Charles Dickens: Der Mann, der Weihnachten erfand

Charles Dickens: Der Mann, der Weihnachten erfand





Weihnachtliche Märchenstunde

So ziemlich jeder kennt Charles Dickens' weltberühmte Erzählung "Eine Weihnachtsgeschichte". Ob im Buch, gespielt von den Muppets oder als bissige Mediensatire "Die Geister, die ich rief"(1988) - Geizhals Scrooge und der kleine Tim haben schon auf vielen Wegen Dickens' Botschaft erzählt. Äußerst warmherzig ist nun auch die von Drehbuchautorin Susan Coyne und Regisseur Bharat Nalluri geschaffene Entstehungsgeschichte des Weihnachtsmärchens. Mit typisch britischem Humor wird der Zuschauer in die Welt des 19. Jahrhunderts eingeführt und direkt hineingesogen in den kuriosen Haushalt des kreativen, aber immer rastlosen Charles Dickens. Man begleitet ihn bei seinem Spaziergang durch London zu seinem Verlag, leidet mit, wenn er beim seltsamen Notar und Geldverleiher Haddock (Donald Sumpter) um einen weiteren Vorschuss bittet und erfreut sich an der Schusseligkeit des Schriftstellers, den Dan Stevens ("Die Schöne und das Biest") gekonnt und charmant verkörpert.

Im Jahr 1843 ist Charles Dickens ein gefeierter und hochgelobter Buchautor. Nach Bestsellern wie "Oliver Twist" befindet sich der Schriftsteller nun allerdings in einer Phase, in der weitreichende Erfolge ausbleiben. Und mit ihnen auch das Geld. Da Dickens auf großem Fuß lebt und zudem seinen Vater (Jonathan Pryce) finanziell unterstützt, wird es langsam eng. Ein neues Buch muss her.

Mit der Ideenfindung tut sich Dickens allerdings schwer. Bis er eines Nachts eine sehr eindrucksvolle und vor allem einsame Begräbniszeremonie beobachtet. Von ihr inspiriert, stürzt er sich direkt in die Arbeit - mit ungeahnten Folgen. Denn seine Fantasie ist mächtig, und schnell führen seine Hauptfiguren, allen voran Ebenezer Scrooge (Christopher Plummer), ihr Eigenleben und halten den jungen Schriftsteller auf Trab.

Richtig chaotisch, im besten Sinne, wird es aber erst, wenn Dickens auf die Geister seiner Geschichte trifft. Man sieht vor allem Christopher Plummer die Spielfreude an, wenn er, ganz gemäß der Hauptfigur des Märchens, grummelig in Dickens' Schreibzimmer sitzt und vor sich hin schwadroniert.

Zentraler Dreh- und Angelpunkt ist bei "Charles Dickens: Der Mann, der Weihnachten erfand" natürlich die Entstehung der zauberhaften Weihnachtsgeschichte. Gerade durch das fantastische Element, wenn Geister scheinbar wahrhaftig werden, umgeht der Film den rein biografischen Charakter. Doch auch zahlreiche Nebenstränge, wie die Beziehung des Schriftstellers zu seinem Vater oder seine Sorge um die gesellschaftlich schwächer gestellten Menschen, finden genug Platz.

Regisseur Bharat Nalluri gelingt es, recht viele Themen so zu verpacken, dass sie zwar verständlich und malerisch bleiben, dabei aber nicht die Ernsthaftigkeit verlieren, die sie verdienen. Wenn auch ab und an der Hang zum Kitsch nicht von der Hand zu weisen ist, so bleibt "Charles Dickens: Der Mann, der Weihnachten erfand" dennoch ein Film, der sich ganz wunderbar in die Vorweihnachtszeit einfügt und das wohlig warme Gefühl erzeugt, welches in der dunklen Jahreszeit so sehr gebraucht wird.

Quelle: teleschau - der mediendienst