Fabian Busch

Fabian Busch





"Es ist ein täglicher Kampf"

Fabian Busch (42) kennt ein großes Problem unserer Zeit aus seiner Berliner Nachbarschaft: Gentrifizierung. Kiez-Urgesteine müssen dem Big Business der Bau-Löwen weichen. In "Ausgerechnet Sylt" (Donnerstag, 3. Mai, 20.15 Uhr, ZDF) spielt Busch nun einen Mann, der mit Luxuswohnungen auf Sylt ein ebensolches Geschäft machen will. Ein Gespräch über die Nordsee, gesellschaftliche Veränderungen und unmoralische Angebote.

teleschau: Herr Busch: "Scheiß fucking Sylt!" Zumindest findet das Ihre Filmtochter in "Ausgerechnet Sylt". Können Sie die Insel mal aus privater Sicht in zwei Wörtern zusammenfassen?

Fabian Busch: In zwei Wörtern? Das ist schwierig. Spontan würde mir so etwas einfallen wie "naja" und "hmm". Ich bin generell kein Nordseefan. Immer, wenn ich an die Nordsee komme, ist es windig, kalt und regnerisch. Das ist irgendwie alles nicht so meins.

teleschau: Was ist mit der Naturschönheit, die auch im Film im Fokus steht?

Busch: Klar, die Natur dort oben ist unumstritten wunderschön, allein der endlos lange Strand. Aber neben dem beschriebenen Wetter empfinde ich auch die Atmosphäre auf der Insel ähnlich dem, wie wir sie im Film versuchen rüberzubringen: Wenn dort gerade keine Saison ist, ist das Leben sehr einsam. Viele Häuser stehen einfach leer. Man spürt förmlich, dass dort elf Monate lang der Rasen gemäht wird, damit er gut aussieht, wenn einen Monat lang die Feriengäste da sind. Westerland als Stadt finde ich auch eher unattraktiv. Und dieses Gosch-Champagner-Schickimicki-Ding ist auch nichts für mich.

teleschau: Kamen Sie auf Sylt auch ganz real mit dem Thema Gentrifizierung in Berührung?

Busch: Nicht in dem Sinne, dass wir mit den Syltern darüber gesprochen hätten. Aber man weiß ja, dass es dort so etwas gibt. Gentrifizierung ist kein Geheimnis, und dass es für die Einheimischen auf Sylt ein großes Problem darstellt, ist auch klar. Es gibt dort ja nur diesen kleinen Kosmos, wo alles, was passiert, natürlich umso mehr auffällt. Gentrifizierung gibt es aber nicht nur dort, sondern überall, auch bei mir in Berlin-Friedrichshain.

teleschau: Wie erleben Sie es dort?

Busch: Die liebgewonnenen Kieznachbarn, die dort seit Jahren über die Bürgersteige gehen, werden immer weniger, weil sie von anderen Leuten verdrängt werden.

teleschau: In Ihrer "Ausgerechnet Sylt"-Rolle halten Sie einmal fest: "Jeder hat seinen Preis?" Glauben Sie, da ist was dran?

Busch: Es kommt auf die Situation an. Wenn es darum geht, seine Prinzipien aufzugeben, haben manche einen sehr hohen Preis, andere einen nicht bezahlbaren. Wenn man allerdings keine wirkliche Wahl hat, dann hat wohl auch jeder seinen Preis. Die Figur im Film glaubt allgemein daran, dass jeder Mensch käuflich ist. Was ich auch sehr spannend finde.

teleschau: Wie meinen Sie das?

Busch: Im deutschen Fernsehen ist es ja ganz oft so, dass Figuren sehr nachvollziehbar in ihrem Handeln sind und schnell zu Sympathieträgern werden. Alles an ihnen ist positiv. Diese Figur in "Ausgerechnet Sylt" ist viel spannender, weil sie dem Zuschauer auch durch negative Eigenschaften gefallen kann. Sie trifft fragwürdige Entscheidungen, und man bleibt trotzdem bei ihr. So etwas würde ich in Drehbüchern gerne öfter lesen als absehbare Figuren.

teleschau: Sie meinen das Prinzip "Fehler machen sympathisch"?

