Peter Giesel

Peter Giesel





Darum haben es Abzocker auf deutsche Urlauber abgesehen

Heißer Sommer, Ferienzeit! Viele Deutsche befinden sich derzeit im wohlverdienten Urlaub. Im Süden Europas aber auch in heimischen Gefilden locken Sonne, Strand und hoffentlich schöne Ferien. Auch Peter Giesel, der bei kabel eins mit seinem Format "Achtung Abzocke" immer wieder mit guten Quoten "Urlaubsbetrügern auf der Spur" ist (neue Folgen ab Donnerstag, 13. September, 20.15 Uhr), findet, dass sich Urlauber ihre "wertvolle Zeit" nicht vermiesen lassen sollten. Wo besondere Achtsamkeit geboten ist und wie man den Abzockern nicht auf den Leim geht, das verrät der vielgereiste Experte im Interview. Unter anderem, warnt Giesel, sollte man bei Exkursionen aufpassen. Er weiß jedoch auch, dass gerade die Deutschen sehr empfindlich reagieren, wenn sie sich mit kleinen Betrügereien konfrontiert sehen. Der "Abzock-Jäger" rät zum postiven Denken: Der Mann, der im TV schon so viele Betrügereien aufgedeckt hat, betont, er sei gegenüber anderen Menschen nicht misstrauischer geworden.

teleschau: Herr Giesel, in Ihren Sendungen decken Sie immer wieder fiese Abzockmethoden auf. Können Sie anderen Menschen noch vertrauen?

Peter Giesel: Ja. Insgesamt spürt man doch, wenn eine Situation brenzlig oder Menschen womöglich gefährlich werden könnten. Allerdings erkenne ich diese auf der Straße recht schnell. Oftmals reicht es aus, seinen Instinkten zu folgen. Misstrauischer anderen gegenüber bin ich nicht geworden.

teleschau: Bei Ihren Sendungen könnte der Zuschauer das Gefühl bekommen, dass eigentlich überall betrogen wird.

Giesel: Bei unseren Fällen sehen wir vieles durch ein Brennglas. So suchen wir anders als andere Formate nicht etwa nach dem tollen Strand oder dem günstigen Familienhotel. Sondern wir fahnden ganz bewusst nach den Stolperfallen, nach den Abzocken und den Betrügereien, auf die Touristen hereinfallen könnten. Und wenn wir uns mit versteckter Kamera auch mal an einen hübschen Strand legen, dann wissen wir bereits, das an diesem etwas passieren wird.

teleschau: Gibt es ein Land, in dem nicht abgezockt wird?

Giesel: In einigen Ländern sind Betrügereien schon kulturell eher verpönt und damit weniger verbreitet. Oftmals sind es auch nicht die Einheimischen, die zu Tätern werden. Wenn wir beispielsweise in Lissabon einen Fall von Abzocke aufdecken, dann behaupten wir bestimmt nicht, es sind die Portugiesen, die stehlen. Es gibt überall immer wieder einige, die mit Touristen einen Extra-Euro machen wollen. Und Deutschland schließt sich da auch nicht aus.

teleschau: Gibt es Fehler, die gerade deutsche Touristen immer wieder begehen?

Giesel: Die Deutschen sind gerade im Urlaub bereit dazu, viel Geld auszugeben. Sie zahlen beispielsweise für eine teure Exkursion mit der ganzen Familie, obwohl diese in dem Pauschalangebot bereits enthalten war. Wenn sie Pech haben, geraten sie zudem an einen falschen Anbieter, bei dem der Ausflug viel zu lange dauert und dann auch noch fade ist. Gerade in den Ferien ist das besonders ärgerlich, weil diese Zeit so wertvoll ist. Und anders als Amerikaner reagieren Deutsche viel empfindlicher, wenn sie etwa hinters Licht geführt wurden. Viele sehen das als Urlaubstag minus eins.

teleschau: Viel Geld sollten Touristen in unbekannter Umgebung wohl auch nicht mit sich führen, oder?

Giesel: Es ist bekannt, das Japaner und Koreaner relativ viel Bargeld bei sich haben. Überall in Europa macht sie das zu einem Riesenziel für Taschendiebe. Erstaunlich aber ist, dass sie nach einem Vorfall viel gleichmütiger reagieren als der mit dem Fuß stampfende Deutsche. Vielleicht rechnen sie sogar damit, dass ihnen etwas passieren könnte.

teleschau: Schon vor der Reise lauern Fallen wie etwa ein Hotel, das mit tollen Fotos wirbt und womöglich viel zu gut bewertet wurde. Was empfehlen Sie: online buchen oder Reisebüro?

