Fritz Karl

Fritz Karl





Unberechenbar wie McEnroe

Der österreichische Schauspieler Fritz Karl meint: "In Österreich würde man mir nie eine Serie anbieten." In Deutschland hingegen schon - etwa die Hauptrolle in "Falk", der neuen, sechsteiligen Anwaltsserie im Ersten (ab 15.5., dienstags, 20.15 Uhr, ARD). Falk gilt als "der John McEnroe unter den Anwälten": unkonventionell, kompromisslos, dandyhaft. Ein Gespräch mit Fritz Karl über Dreharbeiten mit Roberto Blanco, gutes Essen und Trinken sowie eine Karl'sche Familientradition: das Fischen.

teleschau: Herr Karl, erinnern Sie sich an Ihren letzten Anwaltstermin?

Fritz Karl: Ja, auch wenn der schon einige Zeit her ist. Es ging um eine Mietsache, und da ich das Glück habe, einen Bruder zu haben, der Anwalt ist, hat er mich vertreten.

teleschau: Hätten Sie anstelle Ihres Bruders auch einem Anwalt wie Falk vertraut?

Karl: Ich wäre einem Anwalt wie Falk gegenüber vielleicht etwas verunsichert gewesen, denn er ist schon speziell (lacht). Er ist sozusagen der John McEnroe unter den Anwälten. Nicht, weil er so aggressiv ist, sondern wegen seiner Unberechenbarkeit. Aber ich würde Falk, wie jedem anderen auch, eine Chance geben. Seine Lösungsvorschläge sind ja sehr zielorientiert, seine Verfahren müssen nicht zwangsläufig vor Gericht landen. Und obwohl er seinen Beruf hasst, hat er eine große Empathie für die Menschen, die ihn umgeben.

teleschau: Sie haben die Figur Falk als "melancholischen Dandy mit hypochondrischen Zügen" bezeichnet. Haben Sie beim Lesen des Buches sofort gedacht: "Jawohl, das ist einer für mich!"

Karl: Es war eine Entwicklungsarbeit von uns allen, bis es zu der Figur kam, die jetzt zu sehen ist. Drehbuchautoren, Produktion, Redaktion und ich haben alle etwas dazu beigetragen. Im Buch stand Falk so noch nicht.

teleschau: Die vierte Folge hat den schönen Titel "Der Fall Roberto Blanco". Hat die Sie besonders gereizt?

Karl: Zunächst hat mich die Idee gereizt, eine Anwaltsserie zu machen, in der es keinen glatten, ständig funktionierenden Anwalt gibt. Einer, bei dem man eben nicht unbedingt sofort weiß, ob man ihn als Anwalt haben möchte. Dass ich in einer Folge mit Roberto Blanco spielen würde, wusste ich anfänglich noch gar nicht.

teleschau: Wie war die Zusammenarbeit mit ihm? Roberto Blanco ist ja kein Profi-Schauspieler.

Karl: Er hat sich selbst gespielt, und niemand könnte Roberto Blanco besser spielen als Roberto Blanco. Er ist er, genau wie in einer späteren Folge Hugo Egon Balder eben Hugon Egon Balder ist.

teleschau: Zurück zu Falk. Der hat eine große Vorliebe für gutes Essen und guten Wein. Womöglich die einzigen Gemeinsamkeiten, die Sie und er haben?

Karl: Ja. Ich komme aus der Gastronomie und weiß durch meine Eltern, wie viel Arbeit es macht, ein Restaurant zu führen. Ich kenne aber diese Sehnsucht, ein guter Gastgeber zu sein, und mag hervorragendes Essen und genauso guten Wein. Auch die Vorliebe für gute Kleidung teilen Falk und ich - wobei ich es nicht so exzentrisch halte wie er.

teleschau: Die angesprochene Hypochondrie haben Sie sicher nicht gemeinsam, oder?

Karl: Wenn Sie meine Lebensgefährtin (die deutsche Schauspielerin Elena Uhlig, d. Red.) fragen, schon. Sie würde mir eine gewisse Hypochondrie attestieren. Ich sehe das anders.

teleschau: Wie sehen Sie es?

Karl: Ich sehe es so, dass in einer Zeit, in der man die Möglichkeit hat, viele Voruntersuchungen zu machen, diese auch nutzen sollte. Ich gehe aber nicht wie Falk jede Woche zum Arzt und gerate ständig in Panik, dass eine gefürchtete Krankheit ausbricht.

teleschau: Also nicht hypochondrisch, sondern pflichtbewusst?

Karl: Dankeschön! Genau das werde ich meiner Lebensgefährtin sagen (lacht).

teleschau: Ein Hobby von Ihnen würde hingegen Falk nicht so passen: das Fischen.

Karl: Stimmt, Falk kann ich mir überhaupt nicht als Fischer vorstellen. Ich hingegen war erst gestern wieder fischen, bin mit meinem Sohn an den Traunsee gefahren, und wir haben versucht, einen Hecht herauszuziehen, was uns nicht gelungen ist.

teleschau: Gehen Sie am liebsten in Gesellschaft Fischen? Oder suchen Sie auch gerne die Ruhe alleine?

Karl: Ich gehe auch gerne alleine los. Bei meinem Sohn, dem fischbegeisterten Gustav, möchte ich mein Können einfach gerne weitergeben. Ich habe es von meinem Vater, habe es schon meinem ältesten Sohn gezeigt, und jetzt ist der mittlere dran.

teleschau: Fischen Sie auch mit Ihrem Sohn Aaron, der wie Sie Schauspieler ist?

Karl: Der geht nicht mit mir fischen (lacht). Der ist der Anti-Fischer unter uns. Dafür können wir gut über den Beruf reden, unsere jeweiligen Sachen anschauen und uns offen austauschen. Ich bin ja auch interessiert daran, wie es ihm geht und was ihn umtreibt.

teleschau: Sie haben mal gesagt, dass Sie zu Hause in Österreich nicht so viele Rollen angeboten bekommen wie in Deutschland. Ist das immer noch so?

Karl: Österreich ist wesentlich kleiner als Deutschland, wo ich nach wie vor mehr arbeite. Das ist aber auch bewusst so gewählt von mir. Ich wollte früh in Deutschland Fuß fassen und dort an Produktionen mitwirken. Die Möglichkeiten sind dort einfach vielfältiger als in Österreich. In Österreich würde man mir auch nie eine Serie anbieten.

Teleschau: Warum nicht?

Karl: Ich weiß es nicht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

teleschau: Die deutsche Produktion "Falk" ist auf sechs Folgen angelegt. Könnten Sie sich auch mehr vorstellen?

Karl: Wenn es weitergeht, würde ich sicher nicht Nein sagen.

Quelle: teleschau - der mediendienst