Grace Jones

Grace Jones





"Selbst der Tod wird mich nicht stoppen"

Glänzende Totenkopfmaske auf einer dunkel beschienenen Bühne, ein um die Hüften schwingender Hula-Hoop-Reifen, eine glitzernde Katzenmaske - so sah man die aus Jamaika stammende Grace Jones vergangenes Jahr in dem Dokumentarfilm "Amazing Grace". Und genau so haben sie die meisten wohl auch in Erinnerung. Als Paradiesvogel, der mit einem außergewöhnlichen Stil die Aufmerksamkeit auf sich zog wie niemand sonst. Und so ist sie auch heute noch. Am 19. Mai wird die großartige Grace Jones nun 70 Jahre alt - und steht immer noch auf der Bühne, strotzend vor Energie. Damit lebt sie einen ihrer eigenen Grundsätze: "Lebe ein langes, schnelles und fabelhaftes Leben."

Die 1948 in Jamaika geborene und bei ihren Großeltern aufgewachsene Grace Jones begann ihre Karriere schon in frühen Jahren als Schauspielerin und Model. In den 70er-Jahren rutschte sie durch Andy Warhol und sein "Studio 54" in New York in die Musikbranche und sang zunächst in Diskotheken und Clubs. Ihre ersten Alben, "Portfolio", "Fame" und "Muse", erschienen Ende der 70er-Jahre und waren stark von Disco-Musik geprägt. In den 80er-Jahren erschien ein Album nach dem anderen, in denen die Sängerin auf der Suche nach ihrem eigenen Stil zunehmend die Musikrichtungen wechselte und mit einer Mischung aus Disco, New Wave, Reggea, HipHop, Dance und auch Sprechgesang immer größere Erfolge erreichen konnte.

Das wohl bekannteste und als Meisterwerk anerkannte Album ist "Nightclubbing" von 1981, das in Deutschlands Platz acht der Charts erreichte. Platz vier schaffte ihr erfolgreichster Song "Slave To The Rhythm" (1985). Mit "Hurricane" veröffentlichte die Jamaikanerin 2008 ihr letztes Album, das 2011 noch mal als Dub-Version erschien.

Doch nicht nur auf der Bühne ist Grace Jones eine Ikone, sondern auch auf der Leinwand. Unvergessen, wie sie als martialisches "Bond Girl" May Day in "Im Angesicht des Todes" (1985) einen verängstigt aus der Wäsche blickenden Roger Moore vernaschte. Aber auch in Filmen wie "Conan der Zerstörer" (1984) oder "Vamp" (1986) mischte die Schauspielerin in der Hauptbesetzung mit.

Zuletzt veröffentlichte Grace Jones ihre Autobiographie "I'll Never Write My Memoirs", die einzigartige Einblicke in ihr Leben bietet: Kindheitserlebnisse, in denen die streng religiös erzogene Jamaikanerin mit häuslicher Gewalt und Überwachung zu kämpfen hatte, ihren rebellischen Ausbruch aus dem streng religiösen Zuhause oder ihre anfänglichen Clubnächte in New York, die stark von Drogen beeinflusst waren. Sowohl bei Fans als auch bei Kritikern erhielt das Buch gute Bewertungen und schaffte es 2016 sogar zu einer Nominierung als "Best Book" bei den NME Awards.

Bekannt ist das Multitalent außer für ihr musikalisches und schauspielerisches Talent besonders auch aufgrund ihres extravaganten Aussehens und ihres rebellischen Temperaments. So trägt sie zeitlebens schillernde und bunte Outfits, Masken und knappe Kleider, glitzernde Hüte oder stilvolle Perücken. Ihr Gesicht, häufig umrundet von kurzgeschorenen Haaren, glich einem Kunstwerk aus Rouge, Lidschatten und Lippenstift. Und so sieht die Sängerin heute immer noch aus. Besonderes Aufsehen erregte das androgyne Aussehen der damaligen Außenseiterin, welches sie in der Video-Kollektion "A One Man Show" in Szene setzte.

Heute steht die nie zu altern scheinende Künstlerin immer noch topfit auf der Bühne. Mit gewagten Outfits, Bodypainting, Totenkopfmaske, wildem Haarschmuck und viel nackter Haut zaubert die Stilikone jedes Mal wieder sich selbst als Attraktion auf die Bühne, die seit Jahrzehnten von ihren Fans so bewundert wird. Dabei grenzt sie sich allerdings vehement von Vergleichen mit Lady Gaga oder anderen heutigen Stars ab. Die Mutter von Paulo Goude und seit 2008 auch Großmutter ihrer Enkelin Athena betont in ihrem Buch, dass sie "das Original" sei, das lange vor Lady Gaga existiert hat: "Möchtegern Beyoncé, Möchtegern Miley Cyrus, Möchtegern Rihanna, Möchtegern Lady Gaga, Möchtegern Rita Ora, Möchtegern Sia, Möchtegern Madonna. Ich kann sie nicht leiden, abgesehen davon, dass sie so sind wie ich. Ich wurde von diesen Menschen so was von kopiert!"

Weiter schreibt sie: "Ich werde mich niemals zurückziehen. Wenn ich mich zurückziehe, bin ich tot, und selbst dann werde ich wiedergeboren werden. Ich werde immer in Bewegung bleiben. Selbst der Tod wird mich nicht stoppen." Eine Beschreibung, die den Charakterzug der Willensstärke des Superstars treffend pointiert. Wer aber nun Grace Jones genau ist, auf diese Frage weiß nicht mal sie selbst eine Antwort, wie sie dem "Spiegel" in einem Interview mitteilte: "Ich weiß selbst noch längst nicht alles über mich. Bis zu einem gewissen Grad bleibt doch jeder Mensch immer auch ein Mysterium, egal, wie viel er von sich erzählt."

ARTE wiederholt zu Ehren der Jubilarin den Dokumentarfilm "Amazing Grace" am Samstag, 19. Mai, um 5.20 Uhr.

Quelle: teleschau - der mediendienst