Senta Berger

Senta Berger





"Ich lüge sehr schlecht"

Es ist nur eine kleine Rolle. Aber eine, die es in sich hat. Die große Star-Schauspielerin Senta Berger ("Unter Verdacht", "Willkommen bei den Hartmanns") spielt in der TV-Serie "Kleine Sünden" ausgerechnet selbst eine Darstellerin, die zu einem von Friedrich von Thun verkörperten Priester in den Beichtstuhl steigt - und geradezu echauffiert reagiert, dass der Geistliche angeblich keine ihrer Rollen kennt. Die neue augenzwinkernde Episode der Mini-Serie, in der sich Senta Berger selbst ein wenig auf den Arm nimmt, läuft am Montag, 23. April, um 21.45 Uhr, auf dem Pay-Sender Heimatkanal, der unter anderem bei Sky zu sehen ist. Die Dreharbeiten, inklusive der "sündigen" Fragen, die Berger an sich selbst stellen musste, haben der Schauspielerin offensichtlich großen Spaß gemacht.

teleschau: Frau Berger, "Sünde" ist natürlich ein großes Wort - vor allem, wenn es um eine eher augenzwinkernde Beichtsituation geht. Trotzdem ist man natürlich neugierig: Was würden Sie denn von sich selbst als Ihre größte sündige Schwäche sehen?

Senta Berger: In sehr jungen Jahren waren es sicherlich Eifersucht, Geltungsbedürfnis, vielleicht auch manchmal wirklich Neid auf Kolleginnen, von denen ich meinte, sie spielten schlecht, was ich eigentlich gut spielen könnte. Aber solche Sünden sind sicher verzeihlich. Je erwachsener man wird, desto mehr verlieren sich solche Gefühle. Eine kleine, aber sicherlich nicht sündige Schwäche, sehe ich, in meiner nur allzu bereiten Haltung, alles liegen und stehen zu lassen, vor allem den Alltag, um von einem Tag auf den anderen zu verreisen. Auf Vergnügungsfahrt zu gehen.

teleschau: Wie haben Sie es immer wieder geschafft, den Verführungen zu widerstehen?

Senta Berger: Ich habe ihnen nicht widerstanden.

teleschau: Wie kann man sich gegen die eigene Sünden-Anfälligkeit wappnen?

Berger: Das Rauchen aufzugeben, war schwer. Ich war keine tolle Raucherin, aber die zehn Zigaretten pro Tag habe ich mir vor einigen Jahren dennoch verboten. Dieser kleinen Sünde gegen meinen Körper habe ich widerstanden. Ich habe mir meine Lungen wie kleine atmende, rosa Korallen vorgestellt, die durch Teer und Nikotin mit der Zeit zu einem alten Lederfußball werden. Diese Tatsache hat mich gegen jede Anfälligkeit gewappnet.

teleschau: In der Serien-Situation bei Heimatkanal zeigt sich die von Ihnen gespielte Figur überrascht, dass der Priester angeblich so wenig von Ihrer Schauspieler-Karriere weiß. Auf welche vielleicht sogar berufstypische Sünde spielt das an?

Berger: In diesem Falle möchte ich die Reaktion der Schauspielerin, die ich spiele, nicht auf meinen Berufsstand übertragen sehen. Diese Frau scheint mir geradezu rührend naiv zu sein, trotz ihres Alters.

teleschau: Inwieweit gehört aus Ihrer Erfahrung ein gesundes Maß an Eitelkeit und vielleicht sogar Selbstverliebtheit zum Schauspieler-Beruf mit dazu?

Berger: Ich höre öfter, die oder der Kollege sei "schwierig und eitel". Dann muss ich fragen: Schwierig für wen? "Eitel" im Sinne von: Ich will meine Arbeit so gut, wie nur möglich, machen? In allen Freiberufen spürt man immer den Konflikt zwischen Selbstzweifel und Selbstbewusstsein. Von Selbstverliebtheit habe ich hingegen noch nie etwas bemerkt .

teleschau: Sie waren im Lauf der Jahre schon auf unzähligen Magazin-Titeln oder in großen Foto-Strecken zu sehen. Wie fühlt sich das an, wenn solche "Ausbeute" privat auf Ihrem Lesetisch landet?

Berger: Ach, das löst immer gute Erinnerungen aus. Kapitel meines Lebens steigen in schönsten Bildern auf ...

teleschau: Trotz des immer großen Interesses an Ihrer Personen ist es Ihnen offenbar sehr lange gut gelungen, die allzu forsche öffentliche Neugierde an Ihrem Privatleben abzuschirmen. Wie schwer ist Ihnen das jeweils gefallen?

Berger: Gar nicht schwer. Ich bin unter dem öffentlichen Auge sozusagen erwachsen geworden. Ich habe mich verändert, und die Medien haben sich verändert. Je mehr versucht worden ist, in mein privates Leben einzudringen, desto weniger habe ich preisgeben wollen. Auch deshalb habe ich mein Buch geschrieben "Ich habe ja gewusst, dass ich fliegen kann". In diesem Buch habe ich viel erzählt, aber was und wie ich es preisgeben wollte.

teleschau: Junge Kollegen meinen oft, sich selbst in eher privaten und freizügigen Momenten, über die sozialen Medien zu "vermarkten". Wie gefährlich ist das aus Ihrer Sicht?

Berger: Oh, ich habe keine Ahnung. Die Zeiten haben sich seit meinen Anfängen völlig geändert.

teleschau: Friedrich von Thun dürften Sie natürlich gut kennen. Trotzdem: Wie einschüchternd wirkte er, als er Ihnen in der Rolle eines Beichtvaters plötzlich gegenübersaß?

Berger: Was für eine Frage? Wie stellen Sie sich unseren Beruf vor? Das ist ein Beruf, den man lernen muss. Und da lernt man zu unterscheiden zwischen Spiel und Wirklichkeit.

teleschau: Hilft es, Schauspielerin zu sein, wenn man möglicherweise auch mal privat in eine Art Beichtsituation gerät?

Berger: Ich lüge sehr ungern. Und ich lüge sehr schlecht. Ich vergesse vor allem, was ich gelogen habe. Da hilft auch kein "Schauspielen".

Quelle: teleschau - der mediendienst