Silke Bodenbender

Silke Bodenbender





Früher Workaholic, heute Familienmensch

Seit ihrem Durchbruch als TV-Darstellerin im Jahr 2005 waren Silke Bodenbender oder die Filme, in denen sie mitwirkte, bei gefühlt jeder nationalen Preisverleihung nominiert. Den Deutschen Filmpreis als beste Nebendarstellerin erhielt sie im Jahr 2008 für ihre Rollen in "Eine folgenschwere Affäre" und "Das jüngste Gericht". Parallel zu ihren TV-Engagements spielte die 44-Jährige zusätzlich noch Theater. Erst vor einiger Zeit wurde es etwas ruhiger um sie. Aus gutem Grund, schließlich ist die ebenso kluge wie nachdenkliche Schauspielerin 2010 und 2014 Mutter geworden. Die Zeit mit der Familie ist ihr das Wichtigste auf der Welt. Das hielt Bodenbender aber nicht davon ab, fürs ZDF ein zweites Mal in ihrer "eigenen" Krimireihe zu ermitteln. Am Montag, 3. September, 20.15 Uhr, darf sie in "Lotte Jäger und die Tote im Dorf" als seelisch angeknackste Heldin wieder die ganze Bandbreite ihrer Schauspielkunst unter Beweis stellen.

teleschau: Mitte der 2000-er waren Sie nahezu Dauergast auf sämtlichen nationalen und vielen internationalen Preisverleihungen. Hat sich das mittlerweile geändert? Sind Sie ruhiger geworden?

Silke Bodenbender: Ich mache definitiv weniger als zuvor. Früher habe ich sogar zeitgleich noch Theater gespielt. Das ist inzwischen nicht mehr der Fall. In diesem Jahr habe ich bislang erst einen Film gedreht, der mir wirklich zugesagt hat. Ich habe meine Rollen schon immer bewusst ausgewählt, aber jetzt spiele ich noch weniger - auch, um mehr Zeit für meine Familie zu haben. Ab September probe ich wieder am Theater, aber dann drehe ich nicht noch parallel dazu. Das wäre mir mittlerweile zu viel.

teleschau: Also hat das Mutterdasein daran einen maßgeblichen Anteil?

Bodenbender: Absolut. Ich habe mein Leben dadurch ziemlich umgekrempelt. Wenn man kinderlos in einer Partnerschaft lebt, dann ist das etwas ganz Anderes. Damals war ich noch unabhängiger. Da hat es mir einfach Spaß gemacht, wöchentlich im Zug zu sitzen, verschiedene Orte zu sehen und ständig neue Leute zu treffen. Ich bin früher gerne übers Wochenende in den Städten geblieben, in denen ich gedreht habe. Das mache ich heute gar nicht mehr. Ich versuche jede freie Minute zu Hause zu verbringen, weil ich meine Familie sehen möchte.

teleschau: Sie waren bereits für zahlreiche Filmpreise wie den Grimme-Preis oder die Goldene Kamera nominiert. Den Deutschen Filmpreis konnten Sie bereits gewinnen. Wie wichtig sind Ihnen solche Auszeichnungen?

Bodenbender: Am Anfang meiner Karriere, hat mich das alles sehr überrascht. Es gab so zwei, drei Jahre mit besonders vielen Nominierungen, das hat mich ziemlich überrumpelt. Natürlich ist es schön, eine Bestätigung von der Branche zu bekommen. So weiß man immer, dass man grundsätzlich auf einem guten Weg ist. Aber die Angst vor diesen Preisverleihungen war immer so dominant, dass ich den Terminen stets mit gemischten Gefühlen begegnete. Ich gehe nicht gerne auf solche Veranstaltungen. Ich habe mich zwar immer wahnsinnig über die Nominierungen gefreut, aber gleichzeitig war die Aufregung immer sehr präsent... Als ich den Deutschen Fernsehpreis erhalten habe, habe ich das zunächst gar nicht realisiert. Der Kollege, der mich begleitete, musste mich quasi vom Sitz schieben, damit ich endlich zur Bühne hoch laufe! (lacht)

teleschau: Im Jahr 2016 haben Sie zum ersten Mal die LKA-Beamtin Lotte Jäger verkörpert. Wie findet man zwei Jahre später wieder in die Rolle hinein?

