Michaela May

Michaela May





"Das alles verlangte Mut"

Michaela May, geboren am 18. März 1952 in München als Gertraud Mittermayr, steht seit ihrer Kindheit auf der Bühne und vor der Kamera. Zuerst als Ballettelevin, später in Werbespots. Schon 1965 konnte man sie auf der Leinwand in "Onkel Toms Hütte" und "Heidi" bewundern. Auf Anraten ihrer Agentur trat sie bereits damals unter dem Künstlernamen Michaela May auf. "Michaela", weil es ihr gefiel, und "May" als Bestandteil ihres bürgerlichen Namens. Viele Produktionen und auch eine Ausbildung als Kindergärtnerin folgten, zudem eine lange Reise mit dem Bus durch Afrika. Erst während der Zusammenarbeit mit Helmut Dietl als Charlies Freundin Susi in der Kultserie "Münchener Geschichten" besuchte sie parallel zu ihren Engagements eine Schauspielschule. Als Jo Obermaier löste Michaela May an der Seite von Edgar Selge von 2001 bis 2009 insgesamt 17 knifflige Fälle im BR-"Polizeiruf". Sie war im Film Psychotherapeutin, Gräfin, Ehefrau, Mutter, Großmutter. Nun aber steht sie beim BR einmal nicht als Schauspielerin im Mittelpunkt eines Abends. Michaela May engagiert sich für Mukoviszidose-Patienten, SOS-Kinderdörfer und die Welthungerhilfe. Und sie schrieb das Buch "Mitten im Leben mit Yoga". Beste Voraussetzungen also für einen Besuch in der BR-Sendung "Gesundheit! Die Show", das am Dienstag, 8. Mai, 20.15 Uhr, im Dritten zu sehen ist. Ein Gespräch über eine außergewöhnliche Karriere und die Wege zum Wohlbefinden.

teleschau: Guten Tag, Frau May, wie geht es Ihnen?

Michaela May: Gut, sehr gut, danke!

teleschau: Sie standen bereits als Kind erstmals auf der Bühne. Erzählen Sie uns über Ihre Anfänge ...

Michaela May: Ich war im Kinderballett, auch schon bei Bühnenaufführungen. Damals hat der Vater einer Freundin für einen Werbespot, bei dem man eine Kuh malen sollte, ein Kind gesucht. Ich glaube, ich hab einfach die schönste Kuh gemalt (lacht). Dann kamen ein paar Werbespots und 1963 eine kleine Rolle in "Robinson soll nicht sterben", wo auch Sascha Hehn als Junge mitspielte. Der Regieassistent war Friedrich von Thun, er hat mit mir den Text gelernt. Das waren die Anfänge, noch vor "Onkel Toms Hütte" und "Heidi".

teleschau: Wie fanden das Ihre Eltern?

May: Sie fuhren zuerst mit, weil sie dem Ganzen misstraut hatten. Sie dachten, Filmleute sind alle wilde Typen und feiern Orgien. Aber als wir im ehemaligen Jugoslawien drehten und sie länger dabei waren, merkten sie, dass ich gut betreut werde und die Kollegen sehr, sehr nett sind. Mein Vater hat sich sogar ein wenig mit O.W. Fischer befreundet.

teleschau: Dann haben Sie aber trotzdem noch eine Ausbildung gemacht.

May: Zuerst wollte ich damals nicht mehr zur Schule gehen, ich hab auch wirklich viel drehen können: Jerry Cotton, alle mögliche Rollen. Dann aber gab es eine Pause, da kam nur noch ein Lümmel-Film und plötzlich, 1968, wurden die Sexfilmchen modern: "Grimms Märchen für lüsterne Pärchen". Das wollte ich wirklich nicht spielen. Ich sehnte mich dann doch auch nach der Schule zurück und habe die Ausbildung an der Fachschule für Sozialpädagogik und das Fachabitur gemacht plus die Ausbildung als Kindergärtnerin. Danach fuhr ich ein Jahr im Bus durch Afrika.

teleschau: Helmut Dietl hat währenddessen quasi auf Sie gewartet, damit Sie in der Serie "Münchner Geschichten" mitspielen konnten.

May: Ich wollte erst in Afrika bleiben. Aber uns ist das Geld ausgegangen, das war mein Glück, denn dann kam ich doch noch rechtzeitig zurück, und durch Helmut Dietl ging meine Schauspielkarriere in eine sehr positive Richtung.

teleschau: Waren Sie dann nicht irgendwann festgelegt auf das bayerische, fesche Madel?

May: Später war das sogar oft selbst gewählt, nämlich als meine Kinder kamen. Ich konnte in München drehen und abends wieder nach Hause. Ich wollte nicht als Volksschauspielerin im "Komödienstadel" landen. Ich bin, noch vor den Kindern, dann ein wenig ausgebrochen, habe ein Jahr in Paris gedreht, in Marokko und Venedig. Der fremde Vogel ist spannender, und so war nach meiner Rückkehr wieder alles offen für mich, nicht nur die bayerischen Rollen.

teleschau: Viele Schauspielerinnen bekommen jenseits der 40 keine Rollen mehr. Bei Ihnen ging die Karriere nahtlos bis heute durch. Wie erklären Sie sich das?

