Rachel Bilson

Rachel Bilson





"Das ist der Schlüssel zum Leben"

Über 15 Jahre liegt die Kultserie "O.C., California" zurück. Man hätte also fast Verständnis für Rachel Bilson, würde sie die Augen verdrehen und genervt reagieren, wenn man sie darauf anspricht. Stattdessen reagiert die 36-Jährige im Interview gut gelaunt und gibt zu, dass auch sie sich die Folgen heute noch gerne anschaut. Fünf Jahre lang war sie als Summer Roberts in "O.C." zu sehen, jetzt erhofft sie sich auch für ihr neustes Projekt, die VOX-Serie "Take Two" eine Fortsetzung. Ob das passiert wird maßgeblich von den Quoten abhängen, denn der deutsche Sender mit France 2 und dem amerikanischen Sender ABC co-produzierte. Rachel Bilson spielt in der internationalen Krimi-Serie die gescheiterte Schauspielerin Sam, die ein neues Leben als Privatdetektivin beginnt. Im Interview verrät Rachel Bilson, warum so ein Job nichts für sie wäre und was in ihrem Leben erste Priorität hat.

teleschau: Ihre neue Serie trägt den Titel "Take Two". Wofür steht er?

Rachel Bilson: Das Leben als Privatdetektivin ist für meine Rolle Sam die zweite Chance, also sozusagen die zweite Klappe. Sie kann nach all den Problemen neu beginnen und erfindet ihr Berufs- und Privatleben neu.

teleschau: Sam ist Schauspielerin, genau wie Sie...

Bilson: Beim Lesen des Drehbuchs habe ich viele Verbindungen gesehen, was ihr Wesen angeht. Sie ist stark und selbstständig, das mag ich sehr. Auch liegt es mir, dass sie alles mit einem Sinn für Humor handhabt. Trotzdem sind wir auch in vielem unterschiedlich.

teleschau: Hätten Sie auch in einer ernsten Krimiserie mitgespielt?

Bilson: Comedy liegt mir einfach, es macht mir unglaublich Spaß. Allerdings mag ich generell Serien und schaue auch gerne Krimis. Am besten gefällt es mir, wenn am Ende der Fall komplett aufgelöst wird. Daher hätte ich wahrscheinlich auch in einer ernsten Serie mitgespielt.

teleschau: Wie schwierig ist es, sich nach einer langen Zeit wieder von einer Rolle zu trennen?

Bilson: Es ist immer traurig, sich zu verabschieden. Aber man sollte dankbar sein, dass man die Rolle spielen durfte. Ich hatte schon öfter das Glück, eine Figur länger zu spielen und habe mich am Ende immer erfüllt gefühlt. Weil ich wusste, dass ich das meiste aus dem Charakter rausgeholt habe. Bei einer Serie lebt man länger mit einer Figur, es wird dein zweites Ich, und das ist richtig cool. Filme sind aber auch gut, weil man einen Charakter spielen kann und danach einen Strich drunter macht und weiterzieht. Beides hat Vorteile, und ich könnte nicht direkt sagen, was ich lieber mache. Ich hatte aber bisher sehr viel Erfolg im Fernsehen, und das weiß ich zu schätzen.

teleschau: Wären Sie als Privatperson mutig genug, ein Privatdetektivin zu sein?

Bilson: Ich finde den Beruf wirklich cool, aber ich glaube, ich würde nicht damit klarkommen. So eine Arbeit bringt viele unbequeme Situationen mit sich. Mir liegt es mehr, nur einen Detektiv zu spielen (lacht). Dann macht es auch richtig Spaß, die Fälle zu lösen. Ich mag Rätsel sehr gerne.

teleschau: Haben Sie sich je, wie Ihre Rolle Sam, in der Öffentlichkeit verkleidet, um nicht erkannt zu werden?

Bilson: Nein, das musste ich noch nie machen. Die größte Verkleidung, die ich mir manchmal gönne, ist ein Hut. Aber ich werde auch nie auf eine unangenehme Weise angesprochen, daher habe ich kein Problem damit, wenn die Menschen mich erkennen.

teleschau: "Take Two" ist eine internationale Co-Produktion. Brauchen wir mehr davon?

