Jan Hartmann

Jan Hartmann





Die Papa-Rolle ist ihm die liebste

Jan Hartmann brach einst kurz vor dem Abitur die Schule ab - aus Liebe zur Musik. Ein Engagement beim Musical "Buddy" in Hamburg markierte den Beginn seiner Karriere vor rund 20 Jahren. Weiter ging es für ihn über die Erfolgssoap "Gute Zeiten, schlechte Zeiten". Zahlreiche TV-Engagements bei den öffentlich-rechtlichen Sendern später ist der 37-Jährige nun ins Privatfernsehen zurückgekehrt. Für RTL wird sich der Arztserien-Veteran ("St. Angela", "Herzflimmern - Die Klinik am See") ab Dienstag, 8. Mai, 20.15 Uhr, in fünf Doppelfolgen als Dr. Alex Rode um das Wohlergehen seiner Patienten kümmern. Der selbstherrliche ehemalige Truppenarzt stellt mit ungewöhnlichen Methoden den Arbeitsalltag eines Krankenhauses und das Liebesleben der Chefärztin (Susan Hoecke) auf den Kopf. Ganz so rebellisch und taff wie es die aktuelle Rolle und sein Nachname suggerieren, ist Jan Hartmann im Privaten aber nicht: Im Gespräch ist von Narzissmus keine Spur, der Schauspieler gibt sich bescheiden, nahezu demütig. Und eines wird schnell klar: Seine Frau und sein Sohn sind ihm das Wichtigste auf der Welt.

teleschau: Sie betreiben gemeinsam mit Ihrer Frau einen Blog zu unterschiedlichen Themen wie Reise, Technik und Ernährung - wie kam's dazu?

Jan Hartmann: Ist untypisch, gell? Ich war zunächst auch ziemlich reserviert, weil ich dachte, dass ich das zeitlich gar nicht stemmen kann. Als unser Sohn ganz frisch da war, kamen wir bei einem Baby-Event mit dem Projekt in Berührung. Wir lernten jemanden kennen, der eine Agentur für Blogger hat. Der meinte dann: Wäre das nichts für euch?

teleschau: Und dann ging es sehr schnell?

Hartmann: Nein, überhaupt nicht. Wir schoben die Idee mehr als ein halbes Jahr vor uns her. (lacht) Aber meine Frau ist total affin, was solche Dinge angeht, weil sie selbst viele Blogs liest. Am Ende sahen wir das Ganze dann als Tagebuch an, das unser Sohn später mal lesen kann. Und als spaßige Angelegenheit, um die Dinge, die man tagtäglich erlebt, zu kanalisieren.

teleschau: Warum haben Sie sich dazu entschieden, Ihren Sohn da auch miteinzubeziehen und Ihr Kind in den sozialen Medien zu zeigen?

Hartmann: Da sind wir ein bisschen reingerutscht. Wir wollten das ursprünglich vermeiden. Dann waren wir aber so stolz auf ihn, dass wir ohne nachzudenken angefangen haben, Bilder zu posten. Bei Babys macht es ja auch noch nicht so viel aus, jetzt muss man aber so langsam mal aufpassen, weil er einfach immer deutlicher zu erkennen ist. Wir würden ihn auch nie als Galionsfigur nutzen.

teleschau: Wie gelingt Ihnen die Zusammenarbeit mit Ihrer Frau?

Hartmann: Sehr gut! Ich bin wenig narzisstisch und habe kein großes Bedürfnis, mich selbst darzustellen. Ich gehe auch gerne mal nicht über den roten Teppich, sondern durch den Seiteneingang. Eigenwerbung gehört natürlich trotzdem dazu. Ich isoliere mich aber auch sehr gerne, meine Frau ist da ähnlich. Wir sind froh über Ruhe und Privatsphäre. Es ist überhaupt nicht die Idee, dass wir uns im Scheinwerferlicht mit unserem Blog baden wollen. Ich muss mich aber immer selbst auch als Produkt sehen. Gewisse Sachen sind wichtig, um ein Format anzuschieben. Bei so einem Projekt wie der RTL-Serie "Lifelines" mache ich das sehr gerne. Da geht es nicht um mich, sondern um das gemeinsame Projekt. Aber ich werde niemals zu einem Partyhopper werden: Dafür habe ich keine Zeit, und es interessiert mich auch nicht. Ich gehe lieber mit meinem Sohn spazieren.

teleschau: Wie authentisch kann man bleiben - als Blogger und als Schauspieler?

Hartmann: Niemand kann sich unsere Meinung erkaufen! Durch die ganzen Social-Media-Kanäle lässt man sich so sehr stressen und unter Druck setzen. Nichts ist wichtiger als Authentizität! Klar, man muss aber für sich entscheiden, wie weit man gehen will. Es gibt natürlich auch Leute, die verkaufen sich als etwas, das sie gar nicht sind. Das war aber nie meins, so werde ich auch nie sein.

teleschau: Woher kommt das journalistische Interesse von Ihnen beiden?

Hartmann: Ich habe zwar ein großes Interesse an Sprache, aber zurzeit bin ich für die meisten Fotos zuständig. Was das Schreiben angeht: Da habe ich in letzter Zeit eher weniger gemacht, aufgrund der Schauspielerei. Ich habe da aber total Spaß dran. Das war früher anders: In der Schule habe ich sehr oft am Thema vorbeigeschrieben. Manchmal fand ich das Thema blöd, manchmal haben die Lehrer mich nicht verstanden. Ich habe da einen sehr eigenen Duktus! (lacht) Es ist schön, dass jeder von uns beiden seinen eigenen Stil hat. Ich glaube, das ergänzt sich ganz gut.

teleschau: Sie haben mal versucht, eine Sängerkarriere zu starten. Das ist Ihnen nicht gelungen. Was ist schiefgelaufen?

