Gerhard Wittman

Gerhard Wittman





Nowitzki auf dem Rücksitz, Eberhofer im Nacken

Seit 1996 dreht er mit schöner Regelmäßigkeit Filme. Darunter echte Perlen wie "Kirschblüten - Hanami" oder "Die Hummel". Die eigentliche Heimat von Gerhard Wittmann, der oft in etwas hintersinnigen, nicht selten auch latent verdrucksten Nebenrollen glänzt, ist das Fernsehen - und dort entweder Zweite-Reihe-Auftritte in Produktionen wie "Tatort" oder in Serien wie die urigen "Rosenheim Cops". Seit der heute 54-Jährige, der selbst in tiefer Provinz im schwäbischen Landkreis Aichach-Friedberg aufwuchs, in der Rita-Falk-Landermittler-Erfolgsreihe rund um den g'schlamperten Dorfpolizisten Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) mitspielt, liebt ihn der gesamte weißblaue Freistaat. Seit Wittmanns witzigen Werbespots an der Seite von Basketball-Star Dirk Nowitzki kennt ihn auch ganz Deutschland. Nun spielt er seine Paraderolle des Eberhofer-Bruders Leopold in der Kinokomödie "Sauerkrautaroma" (Start: 9. August) bereits zum fünften Mal.

teleschau: Herr Wittmann, jetzt sind Sie schon in der fünften Eberhofer-Krimiverfilmung zu sehen. Kommt das schon langsam einer Art Verbeamtung wie bei einem "Tatort"-Kriminalkommissar gleich?

Gerhard Wittmann: Nein, so fühlt sich's mit Sicherheit noch nicht an. Es liegt ja doch immer ein ganzes Jahr dazwischen. Wenn wir als Ensemble jeweils wieder zusammenkommen, dann fühlt sich das aber an, wie wenn man in eine Familie zurückkehrt. Wir sagen uns dann immer, dass wir jetzt wieder einiges abarbeiten müssen.

teleschau: So ein bisschen familiär geht's also schon zu am Set?

Wittmann: Absolut. Jeder verträgt sich mit jedem. Ich freue mich immer sehr auf meinen "Bruder" - auf den Sebastian Bezzel. In der kurzen Zeit, die uns zusammen bleibt, haben wir dann eine tolle Gelegenheit, alle Fußballgeschehnisse zu verarbeiten. Oft passiert es dann, dass wir uns so verratschen, dass wir vom Aufnahmeleiter aus unseren Gesprächen rausgeholt werden müssen, weil gedreht werden muss.

teleschau: Um welchen Verein geht's da? Sebastian Bezzel lebt ja schon eine ganze Weile in Hamburg.

Wittmann: So ist es. Und mein Herzensverein spielt dort, wo er lebt.

teleschau: Tatsächlich der HSV? Da haben Sie ja harte Zeiten hinter sich.

Wittmann: Man muss leidensfähig sein. Sebastian hat mir immer versprochen, auf meinen Verein aufzupassen. Aber er hat's nicht getan. Sonst wär's nicht so weit gekommen.

teleschau: Wie kommt man denn dazu, vom Süden aus HSV-Fan zu werden?

Wittmann: Richtig. Ich muss, glaube ich, 13 gewesen sein. Da war 1977 Europapokal-Endspiel der Pokalsieger. Zuvor gab's zwei Halbfinalspiele. Damals hatten wir noch einen Schwarzweiß-Fernseher. Mit meinem Vater hatte ich mir das erste Halbfinale angeschaut, bei dem der HSV 3:1 gegen Atletico Madrid verlor. Die hatten aber sehr gut gespielt. Unter anderem mit Leuten wie Magath. Später haben wir das Rückspiel angeschaut, das der HSV 3:0 gewonnen hat. Das Finale gewannen sie 2:0 gegen Anderlecht. Dann kam Kevin Keegan und die Ernst-Happel-Zeit. So kam ich nie von diesem Verein los.

teleschau: Wie ist die Stimmung am Set, also abgesehen von den mithin schlechten Fußball-Nachrichten, die Sie mit Sebastian Bezzel austauschen?

