Peter Großmann

Peter Großmann





Fußball-Talk beim Dorfbäcker in Rußland

Seit mehr als 20 Jahren moderiert Peter Großmann den Sport im ARD-Morgenmagazin. Auch bei der gerade laufenden Fußball-Weltmeisterschaft ist er im Einsatz. Allerdings nicht im riesigen Russland. Großmann und das "Moma" senden von Montag, 25., bis Freitag, 29. Juni, und von Montag 9., bis Freitag, 13. Juli, aus Rußland, einem kleinen Ortsteil der Gemeinde Friedeburg in Ostfriesland. Dort freut sich der 55-Jährige auf ganz normale Gespräche beispielsweise mit dem Bäcker. Großmann sagt: "Das Agieren mit den Leuten aus dem Dorf bringt allemal mehr als eine Schalte zum deutschen Quartier, wo in den frühen Morgenstunden ohnehin nichts passiert."

teleschau: Herr Großmann, die ersten Spiele bei der Fußball-Weltmeisterschaft sind vorüber. Wie fällt Ihr erster Fazit, wenn auch ein sehr frühes, aus?

Peter Großmann: Gerade die großen Mannschafen haben oft ihre Probleme, was die ersten Spiele angeht. Über die Qualität der Partien bin ich aber nicht enttäuscht. So habe ich auch nicht erwartet, dass in Russland gleich zu Beginn ein Feuerwerk abgebrannt wird. Und die deutsche Mannschaft: Sie hat genau dort weitergemacht, wo sie in der Vorbereitung aufgehört hat.

teleschau: Viele Fans erwarten von einer Weltmeisterschaft immer auch Großartiges ...

Großmann: Die Erfahrung aber lehrt doch, dass gerade die ersten Gruppenspiele nicht immer toll sind. Spätestens mit den K.-o.-Duellen aber geht die Weltmeisterschaft richtig los. Einen Vorgeschmack darauf hat jeder gesehen, wenn Kaliber wie Portugal und Spanien aufeinandertreffen. Bei so guten Mannschaften geht ein offener Schlagabtausch dann eben auch mal zusammen.

teleschau: Was macht der Sportjournalist während einer WM? Klebt er bei allen Spielen vor dem Fernseher?

Großmann: Wenn es meine Zeit zulässt, schaue ich gerne in alle Spiele rein, die vermeintlichen Highlights verfolge ich intensiver. Allerdings wird es mit meiner Zeit für den Fußball etwas schwieriger, wenn ich frühmorgens aufstehen und zur Arbeit muss. Und wenn nach der WM dann wieder normal die Bundesliga läuft und auch die internationalen Ligen spielen, gehöre ich nicht zu denjenigen, die täglich vier Stunden von einer Zusammenfassung zur nächsten springen. Dafür ist mein Tag zu voll mit anderen Aufgaben.

teleschau: Im Hinblick auf das Programm im "Morgenmagazin" - was ist spannender: eine weitere Krise der Nationalmannschaft oder wenn die gesamte Nation auf einer Euphoriewelle reitet wie beispielsweise bei der WM 2014 in Brasilien?

Großmann: Gerade bei der Nationalmannschaft ist es doch so, wenn keine Krise vorhanden ist, wird gerne eine herbeigeredet. Beim "Morgenmagazin" jedoch sind wir nicht so abhängig von aktuellen Entwicklungen, weil wir nicht nur 1:0-Berichterstattung machen. Bei unseren Live-Übertragungen nun aus dem kleinen Ortsteil Rußland in der ostfriesischen Gemeinde Friedeburg agieren wir lieber mit den Leuten aus dem Dorf. Das bringt manchmal mehr als eine Schalte zum deutschen Quartier, wo in den frühen Morgenstunden ohnehin nichts passiert.

teleschau: Die Abfahrt des Mannschaftsbusses jedenfalls ist nicht ganz so spannend.

