Lisa Maria Potthoff

Lisa Maria Potthoff





"Zivilcourage ist eine Bürgerpflicht"

Ob als gemobbte Polizistin in "Der Tod ist kein Beweis", als abgebrühte Jungkommissarin in "Der letzte Kronzeuge" oder als chaotische Freundin des Dorfpolizisten in den "Eberhofer-Krimis" à la "Dampfnudelblues": Im Krimigenre kennt sich Lisa Maria Potthoff bestens aus, und auch privat hat sie schon heldenhaften Einsatz gezeigt. Nun ist die 39-jährige Schauspielerin in der Titelrolle des Fernsehfilms "Sarah Kohr - Mord im Alten Land" (Montag, 23. April, 20.15 Uhr, ZDF) als kampflustige Ermittlerin zu sehen, die es mit den Dienstvorschriften nicht ganz so genau nimmt. Wir haben mit der zweifachen Mutter über Frauenpower, Zivilcourage und Lebensziele gesprochen.

teleschau: Was unterscheidet TV-Kommissarin Sarah Kohr von anderen Ermittlerinnen im deutschen Fernsehen?

Lisa Maria Potthoff: Sie ist eine Einzelkämpferin, die unkonventionelle Wege geht, um einen Fall zu lösen oder jemandem zu helfen. Sie hat aber auch eine zarte und verletzliche Seite.

teleschau: Nicht selten geht sie mit dem Kopf durch die Wand - kennen Sie das von sich?

Potthoff: In Ansätzen schon. Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann lasse ich mich davon nur schwer abbringen. Obwohl es in meinem Leben bisher keine wirklich gravierende Situation gab, in der ich mich gegen den Widerstand aller hätte durchboxen müssen. Nicht mal bei meinem Berufswunsch. Meine Eltern hatten bestimmt Ängste, sie kommen selbst ja nicht aus künstlerischen Bereichen. Aber ich wurde in meinem Bestreben, Schauspielerin zu werden, von ihnen sehr unterstützt.

teleschau: Wie kam es überhaupt zu diesem Berufswunsch?

Potthoff: Bislang habe ich auf diese Frage stets geantwortet: "Ich weiß es nicht, irgendwann war ich einfach Schauspielerin." Vor kurzem hat mich jedoch eine Jugendfreundin aus der Grundschulzeit auf Facebook kontaktiert, mit der ich bestimmt seit 25 Jahren keinen Kontakt mehr hatte. Sie schrieb mir: "Mensch, du bist Schauspielerin geworden, dann hast du deinen Traumberuf tatsächlich wahr gemacht?" - Insofern weiß ich jetzt immerhin, dass ich dieses Ziel schon früh vor Augen hatte.

teleschau: Gab es zwischenzeitlich Zweifel, ob es die richtige Entscheidung war?

Potthoff: Klar! Gerade in den Anfängen, so mit Anfang 20, als ich meine Eltern schon mal um Geld für die Miete anbetteln musste, habe ich mich oft gefragt, ob ich von dieser Arbeit jemals würde leben können. Zudem sind in meinem Schauspielschuljahrgang rechts und links immer wieder Leute weggebrochen, die den Traum aufgeben mussten. Ich selbst habe mir andere Wege ebenfalls lange offengelassen, habe eine Zeitlang Geschichte studiert und mit einem Psychologie-Studium geliebäugelt. Aber dadurch, dass ich dann doch relativ schnell ziemlich viel gedreht habe, hatte ich keinen Kopf mehr für andere Pläne. Und mir wurde klar, dass ich es als Schauspielerin schaffen würde.

teleschau: Sie sagen, rechts und links sind Kollegen weggefallen. Warum glauben Sie, haben Sie es im Gegensatz zu denen geschafft? - War es Talent, Glück, Disziplin?

Potthoff: Ich denke nicht, dass ich so viel besser bin als andere, die den Berufswunsch aufgeben mussten. Ich hatte einfach ziemlich viel Glück. Vor allem in Form von Menschen, die an mich geglaubt und mich gefördert haben.

teleschau: Zurück zu Sarah Kohr: Es geht im Film körperlich ganz schön zur Sache, wie haben Sie sich auf die Kampfszenen vorbereitet?