Wittmann: Toll. Das ist jedes Jahr wirklich ein bissl wie Heimkommen. Es wäre problematisch, wenn zwischen uns ein Konkurrenzdenken herrschen würde. Bei uns ist das wunderbarerweise nicht so. Ich drehe eh die meisten Sachen auf dem Bauernhof. Dort kennt man über die Jahre hinweg die Gegebenheiten - und freut sich drauf. Es wird zum Beispiel auch gut gekocht am Set. Wenn ein Schweinsbraten im Film vorkommt, war der schon immer echt.

teleschau: Hätten Sie jemals damit gerechnet, dass aus den Rita-Falk-Verfilmungen so ein erfolgreicher Dauerbrenner wird?

Wittmann: Am Anfang war's ja nur der eine Film "Dampfnudelblues". Da beschäftigt man sich halt mit seiner Rolle. Damals habe ich aber nur an diesen einen Film gedacht. Wenn man mit der Erwartungshaltung rangeht, dass das super Bücher sind und man gleich viele Filme nacheinander daraus dreht, dann wird's nichts! Es muss einfach passieren. Und bei uns ist's, glaube ich, passiert. Wenn man unbedarft und mit Spaß an der Freude an eine Sache rangeht, ist das oft am besten. Erfolg kann man nicht planen.

teleschau: Rita Falk hat ja schon wieder nachgelegt. Liegen auf Ihrem Nachtkästchen schon wieder die neuen Bücher?

Wittmann: Ehrlich gesagt: Nein. Ich lese das Drehbuch. Das ist ja immer in einer abgeänderten Form zum Roman. Den Erzählstrang, wer ich bin und wie mein Leopold tickt, kenne ich ja. Ich lass mich dann oft einfach überraschen, was das Drehbuch für mich vorsieht.

teleschau: Wenn Sie so eine Figur über jetzt schon mehrere Jahre hinweg begleiten, denken Sie manchmal an Ihren Leopold und überlegen sich, was er möglicherweise in der Zwischenzeit macht?

Wittmann: So jemand begleitet einen immer. Ich werde häufig von Leuten auf Leopold angesprochen. Nach dem "Dampfnudelblues" saß mir im Wirtshaus mal eine Frau gegenüber. Ich merkte dann recht schnell, dass ich erkannt wurde. Dann kam der Satz: "Sie sind die Schleim-Sau, gell?" Für einen Moment konnte ich gar nicht so schnell schalten. Wie bitte? Doch dann kam's mir: klar, Eberhofer!

teleschau: Haben Sie die "Schleim-Sau" persönlich genommen?

Wittmann: Zuerst war ich völlig überrascht. Die Frau hat dann zum Glück gleich nachgeliefert und mich gefragt, was der "Franzl" derzeit so macht. Da war ich schnell wieder im Bild. Mir ist's aber auch schon passiert, dass ich dachte, ich werde wegen Leopold erkannt. Da war ein Mann mit seinem Sohn, der mir zuwinkte und dann auf mich zu über die Straße kam. Ich war schon fest eingestellt auf ein Gespräch über die Krimis. Und dann fragt der gute Mann doch: "Wie lang sind Sie denn jetzt nicht mehr bei der Münchner Berufsfeuerwehr? Wann haben Sie denn aufgehört?" Ein klare Verwechslung. Und ein kompletter Fehlschlag für mich.

teleschau: Ihre Nähe zur Figur Leopold Eberhofer geht aber nicht so weit, dass Sie mal mit der Romanautorin Rita Falk sprechen und sich für einen der nächsten Stoffe auch mal einen Fallschirmsprung oder drei nackige Geliebte für Leopold wünschen?

