Jason Clarke

Jason Clarke





"Mein Vater wollte mich 'Armstrong' taufen!"

Der Weltraum, unendliche Weiten? Von wegen! In Damien Chazelles "Aufbruch zum Mond" (Kinostart: 8.11.) besteht das Abenteuer Raumfahrt aus Kälte, Angstschweiß, dem Knarzen von Metallnieten und der klaustrophobischen Enge früher Raumkapseln. Chazelle, oscargekrönt für "La La Land", zeigt kein Actionspektakel, sondern vor allem die Emotionen und Beziehungen der Menschen hinter der Mondlandung. Angelehnt an die Neil-Armstrong-Biografie "First Man" von James Hansen, setzt er ganz auf seine hervorragenden Darsteller: Ryan Gosling als Neil Armstrong, Claire Foy in der Rolle seiner Ehefrau Janet und Jason Clarke als Kollege Ed White. Als das NASA-Weltraumprogramm in Schwung kommt und der erfahrene Testpilot Armstrong zum Astronauten wird, zieht die Familie nach Houston, wo die Whites ihre Nachbarn sind. Im Interview spricht Jason Clarke über Sextanten, Reifenpannen und Schafe.

teleschau: Edward Higgins White ist eine der Hauptfiguren und dennoch nach der Hälfte des Films tot ...

Jason Clarke: Das war wirklich tragisch, was den Leuten von Apollo 1 damals passiert ist. Vermutlich durch einen Kurzschluss oder einen Lichtbogen kam es zu einem Brand im Inneren der Kapsel. Es gibt furchtbare Tonaufzeichnungen von diesen letzten Sekunden im Leben der Besatzung, den Schreien der Männer. Ed Whites Frau ist über den Verlust ihres Mannes nie hinweggekommen. Man meint ja immer, diese Landung auf dem Mond war ein so durchgeplantes Ereignis, dass überhaupt nichts schiefgehen konnte. Das stimmt aber nicht, es hätte zu jeder Sekunde etwas schieflaufen können.

teleschau: Astronaut ist der klassische Wunschberuf kleiner Jungen. Wurde der Traum mit dieser Rolle für Sie ein Stück weit wahr?

Clarke: Es lag natürlich ein ganz besonderer Reiz darin, dass die NASA uns ihre Türen öffnete und tiefe Einblicke in ihre Welt gab, ihre Geschichte und ihre Technologien. Aber die Wirklichkeit beim Dreh hat damit natürlich gar nichts zu tun. Für mich war es vor allem wunderbar, bei genau diesem Film mit Ryan Gosling und mit Damien Chazelle als Regisseur zu arbeiten. Das sind junge, frische Leute. Es waren auch damals beim Mondflug alles Jungs um die 30, die da mitgemacht haben, von den Piloten bis zu den Technikern.

teleschau: Sie meinen, bei Ridley Scott hätte der Film anders ausgesehen?

Clarke: Ganz sicher (lacht)! Aber auch Ridley Scott finde ich klasse. Bei diesem Projekt habe ich es genossen, Zeuge zu werden, wie ein Typ wie Damien, mit seiner Jugend und mit seiner Filmografie, die Welt und das Filmemachen sieht. Und wie so jemand dieses Märchen erzählen will. Das war für mich der Kick. Ryan und Damien sind sehr eng miteinander, und das macht den Film auch aus. Man sagt ja, die Jahre zwischen 25 und 35 seien die kreativsten Jahre eines Menschen. Beim Filmemachen geht es auch um das aktuelle technische Wissen, dafür braucht man viel Expertise, viel Knowhow und Damien ist verdammt smart. Es ist einfach ein sehr komplizierter Film gewesen, die Authentizität, die ganze Wissenschaft, der Look, die Mathematik.

teleschau: Mussten Sie sich selbst für die Rolle auch in die Physik einarbeiten, über die Sie so überzeugend im Film referieren?

Clarke: Für mich war es vor allem wichtig, den Humor zu zeigen, den Ed hatte. Er konnte eine Gruppe auflockern und auch verkrampfte Leute entspannen. Um ehrlich zu sein, bin ich nicht so wirklich das Mathe- und Physik-Genie. Ich erinnere mich aber an eine Szene, die wir nachts gedreht haben, als Neil und Ed auf den Sextanten schauen. Das sollte schon echt ausschauen, als sie sich da über die Navigation unterhalten. Wir haben aber niemanden gefunden, der das beherrschte.

teleschau: Und dann?

Clarke: Ryan Gosling hatte zum Glück die Telefonnummer von Mike Collins. Das war der Mann, der bei Apollo 11 die Kommandokapsel flog und in der Umlaufbahn um den Mond hielt, bis die beiden anderen wieder zurückkehrten. Wir standen also in Atlanta beim Dreh und ließen uns das von Mike Collins höchstpersönlich erklären. Eine sehr skurrile Situation. Diese Männer waren ja allesamt Ingenieure und Piloten. Sie wussten, wie man einen Kurs manuell korrigieren kann. Das kann heute niemand mehr.

teleschau: War die Mondlandung für Sie als Kind ein Thema in Ihrer Familie?

Clarke: Immerhin bin ich an dem Tag geboren, an dem die Apollo 11 startete. Mein Vater wollte mich deshalb gleich "Armstrong" taufen. Aber meine Mutter legte zum Glück ihr Veto ein. Weder "Neil" noch "Armstrong" als Vorname.

teleschau: Wo genau kommen Sie eigentlich her?

Clarke: Aus einem australischen Kuhkaff namens Winton, mit 200 Einwohnern und zwei Kneipen. Aber in Winton gibt es heute immerhin ein Open-Air-Film-Festival! Mein Vater fuhr früher als Schafscherer übers Land, hatte dort eine Reifenpanne und traf meine Mutter, die von dort stammt. Winton liegt so abseits, dass es zwei Wochen dauerte, einen Ersatzreifen zu bekommen. In dieser Zeit nahm die Romanze ihren Lauf ...

teleschau: Was haben Ihre Eltern über Ihre Berufswahl gedacht?

Clarke: Mein Vater hatte, glaube ich, keine Vorstellung von meiner Berufswahl. In seiner Lebenswirklichkeit gibt es das nicht. Wir hatten nicht mal einen Fernseher daheim. Meine Eltern haben mich mal beim Dreh von "Everest" am Set besucht. Da war dann die ganze Schneehölle aufgebaut und sie haben beim Dreh einer Einstellung zugeschaut. Dann haben wir diese Einstellung wiederholt, um sie aus einer anderen Perspektive nochmal zu probieren. Mein Vater fand das total überflüssig. Schafscherer werden nach der Anzahl der geschorenen Schafe bezahlt. Wozu also eines zweimal scheren?

Quelle: teleschau - der mediendienst