May: Ich habe nach den Kindern keine lange Pause gemacht, immer weiter gearbeitet und eben auch viel in München und Umgebung gedreht. Ich blieb einfach präsent. Obwohl ich mir immer die Freiheit genommen habe, nicht zu lange in einem Fahrwasser zu bleiben. Viele tolle Angebote kamen aber auch ohne Suchen einfach auf mich zu. Ich habe mich nie beirren lassen und habe aufgehört, wenn mir die Rollen zu flach wurden. Das alles verlangte Mut und einen Sprung ins kalte Wasser. Aber ich hatte ja auch einen Mann, der Geld verdient hat. Wir waren nicht nur auf mein Einkommen angewiesen. Zum Glück ging es bei mir immer weiter mit TV-Filmen, Kino, Theater und dann auch noch Lesungen und Hörbüchern. Das wurde inzwischen ein sehr gefragtes Format, die Lesungen werden immer beliebter.

teleschau: Und bei "Polizeiruf 110"? Sie gingen dort freiwillig ...

May: Nein, ich wäre schon geblieben. Aber Edgar Selge hatte seinen Ausstieg aus der Rolle schon lange angekündigt und dann eben wahr gemacht. Wir hatten eine sehr kreative Arbeit dort, durften uns die Regisseure teils selber aussuchen und haben mit Andreas Kleinert, Eoin Moore, Klaus Krämer, Dominik Graf und zum Beispiel auch meinen Mann (Bernd Schadewald, die Red.), den ich da kennengelernt habe, arbeiten können. Wir hatten die Crème de la Crème der jungen Regisseure. Der BR hatte mir angeboten, zu bleiben, und die Chefin zu spielen, aber ich wollte nicht aufs Abstellgleis gestellt werden. Und es gibt da ja auch neue Pläne in Richtung Krimi ...

teleschau: Die da wären?

May: Ich lese seit vielen Jahren die Kriminalromane von Nicola Förg, da ist gerade wieder eine neuer herausgekommen, "Rabenschwarze Beute", wir gehen damit derzeit gemeinsam auf Lesetour. Irgendwann habe ich gemerkt, dass diese bayerische Kommissarin Mangold eine so spannende Figur ist, die ich eigentlich auch mal gerne vor der Kamera spielen würde. Die Rolle ist vielschichtig, die Themen sind politisch, modern und kritisch, und die Kombi der älteren Kommissarin Irmi Mangold mit der jungen Kathi Reindl schreit geradezu nach einer Verfilmung. Schaun wir mal ...

teleschau: Psychologen haben in einem Test nachgewiesen, dass Schauspieler, die böse Menschen auf der Bühne spielen, hinterher noch stundenlang einen erhöhten Stresshormonspiegel aufweisen, während die, die glückliche Charaktere spielen, höhere Glückshormonpegel zeigen. Geht es Ihnen ähnlich?

May: Sagen wir es so: Je tiefer es in den seelischen Konflikt geht, desto mehr strapaziert es natürlich auch die körperlichen Kräfte, das gilt für den Film genauso wie für das Theater.

teleschau: Schon 2007 schrieben Sie das Buch "Mitten im Leben mit Yoga". Ist Ihnen das Thema immer noch so wichtig?

May: Ja sehr. Und mich freut es so, dass Yoga inzwischen mitten im normalen Leben angekommen ist. In den 90-ern, als ich damit anfing, hatten Yogatreibende mit dem Vorurteil zu kämpfen, dass sie strickende Biotanten sind, die zum "Oom" die Räucherstäbchen anzünden. Inzwischen ist Yoga allgegenwärtig, selbst bei Männern wird Yoga immer populärer. Yoga hält nicht nur körperlich extrem beweglich, wie ich finde, sondern auch geistig und seelisch.

teleschau: Man merkt es an unserer Sprache, unflexible Menschen bezeichnet man als "verknöchert" oder "starr".

May: Genau! Aber ganz alleine Yoga reicht mir nicht. Es ist schon extrem wichtig für die Beweglichkeit, und wenn ich morgens sieben- bis zwölfmal den Sonnengruß mache, habe ich auch ein ordentliches Pensum an Bewegung hinter mir. Aber zusätzlich sollte man, zumindest gilt das für mich, noch etwas für die Ausdauer tun. Ich habe eine "Bergfreundin", mit der ich gerne und oft bergwandere. Es ist ein tolles Gefühl, oben auf einem Gipfel zu sitzen, den man gerade selbst erstiegen hat. Ich nutze Stöcke, damit ich mich rundum bewege, und hab dann das Gefühl, dass jede einzelne Zelle mit Sauerstoff geflutet wird. Auch schwimmen ist mir extrem wichtig. Ich bin am Ammersee aufgewachsen, und wo immer ein Naturgewässer ist, springe ich hinein. Einmal im Jahr muss das das Meer sein, dort kann ich auftanken, meine Haare, die Haut und die Nägel werden besser, meine Laune sowieso. Bewegung ist mein Antriebsmotor, auch die Bewegung eines Flusses, in den man hineinschaut, ein Feuer, oder beim Auswendiglernen einfach gehen.

teleschau: Was genau dürfen wir in der Show im BR erwarten?

May: Ich mache zwei Übungen mit dem Publikum. Eine Atemübung, Wechselatmung, die ist perfekt für jedes Alter. Ich übe sie sogar mit meiner 97-jährigen Mutter. Und eine weitere Übung im Stehen für die Wirbelsäule.

teleschau: Haben Sie jemals daran gedacht, in Rente zu gehen, aufzuhören?

May: Nein, eigentlich nicht. Mein Beruf macht mir so großen Spaß, er ist mein Lebenselixier. Die Liebe des Publikums zu spüren, auf der Bühne oder auf der Straße, das erfüllt einen mit großer Freude und Dankbarkeit. Und solange ich gesund bleibe und mir die Texte noch merken kann, arbeite ich erst einmal weiter (lacht).

Quelle: teleschau - der mediendienst