Wittmann: Ich glaube, dass Rita Falk jede ihrer Figuren sehr mag und keine in irgendeiner Form vernachlässigt. Deswegen nehme ich an, was in Ihrer Fantasie passiert. Sie hat schon ein gutes Händchen. Leopold und die anderen sind ihre Geburt. Ich lasse sie machen und mache das Meine dazu.

teleschau: Mal eine wilde Autoverfolgungsjagd für Leopold?

Wittmann: Braucht's gar nicht. Ich würde mich aber freuen, wenn man mal ein bisschen mehr in die Seele von Leopold schauen könnte. Wie geht's ihm wirklich? Im "Sauerkrautkoma" kommt's schon ein bisschen stärker dazu.

teleschau: Neben der Krimihandlung ist der ganze Film ja wieder von Liebeswirren geprägt. Natürlich vor allem für den Franz Eberhofer. Aber auch Leopold hat ganz leidenschaftliche häusliche Probleme.

Wittmann: Die seelischen Verwirrungen und Nöte bei Leopold gehen diesmal schon ein bisschen tiefer. Dass man mal ein bisschen stärker mit ihm mitfühlt, war durchaus mein Wunsch. So was in der Art habe ich schon mal versucht anzubringen. Deswegen war ich über diese Farbe im neuen Film sehr froh.

teleschau: Man hat diesmal echt Sorgen, dass ihm sein Eheglück zerrinnt.

Wittmann: Und wie. Diesmal lernt man ihn mal ein bisschen anders kennen. Was genau zwischen ihm und seiner Panida vorgefallen ist, muss ja nicht unbedingt auserzählt werden. Das kann man auch mal schön offen lassen. Das ist das Schöne an der Eberhofer-Welt.

teleschau: Sie sind selbst auch auf dem Land aufgewachsen.

Wittmann: Absolut auf dem Land. Vieles von dem, was Rita Falk beschreibt, ist sehr genau beobachtet und einfach gut getroffen. Das ist für mich eines der Erfolgsgeheimnisse der Eberhofer-Krimis. Viele Zuschauer, die solche Filme in Niederbayern, im Allgäu oder in Schwaben sehen, sagen sich dann: Das ist ja wie bei uns! Mit dem Humor der Filme wird's dagegen in Berlin schon schwierig. Dort lacht man wahrscheinlich über was anderes als bei uns in Bayern.

teleschau: Um Ihre gesamtdeutsche Popularität brauchen Sie sich trotzdem keine Sorgen mehr zu machen. Man kennt Sie seit einiger Zeit recht gut - durch die witzigen Werbespots, in denen Sie als Taxifahrer Dirk Nowitzki herumkutschieren.

Wittmann: Definitiv! Das hat viel Spaß gemacht. Und mir plötzlich viele Menschen eingebracht, die mich auf der Straße erkennen.

teleschau: Müssen Sie Besuchern aus Norddeutschland erst mal erklären, was Sie da als bayerischer Taxler im Werbespot ganz genau sagen?

Wittmann: Kommt schon vor. Manche wissen, was ich sage. Andere erahnen es. Darum ging's ja im Taxi: dass ich Nowitzki ein bisschen angehe. Er ist übrigens äußerst sympathisch und wirklich sehr freundlich. Ich freue mich jetzt schon wieder auf unseren geplanten nächsten Werbe-Film. Wir haben uns einfach so gut unterhalten. Dirk Nowitzki hat viel Humor. Er ist bei sich und ganz bescheiden.

teleschau: Wie kriegt man eigentlich einen so langen Nowitzki in ein Taxi rein?

Wittmann: Ich habe dem Aufnahmeleiter gesagt, sie sollen doch den Vordersitz ausbauen.

teleschau: Das war Ihre Idee?

Wittmann: Dirk Nowitzki ist mir sicher heute noch dankbar. Er wusste anfänglich einfach nicht mehr, wohin mit seinen Beinen. Nach dem Ausbau des Sitzes war er sichtlich erleichtert.

Quelle: teleschau - der mediendienst