Grüner wird's nicht, sagte der Gärtner und flog davon

Grüner wird's nicht, sagte der Gärtner und flog davon





Schorsch macht den Abflug

Man kann einen Protagonisten mit vielen Fortbewegungsmitteln Reißaus nehmen lassen. In einem anderen Buch von Jockel Tschiersch, dem Autor der Romanvorlage für diesen Film, war es eine Planierraupe. Für eine Verfilmung erweist sich ein Flugzeug aber als vorteilhafter, es entstehen wunderbare Landschaftsbilder von oben, die der Geschichte etwas Meditatives verleihen. "Grüner wird's nicht, sagte der Gärtner und flog davon", lautet der hübsche Titel dieses Roadmovies. Es beginnt in luftiger Höhe in der bayerischen Provinz am Tegernsee. Weil der von Schorsch (Elmar Wepper) gepflanzte Rasen nicht den richtigen Farbton hat, wird er um seine Bezahlung betrogen und bekommt finanzielle Schwierigkeiten. Sogar sein geliebtes Flugzeug, ein alter Propeller-Doppeldecker, soll gepfändet werden. In einem Trotzanfall steigt der Gärtner ein und - der Titel verrät es schon - fliegt davon. Es ist eine ungeplante Flucht, auch aus einem Leben mit eingefrorenen Gefühlen, weg von seiner Frau und seiner Tochter.

Das Klischee vom Fliegen und der Freiheit, das hier bedient wird, ist vernachlässigbar. Sobald der Motor stottert, wird Schorsch mit einer unsanften Landung auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: Fliegen kann nur, wer Sprit hat. Eine Notlandung führt ihn zu einer Begegnung mit dem verschrobenen Bauern Hans (Michael Hanemann), der einsam auf einem Gehöft lebt und dem Fremden erst einmal einen Schlafplatz und eine Mahlzeit anbietet. Herrlich anzusehen, wie die beiden da abends zusammensitzen und Hans wie eine noch verlorenere Version von Schorsch wirkt, der wenigstens sein - jetzt wieder vollgetanktes - Flugzeug hat, um weiterzuziehen.

Nebenfiguren wie diese, die kurz anklingen und in wenigen Momenten viel über gelungene oder weniger gelungene Leben erzählen, sind die emotionalen Highlights in "Grüner wird's nicht, sagte der Gärtner und flog davon". Manche agieren an der Grenze zur Parodie, wie der eigenartige Schlossbesitzer und seine Frau (Ulrich Tukur und Sunnyi Melles), bei denen sich Schorsch als Gärtner Geld für seine Reise zum Nordkap - ein alter Traum, den er wieder zu träumen wagt - verdient. Als Schorsch weiterfliegt, ist er nicht mehr allein. Die Tochter des Adeligen hat sich ihm aufgedrängt und aus Verbundenheit mit jemandem, der sich wie er in der eigenen Familie nicht zu Hause fühlt, nimmt er sie mit.

Die schon in jungen Jahren exzentrische Philomena (Emma Bading, gereift und in Höchstform) zeigt sich bei ihren Eltern anstrengend-aufgedreht, kindlich-verspielt, penetrant-rebellisch und nach Liebe lechzend. Aber sie sorgt für Witz und manchen guten Spruch: "Wie, du heißt Schorsch? Das ist doch kein Name, sondern ein Geräusch."

Nach einigen Begegnungen, wie mit der weisen Besitzerin (Dagmar Manzel) eines stillgelegten Flughafens, wird klar, dass die ganze Reise der Aufarbeitung der Frage dient, warum Georg seit Jahren den Mund und das Herz nicht mehr recht aufbekommt. Dabei erhalten auch die verlassene Ehefrau (Monika Baumgartner) und die Tochter (Karolina Horster) zu Hause genug Raum für ihre eigene bewegende Geschichte.

Florian Gallenberger (Oscar-Preisträger 2001 mit dem Kurzfilm "Quiero Ser") bringt Figuren mit feinem Humor, einen Helden mit Entwicklungspotenzial und poetisch anmutende Bilder aus der Luft in einem schönen, unterhaltsamen Film zusammen. Auf große dramaturgische Einfälle kann er dabei verzichten, die Arbeit erledigen Hauptdarsteller Elmar Wepper zusammen mit den vielen Nebendarstellern, die eigene Nuancen und Stimmungen mit einbringen und einer kleinen Geschichte über das Leben und der Suche nach Glück eine angenehme Tiefe und Seele geben.

Quelle: teleschau - der mediendienst