Busch: Ja, selbst die unsympathischen Fehler. Wenn man das mal vergleicht mit vielen amerikanischen Filmen und Serien, werden dort Charaktere gezeigt, die Sachen machen, die überhaupt nicht verzeihlich sind, und trotzdem hängt man an ihren Lippen, ist fasziniert von ihnen. Davon darf es bei uns gerne auch mehr geben. Es lohnt sich, vorhandene Strukturen aufzubrechen und einen Schritt weiter zu gehen.

teleschau: Noch mal zurück zum "Jeder hat seinen Preis"-Statement: Das gilt doch sicher auch für Schauspieler? Werden auch Sie regelmäßig mit dem ein oder anderen unmoralischen Angebot konfrontiert?

Busch: Ja. Und ich meine: Ich habe eine Frau und drei Kinder - natürlich drehe ich auch mal Sachen, um Geld zu verdienen. Wenn ich nur Low-Budget-Filme drehen würde, die vielleicht, vielleicht aber auch nicht ins Kino kommen, könnte ich nicht von der Schauspielerei leben. Trotzdem muss man als Schauspieler seine Rollen natürlich strategisch auswählen.

teleschau: Inwiefern?

Busch: Ab und zu muss man Sachen machen, bei denen man einfach Geld verdient, darf dabei aber nicht aus den Augen verlieren, dass auch diese Sachen eine Relevanz besitzen sollten. Danach kann man sich auch wieder die Low-Budget-Rollen leisten.

teleschau: Wobei man beim Blick auf Ihre Vita keine wirklichen "Hier ging es nur ums Geld"-Engagements finden möchte ...

Busch: Was auch mit Glück zu tun hatte, also damit, dass zum richtigen Zeitpunkt das richtige Projekt kam. Hinzu kamen noch eine gewisse Geduld und Gelassenheit ...

teleschau: Und die angesprochenen Prinzipien? Sie würden sicherlich auch bei einem sehr hohen Preis nicht ab morgen bei "GZSZ" einsteigen - oder?

Busch: Definitiv nicht. Nicht, weil ich "GZSZ" doof finde, sondern weil ich weiß, was es in dieser Branche bedeutet, in Schubladen gesteckt zu werden. Ich persönlich versuche immer einen Spagat zwischen Kino und Fernsehen hinzukriegen und weiß, wie schwierig das ist. Wenn man zwei, drei Fernseh-Projekte gemacht hat, die eher als seicht gelten, wird man bei bestimmten Kino-Projekten schon als Fernsehnase gesehen. Es ist ein täglicher Kampf, sich gegen solche Zuschreibungen zu wehren.

teleschau: Wäre dann nicht die Idealrolle für Sie ein fehlerhafter "Tatort"- oder "Polizeiruf 110"-Ermittler?

Busch: Joah - wobei es solche Rollen ja auch schon gibt und Schauspieler, die sie total toll spielen. Ich denke da etwa an Mark Waschke im Berliner "Tatort". Das Format findet ja zu Recht einen sehr großen Anklang. Das freut mich extrem für die Macher. Und ich glaube nicht, dass es aktuell noch einen Kommissar dieser Art braucht - stattdessen aber Figuren wie meine in "Ausgerechnet Sylt" in anderen Formaten.

teleschau: Also keine Traumrolle im Blick?

Busch: Es ist nicht so, dass ich schon immer mal eine ganz bestimmte Figur spielen wollte. Es gibt wahnsinnig tolle Filme und inzwischen auch Serien, bei denen ich einfach gerne dabei war beziehungsweise bin, weil ich die Formate so sehr mag. Da treten dann Figuren fast schon wieder in den Hintergrund. Aber wenn ich mir irgendeine Rolle, die es auch schon mal gab, aussuchen dürfte, dann wäre es die von Martin Freeman in der ersten "Fargo"-Staffel.

Quelle: teleschau - der mediendienst