Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?

Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?





Gekünstelte Beziehungskiste

"Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?" ist ein Film, der offenkundig hoch hinaus will: Immerhin ist im Begleitheft zu lesen, die Tragikomödie sei ein "Mix aus 'Little Miss Sunshine' und 'Die fabelhafte Welt der Amelie'". Man tut sich selten einen Gefallen mit solchen Vergleichen, weil sie am Ende nur zu hohen Erwartungen und großen Enttäuschungen führen. Das deutsche Kino bringt immer wieder bemerkenswerte Filme hervor - mit originellen und feinsinnig inszenierten Geschichten, die berühren, weil sie lebensnah sind. Weil sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge zeigen, dass Familie manchmal ein verdammter Fluch sein kann. Man denke etwa an die Tragikomödie "Lucky Looser" (2017) oder an "Toni Erdmann" (2016). Bei "Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?", einem Film, in dem es um eine Familie mit Differenzen geht, trifft dies leider nicht zu.

Charlotte (Corinna Harfouch) kriegt die Krise, nach fast 40 Jahren Ehe ist die Luft raus und eigentlich geht ihr Ehemann Paul (Karl Kranzkowski) ganz schön auf die Nerven. Ihr Leben ist nur noch Routine, da ist nichts, was noch Spaß machen würde. Ihre Tochter Alex (Meret Becker) steckt ebenfalls in der Krise: Gerade jobbt die alleinerziehende Mutter als Taxifahrerin, trinkt am Geburtstag ihrer Tochter Jo (Annalee Ranft) aus Frust über den Familienzwist einen über den Durst.

Und dann haut Charlotte einfach so ab ... Wie sich herausstellt, hat sie Jo mit im Gepäck, die sich im Auto versteckt hatte. Gemeinsam fahren Oma und Enkelin spontan an die Nordseeküste und quartieren sich in der schrägen Pension des enigmatischen Horster (Bruno Cathomas) ein. Auch Alex und ihr Vater machen sich auf den Weg in Richtung Meer. Und so beginnt für alle Beteiligten ein kurioser Roadtrip, an dessen Ende alle wieder zu sich selbst und zueinander zu finden.

"Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?" ist eine Geschichte, in der sich jeder existenzielle Fragen stellt. Das macht den Film, der in teils langen Einstellungen sehr kontemplativ daherkommt, zu einem sehr verkopften Essay über das Leben und über zwischenmenschliche Beziehungen. Die Figuren, die die Schauspieler gleichwohl nach bestem Können verkörpern, wirken dabei sehr konstruiert und artifiziell. Meret Becker als planlose, etwas durchgeknallte Mutter, die plötzlich ihre Vorliebe für Frauen entdeckt, oder Karl Kranzkowski als Vater, der nicht recht begreift, was eigentlich los ist mit seiner Frau, sind durchaus überzeugend.

Aber ihre Figuren wollen beim Zuschauer einfach keine Emotionen auslösen. Im Gegenteil: Man betrachtet das unstrukturierte Geschehen auf der Leinwand in einer Mischung aus Langeweile und Teilnahmslosigkeit, wobei einem alles vorkommt, wie szenische, manchmal originell inszenierte Versatzstücke aus Filmen, die man liebt, die aber hier nichts Eigenes ergeben.

Der Film krankt an seinem Anspruch, an seinen gekünstelten Dialogen, dem die gottgleiche Figur des ungepflegten, seltsam entrückten Hotelchefs Horster noch eins drauf setzt. Wenigstens eine lebensbejahende Erkenntnis nehmen wir mit: "Gäbe es keinen Tod, würde man alles auf morgen verschieben." Bloß das nicht.

Quelle: teleschau - der mediendienst