Christine Neubauer

Christine Neubauer





Mit Leib und Seele Vollweib

Wenn man Christine Neubauer in München trifft, könnte man erwarten, dass sie einen auf Bairisch begrüßt. Immerhin ist die 55-Jährige in der Landeshauptstadt geboren, aufgewachsen und hat lange Zeit in München gelebt. Inzwischen heißt ihr Wohnort jedoch Mallorca, und ab und an zieht es sie auch nach Chile. Für den Dreh der BR-Serie "München Grill" (ab Freitag, 20. April, 20.15 Uhr, BR) ist sie nun zumindest für ein paar Wochen in ihre Geburtsstadt zurückgekehrt. Nachdem "Moni's Grill" mit der Mischung aus Talk und Fiktion im Jahr 2016 nicht die Erwartungen des Senders erfüllen konnte, soll nun eine rein fiktive Serie dem BR bessere Quoten bescheren. Christine Neubauer verrät, auf welchen Stargast sie sich besonders gefreut hat, warum sie immer noch auf Bairisch flucht und wie viele Dirndl sie im Schrank hat.

teleschau: Für "München Grill" sind Sie zurück in Ihre Geburtsstadt gekommen. Wie war es, mal wieder eine längere Zeit in der Heimat zu verbringen?

Christine Neubauer: Ich liebe es, wieder in München zu sein! Deshalb hoffe ich auch, dass die Serie ein richtiger Erfolg wird und eine Fortsetzung bekommt. Denn solche Engagements sind Anlässe, nach München zu kommen. Und natürlich ist eine so bayerische Figur wie meine Toni auch eine rollentechnische Rückkehr in die Heimat.

teleschau: "Moni's Grill" hatte eher einen schleppenden Start. "München Grill" hat jetzt ein neues Konzept, das zum Erfolg verhelfen soll ...

Neubauer: "Moni's Grill" war ein Versuch, ein ganz neues Format zwischen Fiktion und Talk zu erschaffen. Es war eine ungewöhnliche Kombination und wurde leider nicht so angenommen, wie wir uns das erhofft hatten. Daraus hat man gelernt und ist zu Bewährtem zurückgekehrt: "München Grill" ist eine 45-minütige rein fiktionale Serie. Wir haben in jeder Folge prominente Gäste, die aber sie selbst bleiben und so in die Spielhandlung eingebunden werden.

teleschau: Gab es einen Gast, auf den Sie sich besonders gefreut haben?

Neubauer: Für mich war die Zusammenarbeit mit Uschi Glas und Marianne Sägebrecht etwas sehr Wertvolles. Beide kenne ich schon lange, und wir haben alle schon einige Berufsjahre auf dem Buckel, aber wir haben davor noch nie zusammen gedreht.

teleschau: Ihre Figur Toni prallt auf eine neue Kollegin, Fanny, gespielt von Christine Eixenberger. In der Serie haben Sie keinen harmonischen Start, wie war es am Set?

Neubauer: Sie ist neu in ein eingespieltes Team gekommen, das sich schon gut kannte. Dann die "Fremde" zu sein, ist vollkommen normal. Und in unserem Fall hat das genau die Stimmung der ersten Folge getroffen. Dass eine neue Schauspielkollegin ans Set kommt, ist für mich nichts Ungewöhnliches. So, wie man heutzutage Serien dreht, bleibt einem gerade noch genug Luft zum Atmen, aber für mehr Privates ist keine Zeit. Ich schätze Christine als Kollegin sehr, und es hat Spaß gemacht mit ihr zu arbeiten.

teleschau: Stehen Sie bei so wenig Zeit denn privat auch mal in der Küche, oder doch nur als Köchin vor der Kamera?

