Unser Charlie

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Mia und der weiße Löwe

Filme wie "Mia und der weiße Löwe" gibt es heutzutage nur noch selten. Weil hier ein zeitlicher Aufwand nötig ist, der eigentlich nur noch für aufwendige Naturdokumentationen wie "Unsere Erde" betrieben wird. Der französische Regisseur Gilles de Maistre war jedoch bereit, ähnlich viel Zeit in einen Spielfilm zu stecken. Im Verlauf von drei Jahren drehte er in Afrika. Die Zeit hat es gebraucht, weil sein Film nicht nur einem Löwen beim Aufwachsen zusieht, sondern auch einem Mädchen, das ihn retten will.

Die menschliche Titelheldin aus "Mia und der weiße Löwe" - gespielt wird sie von der Newcomerin Daniah De Villiers - lebt mit ihrer Familie in Südafrika, ist hier aber alles andere als glücklich. Lieber wäre sie wieder in London als auf der Löwenfarm ihrer Eltern (Mélanie Laurent, Langley Kirkwood). Aber dann wird ein weißer Löwe geboren, den Mia sofort in ihr Herz schließt. Sie tauft ihn auf den Namen Charlie.

Charlie lebt mit der Familie im Haus, doch dann wird er zu groß für ein Leben unter Menschen. Mias Vater macht sich zudem Sorgen um seine Tochter, da er weiß, dass die Natur eines Raubtiers immer durchdringen wird. Als die Bindung von Mia zu dem Tier immer intensiver wird, beschließt er, Charlie zu verkaufen. Doch das will Mia nicht hinnehmen - sie will Charlie retten.

Alles ist echt

Es sind nicht nur die landschaftlichen Panoramen, die in "Mia und der weiße Löwe" beeindruckend sind. Auch die Tatsache, dass man das Vergehen von Zeit hier wirklich wahrnimmt, trägt zur Wirkung des Films bei. Weil dies hilft, ihn authentischer erscheinen zu lassen. Die viele Zeit war außerdem notwendig, weil der Löwe Thor von klein auf an die Schauspielerin Daniah De Villiers gewöhnt werden musste.

Nur so hatte der "Löwenflüsterer" Kevin Richardson die notwendige Zuversicht, dass sich das, was das Drehbuch erfordert, auch umsetzen lässt. Herausgekommen sind beeindruckende Bilder - insbesondere dann, wenn Löwe Charlie bereits ausgewachsen ist. De Villiers ist dabei nicht weniger imposant, agiert sie neben dem Raubtier doch mit einer Leichtigkeit, die wohl gestandenen Mimen schwerfallen würde.

"Mia und der weiße Löwe" ist ein einfach gestrickter, aber schöner Familienfilm. Regisseur Gilles de Maistre greift außerdem ein Thema auf, das nur wenig bekannt ist: In Südafrika kann man Jagdlizenzen auf Löwen erwerben. Als wäre das nicht schon pervers genug, hat man dort das "Canned Lion Hunting" erfunden. Hier werden Tiere, die in Gefangenschaft aufgewachsen sind, zu "Jägern" gebracht, die sie dann aus sicherer Entfernung erlegen können, Social-Media-taugliche Bilder mit den Trophäen inklusive.

Der Film prangert diese Praxis an und punktet damit gleich an zwei Fronten: Er ist perfekt gestaltete Familienunterhaltung, legt aber auch das Augenmerk auf einen Missstand. "Mia und der weiße Löwe" ist ein Film, der vom Respekt für die Natur und die Tiere getragen wird und Bilder präsentiert, die umso prägnanter sind, weil man weiß, dass hier alles echt ist - und nicht am Computer entstanden.

Quelle: teleschau - der mediendienst