Großmann: Aber sie wird dennoch immer wieder eingespielt. Im "Morgenmagazin" rede ich da lieber mit dem Bäcker aus dem Dorf und will wissen, ob er abends überhaupt Fußball gucken kann, wenn er am Tag darauf sehr früh in seinem Laden stehen muss.

teleschau: Sie sind also nicht traurig darüber, nicht vor Ort zu sein?

Großmann: Diese Nationalmannschaft ist eine eigene Welt. Es gibt ein Medienzentrum, die täglichen Pressekonferenzen, dort gibt es dann zu essen und zu trinken. Dieser Tross dreht sich immer mit. Aber wenn man erst gar nicht dort ist und mit einigem Abstand auf das Geschehen blicken kann, erhält man eine andere Sicht. Das ist das, was wir im "Morgenmagazin" machen. Da wir uns eben nicht nur ernsthaft mit allen Kleinigkeiten der Nationalmannschaft beschäftigen, haben wir die Möglichkeit, einen etwas anderen Weitwinkel zu setzen.

teleschau: Bei der WM 2010 aber waren Sie vor Ort und konnten direkt in Südafrika Ihr Ojektiv ansetzen.

Großmann: Gemeinsam mit Gerald Asamoah und der Fußballerin Nia Künzer haben wir dort vor allem Beiträge über Land und Leute gemacht, garniert mit etwas Sport. Das war eine tolle Erfahrung. Schon bei der WM 2014 in Brasilien aber hätte eine Schalte keinen Sinn gemacht. Wegen der Zeitverschiebung stehst du dort im Dunkeln und zeigst ein paar Bilder aus dem Hellen. Jetzt bei der Location in dem Ortsteil Rußland ist es schön, mit den lokalen Farben zu spielen. Bierernst soll es dabei nicht werden. Auch der Sport verträgt durchaus Humor.

teleschau: Wird das "Morgenmagazin" ganz bewusst auch als eine Art Spielplatz genutzt?

Großmann: In der ARD hat das "Morgenmagazin" sich schon oft getraut, andere Spielformen auszuprobieren. Und diese haben sich dann auch schon mal am Abend durchgesetzt. Ich denke da beispielsweise an "Beckmanns Sportschule" zur EM 2016, die aus Malente gesendet hatte, oder an den "WM-Club", bei dem auch Gäste abseits des Fußballs eingeladen werden und locker über Sport quatschen.

teleschau: Sie sind seit 22 Jahren beim "Morgenmagazin". Wie viel von Ihnen persönlich steckt in dem Format?

Großmann: Wenn man wie ich viele verschiedene Formen ausprobieren und umsetzen kann, dann ist das eine große Chance. Beim "Morgenmagazin", bei dem alle insgesamt mehr machen als nur ihre eigene Ecke, habe ich mich daran gewöhnt, das Programm mitzuprägen, mich einzubringen und auch Gestaltung zu übernehmen. Das Tolle ist, dass man mit der Umsetzung dann auch an einem ganzen Prozess beispielsweise bei einer langen Vorbereitung teilnimmt. So ist das "Morgenmagazin" ein schöner Arbeitsplatz.

teleschau: Das bedeutet, Sie werden in der "Sportschau" am Samstagabend wohl nicht mehr zu sehen sein?

Großmann: Wenn man mich fragen würde, ob ich die "Sportschau"moderiere, würde ich jetzt nicht nein sagen. Aber das wird nicht mehr passieren. Und das ist auch in Ordnung so. Beim "Morgenmagazin" jedenfalls ist es so, dass ich jeden Tag sehr früh am Morgen auch weiterhin gerne zur frühen Arbeit fahre. Und das kann wohl nicht jeder von sich behaupten. Von daher bin ich sehr zufrieden, mit dem, was ich mache.

teleschau: Und wer wird denn nun Weltmeister?

Großmann: Einigen wir uns darauf: Deutschland wird die Titelverteidigung nicht schaffen.

Quelle: teleschau - der mediendienst