Mile 22

Mile 22





Vier gewinnt?

Seine letzten drei Filme hat Regisseur Peter Berg mit Hollywoodstar Mark Wahlberg in der Hauptrolle besetzt: "Lone Survivor", "Deepwater Horizon" und "Boston". Mit dem Actionthriller "Mile 22" startet nun ihre vierte Kollaboration in den Kinos. Darin spielt Wahlberg den Spezialagenten Jimmy Silva, der mit seinem Elite-Team immer dann zum Einsatz kommt, wenn Diplomatie und Militär keine Lösungen mehr parat haben. Ein Volltreffer?

Nach einem mehr oder minder gelungenen Einsatz wird die schlagkräftige Truppe in einen fiktiven Staat in Südostasien beordert. Der zu den lokalen Sondereinsatzkräften gehörende Li Noor (Iko Uwais) verspricht hochbrisante Informationen über verloren gegangenes radioaktives Material, wenn er von Silva und seinen Leuten wohlbehalten zum Flughafen eskortiert und außer Landes gebracht wird. Dass die titelgebenden 22 Meilen, die es dabei zurückzulegen gilt, zum Spießrutenlauf geraten, versteht sich von selbst.

Mit "Mile 22" legt Peter Berg ("Hancock", "Battleship") seine zehnte Regiearbeit vor. Wenn nicht alle Zeichen trügen, könnte sein neues Werk den siebten kommerziellen Flop in seiner Karriere markieren. Denn in "Mile 22" ist künstlerisch so einiges misslungen. Das liegt vor allem am völlig überzeichneten Hauptcharakter: Wahlberg spielt einen hyperaktiven, bipolaren Unsympathen, der einfach nicht zur Identifikationsfigur taugt. Er versucht zwar, seinen unterhaltsamen Auftritt aus Martin Scorseses Meisterwerk "Departed - Unter Feinden" zu wiederholen, reicht jedoch nicht mal annähernd an diese Performance heran, obwohl seine markigen Sprüche hin und wieder auch zum Schmunzeln einladen.

Die Empathie des Publikums fokussiert sich daher gänzlich auf Silvas Kollegin Alice (Lauren Cohan, "The Walking Dead"): ihre privaten Probleme garantieren zumindest einen Hauch von Charakterentwicklung und -tiefe. Das patriotische und testosterongetränkte Machogehabe der restlichen Figuren sorgt allerdings für Zähneknirschen. Vor allem die "Heldentode" sind unfreiwillig komisch geraten. Besonders irritierend und (politisch) fragwürdig ist zudem der ausufernde Jubel über eine Tötung via Drohne - wer denkt sich so etwas bloß aus?

All das wäre noch zu verschmerzen, wenn Peter Berg eleganter gearbeitet hätte. Zuhauf wurde ihm bereits in der Vergangenheit Schludrigkeit attestiert, insbesondere was den Schnitt seiner Filme anbelangt. "Mile 22" bildet da keine Ausnahme. Denn die spektakulären Kampfszenen von Darsteller und Choreograf Iko Uwais wurden viel zu sehr fragmentiert und dadurch ihrer Wucht beraubt. In langen Einstellungen wären sie möglicherweise besser zur Geltung gekommen - beste Beweise dafür sind Uwais' legendäre Performances in den Martial-Arts-Meisterwerken "The Raid " und "The Raid 2".

Bei aller Kritik muss man Bergs Actionfeuerwerk aber auch zugutehalten, dass es an vielen Stellen zu unterhalten weiß. Das Drehbuch von Lea Carpenter und Graham Roland geht zum Beispiel relativ clever mit Uwais' Rollenbiografie um. Die brachialen urbanen Schlachten in "Mile 22" sind aber selbstverständlich das Herz des Films: Wenn sich Jimmy, Alice und Li durch ein Hochhaus ballern, werden positive Erinnerungen an "Dredd" und Bergs eigenen Actionthriller "Operation: Kingdom" wach. Der Überlebenskampf des Trios ist in diesen Szenen fesselnd inszeniert. Was "Mile 22" also an Anspruch und Übersicht fehlt, macht er zumindest in solchen Sequenzen mit spannungsgeladener Action halbwegs wieder wett.

Quelle: teleschau - der mediendienst