einem Kino-Biopic über den Maler Egon Schiele die Hauptrolle spielten. Wie kam es dazu?

Noah Saavedra: Nachdem ich im Jugendclub des Burgtheaters, der jungen Burg, ein "about me" gedreht habe, landete dieses über ominöse Umwege bei der Casterin Eva Roth, und der Rest ist Geschichte.

teleschau: Wie kann man sich dieses Umfeld der "jungen Burg" vorstellen?

Saavedra: Als eine Art Lehre, in der man die Chance hat, im Weihnachtsstück mit ausgewachsenen Schauspielern auf einer Bühne zu stehen und zu beobachten. In der man zwei eigene Produktionen im Vestibül, der kleinsten Spielstätte des Theaters, probt und aufführt und in der man jeden Monat einen Abend, der damals noch Schauspielbar hieß, gestaltet und hosted. Also ganz viel Praxis - und dafür gab's sogar eine kleine Bezahlung.

teleschau: Sie spielen trotz vieler Rollenangebote bei Film und Fernsehen ab Herbst 2019 fest am Münchener Residenztheater. Sind Sie lieber Schauspieler als Star?

Saavedra: Am Theater zu spielen, ist ein ganz anderer Beruf. Es geht nicht um rote Teppiche, sondern ums Handwerk. Das hat mich tatsächlich stark gereizt. Du hast deine Familie, mit der du Stücke erarbeitet. Wenn man Glück hat, ist es ein tolles Ensemble. Diese Erfahrung von Gemeinschaft, aber auch diese Art zu arbeiten erlebt zu haben - das wollte ich auf keinen Fall verpassen. Im Theater gibt es diesen Jetzt-Moment, der beim Film fehlt. Film drehen ist wie ein gut bezahltes Feriencamp. Man fährt irgendwo hin, macht - wenn man Glück hat - mit coolen Leuten einen coolen Film. Nach ein paar Wochen ist wieder alles vorbei. Theater hat dagegen mehr mit konstantem Leben zu tun.

teleschau: Vor Beginn der Theatersaison 2019/2020 kommen ja noch ein paar Monate. Wie füllen Sie die?

Saavedra: Da drehe ich vier, vielleicht auch fünf Projekte. Eines davon ist ein ganz kleiner Auftritt in der von Komplizenfilm produzierten Serie "Skylines". Die Komplizen kenne ich noch aus dem Winter 2017. Wir haben den Film "O Beautiful Night" zusammen gemacht, der jetzt auf der Berlinale Premiere feiert. Das andere ist die Serie "Freud", die auf Netflix zu sehen sein wird. Über die anderen drei Dinge darf ich noch nichts Genaueres sagen, außer dass es spannend bleibt.

teleschau: Die Fülle Ihrer Projekte ist enorm. Wie erklären Sie sich den eigenen Erfolg?

Saavedra: Er hat sicher auch mit der gegenwärtigen Situation zu tun. Es wird einfach extrem viel gedreht. Da braucht man junge, unverbrauchte Gesichter (lacht). Vielleicht ist ja sehr bald wieder alles vorbei. Ansonsten weiß ich nicht, ob es einen Grund für die viele Arbeit gibt. Vielleicht ist es einfach Glück. Ich hoffe nur, dass dieses Glück so lange anhält, dass ich dabei etwas lerne. Dies ist mir das Wichtigste. Und es hilft natürlich auch dabei, dass ich später nicht mehr ganz so viel Glück benötige, um zu arbeiten!

teleschau: Sie haben südamerikanische Wurzeln, was bedeuten die Ihnen?

Saavedra: Sie sind ein Teil von mir. Meine Mutter ist 1974 aus politischen Gründen aus Chile geflohen, es war die Zeit des Pinochet-Regimes. Es war reiner Zufall, dass sie später in Österreich gelandet ist. Die Menschen, die in Chile damals verfolgt wurden, flohen, wenn sie konnten, oftmals in Botschaften. Die österreichische war die einzige, die noch nicht voll besetzt war. Eigentlich wollte sie in die französische, aber da wollten alle hin, und deswegen war die geschlossen!

teleschau: Aber Ihr Vater ist Österreicher?

Saavedra: Ja, ich bin im Burgenland geboren, aber nach wenigen Tagen in Richtung Wien umgesiedelt. Meine Eltern haben eigentlich nichts mit Schauspielerei zu tun. Mein Vater ist Osteopath, meine Mutter freischaffende Projektmanagerin. Allerdings ist meine Großtante Catalina Saavedra Schauspielerin. Sie war mit einem Film sogar für den Auslands-Oscar nominiert. Vielleicht kommt mein Interesse ja aus dieser Richtung.

teleschau: Sie sind zweisprachig aufgewachsen?

Saavedra: Ja, ich spreche auch Spanisch.

teleschau: Was hat Sie nun am "Bauhaus"-Film interessiert?

Saavedra: Der Versuch, die Reise einer starken jungen Frau durch eine in sehr veralteten Bahnen denkenden Welt zu erzählen. Es war ja alles sehr konservativ - selbst wenn das Bauhaus eine zukunftsweisende Zusammenkunft zu leben versuchte. Der Film erzählt die Reise eines Paares, das mit und an der Modernität ihrer Gedanken scheitert.

teleschau: Wäre die "Bauhaus"-Bewegung, die schon sehr früh Ideen von Kreativität und Gleichberechtigung propagierte, Ihre ideale Gesellschaft?

Saavedra: Ja, ein Stück weit. Wobei im Bauhaus das mit der Gleichberechtigung in der Praxis nicht immer so funktionierte, wie man auch in unserem Film erfährt. Ich glaube, meine ideale Gesellschaft wäre der Stamm. Europa, Deutschland oder Österreich sind eigentlich zu groß für mich. Ich brauche übersichtliche persönliche Strukturen, um zu funktionieren. Um von den alten Geschlechterrollen wegzukommen, auch um eine Befreiung des Menschen an sich zu erreichen, dafür finde ich die Herangehensweise der Bauhäusler legitim. Was zwischen 1919 und 1933 in Deutschland am Bauhaus passiert ist, war absolut kreativ und zukunftsweisend. Es war eine Vision vom Leben und der Kunst, die selbst aus heutiger Sicht enorm modern ist. Dies gilt es, im Heute zu vermitteln.

teleschau: Finden Sie es okay, dass die Geschichte im Film komplett über eine Lovestory erzählt wird?

Saavedra: Liebesgeschichten verstehen die Leute. Man braucht einen Aufhänger, um historische Themen erzählen zu können. Da es im Bauhaus auch um das Verhältnis zwischen Männern und Frauen geht, um das Lösen von den alten Geschlechterrollen, auch um eine Befreiung des Menschen an sich, finde ich diese Herangehensweise legitim. Was zwischen 1919 und 1933 in Deutschland am Bauhaus passiert ist, war kreativ und zukunftsweisend. Bauhaus war eine Vision vom Leben und der Kunst, die selbst aus heutiger Sicht enorm modern war. Das gilt es, im Heute zu vermitteln. Man sollte das auf jede erdenkliche Art versuchen, die bei unterschiedlichen Menschen Interesse weckt.

Quelle: teleschau - der mediendienst