Birgit Schrowange

Birgit Schrowange





Frechheit siegt!

Ja, das Grau steht ihr ausgezeichnet. Und, nein, man sieht sie ihr wirklich nicht an, die dreieinhalb Jahrzehnte, die Birgit Schrowange nun schon da ist, wo sie einst als junges Mädchen hinwollte: im Fernsehen, vor der Kamera. Nach Anfängen beim WDR und einem Jahrzehnt als Ansagerin beim ZDF, ließ sie sich von Privatfernsehvisionär Helmut Thoma vor 24 Jahren zu RTL locken, wo sie seit der ersten Sendung im Oktober 1994 Moderatorin und das Gesicht des Wochenmagazins "EXTRA" ist. Die Wahlkölnerin, die am 7. April ihr 60. Lebensjahr vollendet, blickt heute auf einige handfeste Erfolge ihres investigativen Formats zurück und auf ein gutes Stück TV-Geschichte: Ihr Name und ihr Gesicht stehen synonym für die positiven Seiten des Privatfernsehens in Deutschland. Was unter anderem zur Folge hat, dass Birgit Schrowange nach wie vor im Fokus der Medien steht und immer noch für einen Boulevardaufreger gut ist.

Die grauen Haare, ein offensichtlicher Gewichtsverlust, das Liebesglück mit ihrem neuen Lebensgefährten, dem Unternehmer Frank Spothelfer (52), eine vorübergehende Erkrankung ... - Die Schlagzeilen begleiten Birgit Schrowanges Leben gerade wieder in hoher Frequenz. Sie nimmt es, wie eigentlich immer in ihrer Karriere, erstaunlich gelassen hin und gibt professionell lächelnd bereitwillig Antworten auf fast alle Fragen.

Weil sie nicht nur Charme, sondern auch ein ausgezeichnetes Gespür für die richtigen Worte und die Dosierung ihrer Präsenz hat, wird ihr Status als Sympathieträgerin dabei nur untermauert. "Frauen macht euch mal locker, macht es den Männern nach und seid schön, wie ihr eben seid", erklärte Birgit Schrowange, als sie im vergangenen Jahr urplötzlich ergraut moderierte und bekannte: "Ich fühle mich befreit. Das bin ich, wenn ich in den Spiegel gucke, ganz authentisch, und ich fühle mich sehr wohl." Nachdem sie vorher nach eigener Aussage 20 Jahre ihre Haare gefärbt hatte, kam der Typwechsel bei Zuschauern und Medien gut an: ein Statement gegen den Jugendwahn!

Dabei hat ihr Moderationsstil etwas unverwüstlich Jugendliches. Ohnehin, lachte Birgit Schrowange vor ein paar Jahren im Interview mit der Agentur teleschau, empfinde sie sich "vielleicht als 36-Jährige ... Also innendrin". Dass sie älter aussähe, sei ihr "klar - und egal". Was sie jung halte, seien gute Gene. Ansonsten, verriet sie, habe "das sicher mit Lebenseinstellung zu tun: Ich bin neugierig, ich bin nicht verbissen, ich hadere nicht mit der Vergangenheit, sondern lebe im Jetzt. Und ich versuche nicht, krampfhaft einem bestimmten Bild zu entsprechen. Großes Frauenproblem, glauben Sie mir."

Sie wolle indes "keine von diesen alten Fernsehladys sein, die an ihrem Stuhl kleben", sagte die auf einem Bauerhof nahe Brilon im Hochsauerlandkreis aufgewachsene Birgit Schrowange der teleschau und sprach vor drei Jahren bereits offen über ein Karriereende. "Ich habe eine Karriere genießen dürfen, die so nicht vorhersehbar war, und ich bin dankbar, dass ich noch dabei bin - aber irgendwann ist sicher Schluss", erklärte die Moderatorin. "Ich nenne keine Zahl, aber Fakt ist: Ich kann loslassen."

Ihr Ziel sei es, "eine coole, alte Lady zu werden", sagt Birgit Schrowange, deren "Mädchentraum" das Fernsehen war - auch wenn sie erst mal Rechtsanwalts- und Notargehilfin lernte. "Es war eben ein Hirngespinst, aber manchmal kommen die weiter, die spinnen." Birgit Schrowange marschierte 1978 im Alter von 19 Jahren zum WDR und sagte: "Ich gehe hier nicht eher weg, bis ihr mir einen Job gegeben habt - und wenn ich in der Kantine arbeite."

Ihren ersten Fernsehjob hatte Birgit Schrowange dann als Stenokontoristin. "Man fängt klein an. Und Frechheit siegt", meinte sie in Erinnerung an jene Zeit, in der sie "nicht selbstbewusst, sondern nur beharrlich" gewesen sei. Schrowange: "Ich habe das jedem gesagt: Ich will Fernsehansagerin werden! Beim WDR haben sie mich am Anfang auch erst vorne rausgeschmissen, und ich bin hinten wieder reinmarschiert. Und dann wurde es ernst: Ich lebte in meiner Zwölf-Quadratmeter-Bude, ernährte mich von Spaghetti mit Ketchup und büffelte, nahm privat Schauspiel- und Sprechunterricht, um mir den fürchterlichen westfälischen Dialekt abzugewöhnen. Bis ich mein Ziel erreichte."

Beharrlichkeit statt falscher Bescheidenheit - dazu passt auch der Titel von Birgit Schrowanges Buch: "Es darf gern ein bisschen mehr sein". Sie wünscht sich, dass es den Frauen Mut macht: "Seid nicht immer so bescheiden, seid kühn, seid renitent. Nehmt euch, was ihr braucht, und macht, was euer Herz sagt!" Aus ihren ureigenen Herzensangelegenheiten machte die frisch verliebte Moderatorin unlängst mal wieder kein Geheimnis: "Bei einem Hochzeitsantrag würde ich nicht Nein sagen", verriet sie in einem Interview ...

Quelle: teleschau - der mediendienst