Hartmann: Ja, das ist eigentlich sehr schade. Sagen wir's mal so: Ich hatte Pech. Ich habe meine ganze Schulzeit über nichts anderes als Musik gemacht und kann mich auch an nichts anderes erinnern! (lacht) Irgendwann, als ich dann mit "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" etwas bekannter wurde, wollte jemand mit mir eine Platte aufnehmen. Ich bin technisch kein perfekter Sänger, aber ich treffe immerhin Töne. Dann schleppte mich der Typ ins Studio und versuchte, die "GZSZ"-Welle zu reiten. Es war überhaupt nicht meine Richtung: Gute-Laune-Teenie-Pop. Ich höre eher Jazz, Funk und Soul. Ich fühlte mich nicht wohl und ich glaube, dass man mir das auch angehört hat.

teleschau: Hat Ihnen Ihr gutes Aussehen eher Karriere-Vorteile verschafft oder wurden Sie mit Vorurteilen à la "der dumme Schönling" konfrontiert?

Hartmann: Das habe ich jetzt weniger gehört, aber wahrscheinlich haben es sich viele gedacht! (lacht) Schon als Kind hieß es immer: Oh, der hübsche Junge mit diesen schönen blauen Augen! Aber irgendwann kann und will man es einfach nicht mehr hören. Ich halte mich nicht für den Tollsten. Wäre ich eingebildet, dann würde ich mehr für mein Äußeres tun. Aber ich genieße gerne. Ich bin zwar ein bewusster Mensch, aber ich stehe nicht permanent vorm Spiegel und renne fünfmal in der Woche in die Muckibude. Berufsbedingt ist das Aussehen natürlich ein Thema, man muss auch vorzeigbar bleiben. Für uns Männer ist das einfacher. An Frauen werden da viel zu hohe Erwartungen gesetzt. Manch eine Kollegin fürchtet schon mit Ende 30 um die Karriere, hat Angst, dass sie zu alt aussieht und die Rollenangebote ausbleiben.

teleschau: Sie haben als Mann die Elternzeit beansprucht, wurden Sie deswegen belächelt?

Hartmann: Weil das so unmännlich wirkt? Das wäre mir egal gewesen. Das ist so ein Generationsding, das sich langsam wandelt. Früher hat man das wirklich als unmännlich empfunden, doch das Gegenteil ist der Fall! Ich sage meinem Sohn jeden Tag, wie sehr ich ihn liebe und wie stolz ich auf ihn bin. Es wird gekuschelt ohne Ende. Ich habe den Riesenluxus, dass ich viel Zeit mit meiner Familie verbringen kann. Für mich war klar, dass ich in der Frühphase der Kindheit meines Sohnes vor Ort sein will, weil sich da so viel bei ihm entwickelt. Und dann habe ich radikal gesagt: Das mache ich jetzt!

teleschau: Der Privatmensch Jan Hartmann scheint ein ganz anderer Mann als Dr. Alex Rode in "Lifelines" zu sein. Wie viel Jan steckt in Alex?

Hartmann: Ich kann auch mal poltern, bin sehr ehrlich und geradeheraus. Aber bis ich mal aus der Haut fahre, dauert es lange. Ich ruhe zu sehr in mir. Ich sage auch ganz oft Sachen ab. Das ist schlimm bei mir, fast schon berufsschädigend. Ich habe manchmal gar keine Lust darauf wegzugehen, weil ich keine Nacht ohne meine Frau und meinen Sohn sein will. Die Werte verschieben sich, der Motor ist ein ganz anderer. Das wird nicht immer so bleiben. Aber ich werde alles daransetzen, dass ich immer da bin für den Kleinen. Dass ich ihm Liebe schenke, Werte vermittle, zuhöre - Basics, die total reichen, wenn sie aufrichtig sind.

teleschau: Die von Ihnen gespielte Figur ist ein ehemaliger Truppenarzt. Waren Sie bei der Bundeswehr oder haben Sie Zivildienst gemacht?

Hartmann: Weder noch! Ich war sogar im Schützenverein als Kind. Ich wurde gemustert, doch da war ich gerade bei "GZSZ". Die brauchten mich und deshalb konnte ich nicht zum Bund. Dann bin ich umgezogen, und die Bundeswehr hat mich nicht sofort gefunden. Dann wurde ich einberufen, konnte aber wieder nicht hin wegen eines Drehs. Irgendwann kam ein Brief, in dem es hieß, ich sei jetzt eh zu alt und müsse nicht mehr hin. Wenn ich das jetzt auf meine Rolle spiegele: Alex findet sich beim Bund richtig wohl. Da hat er die Jungs, mit denen er Karten spielt und jeden Abend ein paar Bierchen trinkt, alles ist ein bisschen derber. Das kann ich auch - brauche ich aber nicht. Zivildienst hätte mich mehr gereizt.

teleschau: Mit "Lifelines" haben Sie schon wieder eine Medizinerrolle ergattert. In "St. Angela" spielten Sie einen Pfleger, in "Herzflimmern" einen Oberarzt. Woher kommt die Präferenz für Krankenhausserien?

Hartmann: Ich fühle mich sehr wohl in diesem Genre. Mit "Lifelines" vor allem, weil Alex viel mehr menschelt. Der ist so sympathisch, andersartig, geradeheraus. Nicht der typische, geleckte Halbgott in Weiß. Das macht die Figur für mich so spannend.

Quelle: teleschau - der mediendienst