Bilson: Ich finde das toll, wenn man ein Produkt schafft, das alle Menschen auf der Welt interessiert. Die Verantwortlichen aus den drei Ländern waren viel am Set und haben auch aktiv mitgesprochen.

teleschau: Schauen Sie denn Ihre eigenen Serien?

Bilson: Ja, natürlich. Ich mag es sehr, das Endprodukt anzuschauen, und es ist beeindruckend, was das Team zusammen erschaffen hat. Trotzdem ist es mir manchmal peinlich, mich selbst zu sehen.

teleschau: Und wie fühlt es sich an, jetzt noch "O.C., California" zu sehen?

Bilson: Auch das ist wirklich cool. Ich erinnere mich immer gerne daran zurück, weil mir diese Serie alles, was ich heute habe, ermöglicht hat. Ich kann nur kaum glauben, wie lange das schon her ist! Vor kurzem hatten wir unser 15. Jubiläum. Es war so eine einmalig gute Erfahrung, daher liebe ich es auch jetzt noch die "O.C."-Folgen zu sehen.

teleschau: Sind Sie nie genervt, wenn die Menschen Sie immer noch danach fragen?

Bilson: Ganz im Gegenteil! Es ist faszinierend, dass die Leute die Serie auch jetzt noch kennen, und der Erfolg so lange anhält.

teleschau: Würden Sie gerne noch mal eine Serie über mehrere Jahre drehen?

Bilson: Ja. Ich hoffe, dass "Take Two" fortgesetzt wird, weil es unglaublich Spaß macht, diese Rolle zu spielen, und weil die Serie auch einfach sehr gelungen ist. Trotzdem bin ich jetzt Mutter, und das ist meine erste Priorität. Wenn ich ein Engagement finde, das es mir erlaubt, die meiste Zeit eine Mutter zu sein, wäre das die ideale Situation.

teleschau: Ihr Leben hat sich also sehr verändert, seit Sie Mutter sind?

Bilson: Zu 100 Prozent! (lacht). Es ist das Beste, was mir je passiert ist, und man kann gar nicht in Worte fassen, wie fantastisch es ist. Das ist der Schlüssel zum Leben.

teleschau: Aber ist es nicht herausfordernd, Job und Muttersein unter einen Hut zu bekommen?

Bilson: Ich denke nicht an beides Hand in Hand. Es ist hart, eine arbeitende Mutter zu sein, weil es schwer ist, von meiner Tochter getrennt zu sein. Das muss es dann auch wert sein. Ich tue es schließlich auch für sie, um sie zu unterstützen und ein gutes Beispiel zu sein.

teleschau: Sie haben sehr früh angefangen zu schauspielern. Gab es eine Veränderung bei den Rollen?

Bilson: Schwer zu sagen. Ich merke, dass die Frauen mehr im Zentrum stehen und man auch mehr an sie denkt. Solche Rollen waren zwar immer da, aber man hat nicht immer die Chance bekommen, sie zu spielen. Jetzt wird mehr dafür getan, und die Frauen kommen stärker zur Geltung. Es ist großartig, dass mehr und mehr Projekte umgesetzt werden, bei denen die Frauen eine tragende Rolle spielen.

teleschau: Dazu hat sicherlich auch die #MeToo-Debatte beigetragen, oder?

Bilson: Es ist auf jeden Fall gut, dass all das Negative jetzt an die Öffentlichkeit gelangt ist. Das ist insofern wichtig, als dass sich eben dadurch erst viele Dinge geändert haben. Man sieht: Es kann jederzeit eine gute Veränderung von so schlimmen Dingen kommen.

teleschau: Wenn Sie nicht Schauspielerin geworden wären, was dann?

Bilson: Ich habe nie darüber nachgedacht, meinen Job zu wechseln. Wahrscheinlich wäre ich alternativ Erzieherin geworden, weil ich Kinder so sehr mag. Mich fasziniert ihre Energie, und ich bin sehr geduldig. Ich könnte mir aber vorstellen, mal eine Kindershow zu drehen, sodass auch meine Tochter mich auf dem Bildschirm sehen könnte.

teleschau: Was sind Ihre konkreten nächsten Projekte?

Bilson: Momentan drehen wir nicht, daher bin ich erst mal nur Mutter. Manchmal ist es ziemlich cool, ganz alltägliche, normale Sachen zu machen.

Quelle: teleschau - der mediendienst