Giesel: Heutzutage meinen viele, sie buchen schnell im Netz. Sie glauben, das seien die besten Schüsse und sie würden viel Geld sparen. Aber was bringen die 400 Euro, die sie sparen, wenn sie letztendlich unglücklich in einem Hotel sitzen, das fakemäßig beworben wurde? Im Reisebüro hingegen arbeiten Menschen aus Fleisch und Blut. Häufig wurden sie von den großen Reiseveranstaltern auch schon eingeladen, um sich von den Hotelanlagen vor Ort ein eigenes Bild zu machen. Die Reisebüros sind deshalb gerade für Unerfahrene eine erste Anlaufstelle. Idealerweise aber hat der Reisende Familienmitglieder oder Freunde, die den gewünschten Urlaubsort bereits besucht haben. Diese geben immer noch die besten und verlässlichsten Tipps.

teleschau: Sie werden gerne Abzock-Jäger genannt. Wie gefällt Ihnen diese Bezeichnung?

Giesel: Jagen heißt immer auch erlegen. Das aber mache ich nicht. Und so sehe ich mich weniger als Jäger, sondern viel mehr als Aufklärer. Was wir machen, dient dazu, Reisende bewusst auf ihren Urlaub vorzubereiten. Bei uns erfahren sie einiges, das sie etwa in Reiseführern nicht zu lesen bekommen. So schnüren wir nach jedem Beitrag immer auch ein Paket mit praktischen Tipps, die vor Ort nützlich sein können.

teleschau: Zum Beispiel?

Giesel: Wenn sie in New York zur Freiheitsstatue wollen, dann kaufen sie die Tickets nicht wie so viele am U-Bahnhof. Sondern gehen sie zum offiziellen Häuschen - nur da gibt es die Tickets, um auf die "Isle of Liberty" zu gelangen. Die beste Zeit dafür ist zwischen 10 und 13 Uhr. Dann erwartet sie auch keine lange Schlange.

teleschau: Wie kommen Sie zu den Fällen, über die Sie in der Sendung später aufklären?

Giesel: Wir durchforsten natürlich die vielen Reiseportale. Und zwar weltweit und in allen Sprachen. Das ist wichtig. Denn gerade die Deutschen beschweren sich zwar gerne, posten im Internet darüber aber eher selten. Andere Nationalitäten sind da auskunftsfreudiger. Wenn wir auf einen Fall in einer Destination stoßen, wohin auch Deutsche gerne reisen, senden wir ein Voraus-Team oder engagieren einen lokalen Mitarbeiter. So klopfen wir die Angelegenheit zunächst ab. Aber da bin ganz ehrlich: Rund ein Drittel der Geschichten passieren uns auch per Zufall vor Ort.

teleschau: Dort erleben Sie nicht selten die Konfrontation. Haben Sie Spaß am Stress?

Giesel: Nein, ich habe keinen Spaß am Stress. Aber ich habe ich ein großes Rechtsbewusstsein tief in mir. Schon als Jugendlicher habe ich mich wahnsinnig darüber aufgeregt, wenn ich gemerkt habe, dass ich überrumpelt wurde. Es ist mein Gerechtigkeitsempfinden, das mich antreibt, einen Missstand zumindest zu beenden. Ich gebe es zu: Das juckt mich schon! Aber irgendwie Randale machen, das ist nicht unsere Art. Wir suchen stets das Gespräch. Natürlich stößt das nicht immer auf Gegenliebe.

teleschau: Was war Ihr schlimmstes Erlebnis?

Giesel: Handgreiflich wurde es in Varna in Bulgarien. Es ging um eine Bande, die auf der Straße Euro gegen eine wertlose alte bulgarische Währung getauscht hat. Beim Geldwechsel vor einer Kirche hat mich einer der Mitglieder mit einem Flaschenhals bedroht. Und das mittags um zwölf Uhr. Da war dann aber auch schnell Schluss mit lustig. Wir waren bei der Polizei. Der Mann sitzt im Gefängnis.

teleschau: Wie schützen Sie sich bei vermeintlich gefährlichen Situationen?

Giesel: Wir sind immer zu fünft oder sechst. Im Fernsehen sind diese Mitarbeiter zumeist nicht zu sehen. Sie sitzen beispielsweise getarnt als Gäste in einem Restaurant. So bin ich bei keiner möglichen Konfrontation allein. Zudem ist meine eigene Erscheinung nicht unbedingt klein und schmächtig.

teleschau: In Hotels liegen aber noch keine Bilder von Ihnen aus, die vor Ihrem Erscheinen warnen?

Giesel: Im Ausland werden wir glücklicherweise nicht zu oft erkannt. Das erleichtert die Arbeit schon sehr. Neulich jedoch wurde ich während meines Urlaubes in Rhodos von einem Vater angesprochen. Mitten am Buffet wollte er wissen, was in dem Hotel denn giftig sei und ob er seine Kinder in ein anderes bringen sollte.

Quelle: teleschau - der mediendienst