Safari - Match Me If You Can

Safari - Match Me If You Can





Liebe 3.0

Die Sache mit der Liebe ist schwierig geworden. Online-Dating und Dating-Apps sollen einsame Herzen zusammenführen. Tatsächlich ist die schönste Sache der Welt dabei, eine sehr nüchterne Angelegenheit zu werden. Regisseur Rudi Gaul ("Wader Wecker Vater Land") hat auf der Basis eines von ihm geschriebenen Theaterstücks einen brandaktuellen Beziehungsreigen inszeniert, bei dem Sein und Schein eine entscheidende Rolle spielen.

"Safari" ist die neueste App, um in München einen Partner zu finden - und sei es auch nur für eine Nacht. Foto einstellen, Vorlieben eingeben, und schon entdeckt die App potenzielle Kandidaten. Auch die hübsche Lara (Elisa Schlott) ist unter den Nutzern und findet auf diese Wiese den Piloten Harry (Justus von Dohnányi), mit dem sie irdischen Spaß im Bett hat. Was keiner weiß: Harry ist kein Pilot, sondern einfach nur Busfahrer, während Lara ihren Anhängern auf Instagram vorgaukelt, sie wäre überzeugte Jungfrau. Schein und Sein divergieren hier gewaltig, das gehört dazu im gegenwärtigen sozialen Miteinander.

Auch der schüchterne David (Max Mauff) ist auf Safari unterwegs und hat dabei gewisse Probleme. Im Netz macht er einen auf coolen Hengst, doch richtigen Sex hatte er tatsächlich noch nie. Mona (Juliane Köhler) ist über 50, Mutter einer 25-Jährigen und seit Ewigkeiten Single; sie tut sich ebenfalls schwer mit der Partnersuche. Also versucht sie ihr Glück auf Safari und gerät an den unbeholfenen Life (Sebastian Bezzel). Der ist wie sie alleinerziehend und arbeitet als Clown, kann aber über spontanen Sex im Auto wenig lachen.

Regisseur und Autor Rudi Gaul seziert in "Safari - Match Me If You Can" das Tinder-Zeitalter. Die Szenen, die er entwickelt hat und als nicht ganz homogenen Episodenfilm miteinander verknüpft, enthalten viel Wahres. Manchmal sind sie lustig, manchmal traurig und manchmal geradezu grotesk. Die Dating-Welt hat sich verändert, keine Frage, und sie dreht sich immer schneller. Die digital verfügbaren Optionen sind eine Herausforderung, der längst nicht alle Figuren im Film gewachsen sind. Gaul hat dabei sehr unterschiedliche Charaktere entwickelt, die wegen der bewussten Überzeichnung hier und da etwas stereotyp erscheinen mögen, tatsächlich aber Ergebnis einer sorgfältigen Recherche sind.

Juliane Köhler verkörpert die Mutter, die die Lust am Sex wiederentdeckt und keine Angst vor Peinlichkeiten hat, ebenso perfekt wie Justus von Dohnányi den Gelangweilten, der in außerehelichen Eskapaden von einem anderen Leben träumt. Und eben darum geht es letztlich in diesem Film: um die Sehnsucht, jemand zu sein, der man nicht ist. Gleichzeitig steht der Wunsch im Vordergrund, so geliebt zu werden, wie man ist. Insofern ist "Safari" weniger ein launig-leichter Sommerfilm für die Tinder-Generation, sondern eher eine Sozialstudie, die zum Nachdenken anregt.

Quelle: teleschau - der mediendienst