Bodenbender: Durch die Gespräche mit dem Team. Diesmal gab's mit Franziska Meletzky eine andere Regisseurin, daher haben wir uns im Vorfeld oft getroffen und auch das Kostüm ein bisschen verändert. In den Gesprächen habe ich mich dann wieder an die Darstellung des Charakters im ersten Teil angenähert. So findet man einen Zugang. Außerdem wurden Lottes Angstzustände im Vorgänger kaum behandelt. Die fanden erst jetzt einen größeren Eingang in die Geschichte. Dadurch ist der Charakter vielschichtiger geworden.

teleschau: Wie schafft man einen Zugang zu einem Charakter, der innerlich so zerrissen und psychisch derart angeknackst ist?

Bodenbender: Über das Drehbuch. Ich habe mich jetzt nicht mit einer Psychologin zur Recherche getroffen. Man setzt sich mit dem Text, mit den Gefühlen der Figur auseinander. Den Rest macht dann die Fantasie! Wie man eine solche Angst darstellen will, ist immer auch Interpretationssache.

teleschau: Lassen Sie sich von anderen Darstellern und Formaten inspirieren?

Bodenbender: Überhaupt nicht. Das würde meine eigene Imagination bremsen. Bei mir läuft vieles unbewusst ab. Ich bereite mich sehr gut vor und überlege mir, wie ich die Rolle gestalten will: Was ist ihr innerer Konflikt, ihre Haltung? Nur um dann am Set wieder alles zu vergessen - und zwar ganz bewusst. Ich mag es sehr gerne, wenn jeder vor Ort einfach schaut, was der Partner macht, und dann darauf reagiert. Wenn man zu verkopft an eine Rolle herangeht, dann handelt und spielt man nicht mehr instinktiv.

teleschau: Gibt es eine grundlegende Methode, um sich einer Figur zu nähern, oder ist es immer wieder etwas Neues?

Bodenbender: Es gibt keine Blaupause. Inzwischen nähere ich mich den Figuren immer individuell. Früher habe ich alle Drehbücher gleich akribisch zerpflückt, analysiert und einstudiert, das mache ich heute nicht mehr. Jedes Buch braucht eine andere Vorbereitung. Ich kann auch nicht heute einen Film zusagen und nächste Woche schon mit dem Dreh beginnen. Das ist mir zu kurzfristig. Es macht mir Spaß, meinen Körper und Geist anzuwerfen und mich mit der Frage zu beschäftigen, wohin ich diese Figur entwickeln möchte. Nur dann habe ich am Set die Möglichkeit, meinen Masterplan wieder über Bord zu werfen. Ich finde es mittlerweile viel spannender, vor Ort wirklich loszulassen und zu improvisieren. Dafür braucht es aber eine gute Vorbereitung, um dann hinterher gelassen an die Arbeit zu gehen.

teleschau: Die beiden "Lotte Jäger"-Fälle wurden von Frauen inszeniert. Gibt es einen Unterschied in der Arbeit mit männlichen oder weiblichen Regisseuren?

Bodenbender: Das habe ich bislang noch nicht so empfunden. Ich habe schon mit Regisseurinnen gedreht, bei denen ich das Gefühl hatte, dass sie eine eher "männliche" Sicht auf die Dinge haben. Und umgekehrt mit männlichen Filmemachern, deren Perspektive ich als sehr sensibel und dadurch eher als typisch "weiblich" empfunden habe. Das ist wohl immer Charaktersache.

teleschau: Empfinden Sie mit der Krimi-Reihe einen Erfolgsdruck, der auf Ihren Schultern lastet?

Bodenbender: Nein, denn ich sehe die "Lotte Jäger"-Filme auch noch nicht als Reihe. Wir drehen einfach Teil für Teil und sehen dann, ob und wie es in Zukunft weitergeht. Ich konzentriere mich auf die starken Drehbücher unseres Autoren Rolf Basedow und schaue mir keine anderen Reihen an, um zu vergleichen oder mir explizit zu überlegen, was ich anders machen könnte. Mich interessiert immer nur die Geschichte und die Regie.

teleschau: Sie sagten einmal, dass Sie gerne in einer Komödie mitspielen würden, wenn Sie das Drehbuch überzeugt. Bislang kam es noch nicht dazu. Wie müsste denn eine Komödie aussehen, über die Silke Bodenbender lacht?

Bodenbender: Ich mag es ganz gern, wenn eine Komödie eine gewisse Tiefe hat und gerne auch mal weh tut. Ich mag schwarzen Humor und ein bisschen was Skurriles. Eine Komödie muss sich immer auch eine gewisse Ernsthaftigkeit bewahren. Nichts gegen Slapstick! Wenn der gut gespielt ist, mag ich das natürlich auch. Nur romantische Komödien sind mir oft zu weichgespült. So was schaue und spiele ich nicht gerne. Wenn man menschliche Schwächen ernst nimmt und dann daraus die Komik zieht - das gefällt mir!

Quelle: teleschau - der mediendienst