Ghost Stories

Ghost Stories





Spuk oder Einbildung?

Gibt es eine Verbindung zur Welt der Toten? Kehren Verstorbene als Geister zurück? Oder sind diese Fragen nur Ausdruck der menschlichen Sehnsucht, Unausgesprochenes nachholen zu können und bedrückende Gefühle erträglicher zu machen? Professor Goodman (Andy Nyman) hält es als großer Skeptiker mit Letzterem und setzt alles daran, scheinbar übernatürliche Phänomene nüchtern zu erklären. Im Rahmen seiner Fernsehsendung "Psychic Cheats" stellt er betrügerische Hellseher und Experten für Paranormales vor laufender Kamera bloß, die den Schmerz der Hinterbliebenen in seinen Augen skrupellos ausnutzen.

Eines Tages wendet sich ein vor vielen Jahren unter merkwürdigen Umständen verschwundener Psychologe an Goodman und beauftragt ihn, drei besonders mysteriöse Spukfälle unter die Lupe zu nehmen. Der von seinem rationalen Standpunkt nach wie vor überzeugte Professor willigt nach kurzem Zögern ein und sucht nacheinander die betroffenen Personen auf. Den gebrochenen Tony Matthews (Paul Whitehouse), der als Nachtwächter einst Furchteinflößendes erlebte. Den verstörten Simon Rifkind (eindringlich: Alex Lawther), der im Wald nach einer Autopanne eine grausame Begegnung hatte. Und den arroganten Geschäftsmann Mike Priddle (Martin Freeman), der in seiner Villa von einem Poltergeist heimgesucht wurde.

"Ghost Stories" basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Jeremy Dyson und Andy Nyman, das 2010 seine Uraufführung feierte und sich auf vielfältige Weise vor dem traditionellen Horrorkino verbeugt. Insofern ist es nur konsequent, dass die beiden Macher ihr Werk nun von der Bühne auf die Leinwand geholt haben. Wie nicht anders zu erwarten war, erweist das Regie- und Drehbuchgespann dem - vor allem britischen - Gruselfilm klassischer Prägung auch in der Adaption seine Reverenz. Erinnerungen an Anthologie-Arbeiten wie "Die Todeskarten des Dr. Schreck" und "Die Tür ins Jenseits" werden angesichts der drei Geschichten, die Professor Goodman zu hören bekommt, unweigerlich wach.

Die Fälle selbst sind wenig komplex, setzen sich aus vertrauten Versatzstücken zusammen, erzeugen aber dennoch einen wohligen Schauer. Dyson und Nyman spielen zumeist gekonnt mit der Dunkelheit, lassen einige wirkungsvolle Schockeffekte auf den Zuschauer los und beschwören eine niederschmetternde, von Schuldgefühlen und Trauer durchdrungene Atmosphäre. Besonders in Erinnerung bleibt der hypernervöse Simon, dessen Verunsicherung und Panik sich in seinem schaurig ausgestatteten Zimmer deutlich zeigen. Offenkundig ist der junge Mann von Ängsten zerfressen, findet bei seinen seltsam abweisenden Eltern jedoch kein Gehör.

Dass "Ghost Stories" aus dem Genremittelmaß herausragt, obwohl der Film zumeist altbekannte Konventionen und Muster kombiniert, liegt auch an seinem durchaus überraschenden, irrwitzigen letzten Akt. Für Spannung sorgt hier die Tatsache, dass der von Regisseur Nyman gespielte Protagonist mit seinen eigenen Dämonen konfrontiert wird. Plötzlich muss der vorher über den Dingen schwebende Rationalist seine Einstellung überdenken und verliert den sicheren Halt in der Realität.

Der finale Twist mag auf Horror- und Thriller-Freunde etwas ausgelutscht wirken, schließt den größtenteils stimmungsvollen Gruselstreifen allerdings halbwegs zufriedenstellend ab. Verglichen mit vielen hastig und leidenschaftslos heruntergekurbelten Spukfilmen, die heutzutage ins Kino kommen, macht die Bühnenadaption auf jeden Fall eine ordentliche Figur.

Quelle: teleschau - der mediendienst