Destination Wedding

Destination Wedding





Wenn Misanthropen lieben

Es heißt immer, für den ersten Eindruck gebe es keine zweite Chance. Frank und Lindsay müssen nach ihrer merkwürdigen Begegnung an einem Flughafen trotzdem die nächsten 72 Stunden miteinander verbringen. Und das kann heiter werden: Denn die beiden hassen alles, was man hassen kann. Ihr Gegenüber sowieso, sich selbst aber auch, das Leben erst recht. Und dazu die beschwerliche Anreise zu einer pompösen Event-Hochzeit im luxuriösen Irgendwo Kaliforniens, in das sie Regisseur Victor Levin in seinem knapp 90-minütigen Dauerdialog "Destination Wedding" verbannt. Der Film ist ein Experiment ohne Punkt und ohne Komma - darauf muss man sich einlassen. Aber das lohnt sich. Nicht nur, weil Frank und Lindsay von Keanu Reeves und Winona Ryder gespielt werden.

"Destination Wedding" ist ein skurriles Wiedersehen mit den beiden ehemaligen Hollywood-Darlings. Reeves und Ryder spielen zwei abgehalfterte, eigenbrötlerische Gestalten und genießen es, sich von der Vergangenheit zu befreien. Sie pfeifen auf äußere Schönheit, schlumpern mit ungepflegtem Bart durchs Bild oder ziehen Grimassen, dass man professionelle Hilfe holen möchte. Aber das passt alles ganz gut in dieses Filmexperiment, das sich aus Erwartungen und Konventionen nichts macht.

Victor Levin, der auch das Drehbuch schrieb, lässt seine beiden Hauptdarsteller einfach gewähren. Ihnen allein gehört die Leinwand. Nur manchmal sind im Hintergrund seiner reduzierten Inszenierung Statisten zu sehen. Das Wort aber ist bei Keanu Reeves und Winona Ryder allein. Und sie nutzen es, reden über sich selbst, die Fehler der anderen, das beschissene Leben - beobachtet von einer Kamera, die mit stoischer Ruhe einfach nur draufhält.

Langweilig wird das nicht, auch wenn das Handlungskorsett keine Überraschungen bietet. Das Glück der anderen - die Hochzeit - ist ein wohlüberlegter ironischer Rahmen, in dem zwei Misanthropen Gift und Galle rauslassen. Die beiden können nicht nur sich nicht ausstehen, sondern gewinnen auch dem Leben an sich aus Prinzip keine guten Seiten ab. Aber irgendwie hängen sie doch dran und sehnen sich nach Zuneigung.

Die Dialoge sind zynisch, die Ereignisse des Wochenendes absurd: "Destination Wedding" ist ein Film, in dem echte Wahrheiten genauso ihren Platz finden, wie abstruse Schrulligkeiten. Levin, Reeves und Ryder arbeiten sich wonnevoll am ganzen Spektrum zwischenmenschlicher Unmöglichkeiten ab und spendieren Woody Allens Großstadtneurosen dabei genauso ein Update, wie des Lebens Flüchtigkeit, die Richard Linklaters "Before"-Filme so unvergesslich machen.

Quelle: teleschau - der mediendienst