Neubauer: In München nicht, hier bekocht mich meine Mama. Die Dreharbeiten sind zu zeitintensiv, als dass dafür Luft bliebe. Aber bei mir zu Hause auf Mallorca nehme ich mir die Zeit gerne. Das ist mein Rückzugsort, und dort kann ich ganz entspannt kochen und genießen.

teleschau: Schmeißen Sie dann auch selbst den Grill an?

Neubauer: Nein, beim Grillen bin ich für die klassische Rollenaufteilung: Das ist Männersache.

teleschau: Sie werden immer noch als Vollweib bezeichnet. Passt das überhaupt noch?

Neubauer: Natürlich! Das ist keine Reduzierung auf die Figur, sondern ein Begriff, um auszurücken, dass man mit Leib und Seele Frau ist, und es liebt, weiblich zu sein.

teleschau: Toni ist sehr direkt und sagt, was sie denkt. Sind Sie privat auch so?

Neubauer: Ich bin jemand, der aus dem Bauch heraus entscheidet und auf sein Herz hört. Bei Toni kommt die Härte einer Küchenchefin dazu, die ich nur recherchiert habe. Der Ton in einer Küche ist nichts für Weicheier, und wenn die Chefin eine Ansage macht, muss der Rest auch spuren, sonst geht es drunter und drüber. Meine Figur ist bayerisch-grantig, aber eben auch charmant. Bei mir privat kommt diese Direktheit auch eher zu Tage, wenn ich Bairisch rede.

teleschau: Und das passiert, sobald Sie zurück in der Heimat sind?

Neubauer: Ja. Das ist die Sprache, mit der ich groß geworden bin. Im Dialekt bin ich verwurzelt, und so hören sich meine Kindheitserinnerungen an. Egal, wo ich auf der Welt bin, wenn ich zum Beispiel richtig fluche, dann nur auf Bairisch. Da kommt das Innerste aus einem heraus, und man kontrolliert die Gefühle weniger. Dann bin ich zurück im Dialekt.

teleschau: Wie wichtig ist ein Heimatgefühl?

Neubauer: Ich fühle mich überall auf der Welt heimisch, wenn ich mich wohlfühle. Meine richtige Heimat und meine Wurzeln sind aber in München. Je weiter und je länger ich weg bin, desto schöner ist der Blick auf die Heimat, und man sehnt sich manchmal zurück.

teleschau: Wie viele Dirndl haben Sie denn im Schrank?

Neubauer: Zu viel, um noch normal zu sein. (lacht) Es sind über 50. Ich möchte nicht sagen, an die 100, das wäre übertrieben.

teleschau: Hat Ihr Freund auch schon eine Lederhose? Er kommt ja aus Chile.

Neubauer: José gefällt München sehr gut, und er besitzt sogar drei Lederhosen. Obwohl er sehr südländisch aussieht, stehen sie ihm fantastisch.

teleschau: Verraten Sie uns Ihren persönlichen Lieblingsplatz in München?

Neubauer: Ich mag den Viktualienmarkt sehr gern, auch wenn inzwischen viele Touristen dort sind. Außerdem laufe ich gern durch die kleinen Gassen Richtung Gärtnerplatz.

teleschau: Schauen Sie manchmal noch Ihre eigenen vergangenen Produktionen an?

Neubauer: Ja, das mache ich ganz gerne. Ich habe viele unterschiedliche Filme gemacht und erinnere mich gern an die Rollen und die Drehzeit.

teleschau: Reflektieren Sie dabei auch noch mal Ihren Stil oder Ihre Arbeitsweise?

Neubauer: Ich habe meine Arbeitsweise gefunden: Ich spiele immer aus dem Bauch raus und wie mein Gefühl mich leitet. Ich bereite mich natürlich auf die Rolle vor, was Bewegungen oder Fähigkeiten angeht. Ich probe oder zerrede nicht gerne, sondern ich schaue lieber, was im Moment passiert. Die Herausforderung, sich trotzdem immer weiterzuentwickeln, besteht aber trotzdem.

Quelle: teleschau - der mediendienst