Bülent Ceylan

Bülent Ceylan





"Das kann kein normaler Moderator machen!"

Bülent Ceylan steht für vieles - nur nicht für Political Correctness. Seine Späßchen über Deutsche, Türken und ihre Beziehungen zueinander sind sein Erfolgsrezept, damit wurde der gebürtige Mannheimer mit der schwarzen Mähne berühmt. Zuletzt überraschte der 42-jährige Comedian mit einer Filmrolle ("Verpiss dich, Schneewittchen!"), jetzt wird er zum Spielshowmoderator: In der Sendung "Game Of Games" (SAT. 1, Freitag, 14. September, 20.15 Uhr), die im US-amerikanischen Original von Ellen Degeneres moderiert wird, holt Ceylan sich die Teilnehmer aus dem Publikum und stellt sie vor spezielle Herausforderungen. Ein Gespräch mit dem Gastgeber über seine Entertainer-Qualitäten, die schon Frank Elstner zu einer sensationellen Idee brachten.

teleschau: Bülent Ceylan, nach Ihrer Schauspieleinlage in "Verpiss dich, Schneewittchen!" kommt die Moderation einer Spielshow bei SAT.1 nun fast überraschend. Manche dachten, Sie würden nun womöglich nur noch Kino machen.

Bülent Ceylan: Nee (lacht). Ich bin und bleibe Comedian und Entertainer, das ist mir auch ganz wichtig. Ich würde zwar auch gerne mal was Richtung Sitcom machen, das habe ich SAT.1 auch gesagt, und die waren ganz offen. Aber jetzt soll es erst mal eine Spielshow sein. Und "Game Of Games" ist wirklich die fetteste Spielshow im deutschen Fernsehen!

teleschau: Was braucht denn in Ihren Augen ein Unterhaltungsformat, um "die fetteste Spielshow" zu werden?

Ceylan: Keine Langatmigkeit! Ich möchte keine Fernsehshow machen, die über vier oder fünf Stunden geht, wie es sie in den vergangene Jahren oft gab. Die Philosophie bei SAT.1 ist eine andere. Denen ist der "Fun Freitag" wichtig, an dem man mehrere, kurzweilige Shows sehen kann, nicht nur eine.

teleschau: Was ist mit dem Moderator? Wie wichtig ist der für den Erfolg einer Show?

Ceylan: Der ist schon auch wichtig. Aber es nützt der beste Moderator nichts, wenn das Format nicht passt. Das hat man an Thomas Gottschalk gesehen. Er hatte ein tolles Format mit "Wetten dass ...?", und dann hat man ihm andere Formate gegeben, weil man gedacht hat: Mit Gottschalk wird das schon funktionieren! Hat es aber nicht. Das lag am Format.

teleschau: Und warum ist "Game Of Games" ein passendes Format für Sie?

Ceylan: Als SAT.1 diese Show gekauft hat, haben sie gedacht: Das kann kein normaler Moderator machen! Es sollte jemand sein, der mit einem Publikum umgehen kann und Witz hat. Und als am Ende die Wahl auf mich fiel, war das natürlich toll und ich habe mich auch ein wenig geschmeichelt gefühlt, das muss ich ganz ehrlich sagen (lacht).

teleschau: Hätten Sie auch "Wetten dass ...?" moderiert, wenn man Sie gefragt hätte und nicht Markus Lanz?

Ceylan: Ich hätte zumindest überlegt. Frank Elstner hat vor vielen Jahren, als ich gerade kurz vorm Durchbruch stand, im Vertrauen zu mir gesagt, dass er mich irgendwann mal da sieht, wenn Gottschalk es nicht mehr machen wollte. Das fand ich natürlich ein riesiges Kompliment und war voller Ehrfurcht. Sagen wir es mal so: Ich traue mir Sachen zu, und vielleicht hätte ich mir das auch zugetraut.

teleschau: Wer sich etwas zutraut, weiß um seinen Qualitäten. Welche attestieren Sie sich selbst?

Ceylan: Ich bin so, wie ich bin, umarme gerne jeden, das habe ich von meiner Mama geerbt. Ich freue mich mit Kandidaten mit, die etwas erreichen, wie ein kleines Kind. Der Zuschauer merkt auch, dass ich Sachen nicht einfach nur so sage, sondern sie ernst meine. Für mich ist das selbstverständlich, weil ich von meinen Eltern so erzogen wurde. Zusammen mit meinen Geschwistern haben wir zu sechst auf 68 Quadratmetern gelebt. Deshalb weiß ich auch alles, was ich bisher erreicht habe, so sehr zu schätzen, und wenn es eine Flasche Wein ist.

teleschau: Eine Flasche Wein?

Ceylan: Ja! Ich trinke ja nicht so oft, aber neulich habe ich mal irgendwo Wein getrunken, die Rechnung bezahlt, aber die Flasche war noch halb voll. Ich meinte dann: "Was ist denn mit der halben Flasche Wein?" Und der Kellner: "Die kommt weg." Und ich: "Nee, die hab ich doch bezahlt, die nehme ich mit nach Hause!" Man muss wissen, was die Dinge Wert sind.

teleschau: Sie haben auch mal gesagt, Sie wüssten, was ein Euro wert wäre. Der Gewinn bei "Game Of Games" ist nun im Vergleich mit anderen Shows geradezu mickrig: 50.000 Euro ...

Ceylan: Wir haben über die Summe diskutiert, also darüber, ob es die Leute heutzutage überhaupt noch reizt, um 50.000 Euro zu spielen. Aber ich meine: Was man mit 50.000 alles machen könnte! So viele Sachen! Das muss man den Leuten vielleicht mal wieder klar machen. Und man muss auch sagen: Die ganze Show ist in der Produktion sehr, sehr aufwendig!

teleschau: Ellen DeGeneres moderiert die Show in den USA. Sie steht dort vor allem für eine Political Correctness. Sie hingegen haben mit Political Correctness jetzt nicht so viel am Hut ...

Ceylan: (lacht) Aber das ist auch okay. Entweder, man liebt mich oder man hasst mich. Natürlich bringe ich bei "Game Of Games" nichts aus meinem Live-Programm, weil es einfach eine Spielshow ist. Aber der ein oder andere Spruch könnte auf spielerische Wiese schon mal einfließen.

teleschau: Zum Beispiel?

Ceylan: Zum Beispiel, wenn ein Kandidat Pole ist und mit einer Türkin verheiratet, sage ich schon mal so was wie: "Ach, cool: Der eine klaut, die andere vercheckt!" Ich glaube nicht, dass Pilawa so was sagen könnte, aber ich kann es, und die Leute wollen es ja auch von mir hören.

Quelle: teleschau - der mediendienst