Potthoff: Seit einem guten Jahr betreibe ich intensiv Kampfsport und habe in der Vorbereitungsphase etwa fünfmal in der Woche Kraft und Ausdauer trainiert. In den Stuntproben wurden die Kämpfe dann wie Choreografien einstudiert. Das ist im Grunde wie "Let's Dance", nur mit mehr Fausteinsatz.

teleschau: Apropos Kampfbereitschaft: Es war zu lesen, dass Sie einem Mann das Leben gerettet haben sollen. Stimmt das?

Potthoff: Nein, da wurde ich falsch zitiert. In Wahrheit war es so, dass ich Zeugin einer Schlägerei wurde und den Rettungswagen gerufen sowie Erste Hilfe geleistet habe. Nicht mehr und nicht weniger. Dieser Mann hätte wahrscheinlich ohne mich genauso überlebt, wobei ich leider gar nicht weiß, wie es ihm nach dem Vorfall ergangen ist.

teleschau: Zivilcourage ist bei Ihnen aber weit mehr als ein Lippenbekenntnis?

Potthoff: Ja, sie ist eine Bürgerpflicht. Wenn sich eine Person in Gefahr befindet und ich ihr helfen kann, dann mache ich das. Überhaupt beschäftigt mich dieses Thema sehr. Ich hoffe, dass ich selbst nie in eine Situation kommen werde, in der ich auf die Hilfe anderer angewiesen bin und mir diese nicht zuteilwird. Das ist eine echte Horrorvorstellung.

teleschau: Hat Ihnen Ihr intensives Kampftraining zusätzliche Courage verliehen?

Potthoff: Absolut. Ich mache Krav Maga, das ist eine israelische Form der Selbstverteidigung, die alltagstauglich und situativ trainiert wird. Das stärkt das körperliche Selbstbewusstsein.

teleschau: Ein weiterer wiederkehrender Wesenszug von Sarah Kohr ist: Sie agiert nicht besonders regelkonform, bricht gern Dienstvorschriften und Gesetze. Wann haben Sie zuletzt gegen Regeln vorstoßen? Sind Sie mal schwarzgefahren zum Beispiel?

Potthoff: Beim Fahrscheinlösen bin ich total diszipliniert, weil es mir wahnsinnig unangenehm wäre, beim Schwarzfahren erwischt - und obendrein erkannt - zu werden. Ich muss generell ziemlich tief in meinem Gedächtnis kramen, um Gesetzessünden zu finden. Wobei da fällt mir ein, als Teenager haben wir mal Ausweise gefälscht, um in die Disko zu kommen und eine Schachtel Zigaretten geklaut.

teleschau: Apropos erkannt werden, wie häufig werden Sie auf der Straße angesprochen?

Potthoff: In Berlin interessiert man sich nicht für Personen des öffentlichen Lebens. In München ist das anders, dort spricht man mich hin und wieder an. Manchmal kommen auch Wildfremde auf mich zu und fragen: "Wir haben doch in Dresden zusammen studiert, nicht?" Oder: "Sind wir nicht im selben Fitnessstudio?" Solche Situationen finde ich lustig.

teleschau: Wie schlimm finden Sie Selfie-Jäger?

Potthoff: Wenn ich am Morgen nach einem Nachtdreh aussehe wie ausgekotzt und einfach nur schnell ungeschminkt zum Bäcker laufen möchte, finde ich Selfie-Wünsche schwierig, ansonsten habe ich kein Problem damit.

teleschau: Sie haben zwei Töchter. Was möchten Sie ihnen mit auf den Weg geben?

Potthoff: Selbstbewusstsein. Frauen dürfen stark und autark sein. Sie müssen sich Männern nicht unterlegen fühlen. Wenn man weiß, was man wert ist, hat man ein gutes Rüstzeug fürs Leben.

teleschau: Bei Ihnen steht im Juli ein runder Geburtstag an. Inwiefern beschäftigt Sie der Wechsel in ein neues Lebensjahrzehnt?

Potthoff: Insofern, als dass ich langsam anerkennen muss: Ich bin erwachsen.

teleschau: Wie werden Sie Ihren "Vierzigsten" begehen?

Potthoff: Ich werde an diesem Tag arbeiten, aber ihn mit einem großen Fest nachfeiern und dem neuen Lebensjahrzehnt mit offenem Visier ins Auge blicken.

teleschau: Gibt es etwas, das Sie gern in Ihren Vierzigernn erreichen oder erleben würden?

Potthoff: Meine Zwischenbilanz sieht gut aus. Ich bin verheiratet, habe zwei gesunde Kinder, bin im Beruf extrem glücklich. Abgesehen davon, würde ich mich freuen, wenn Sarah Kohr als Frauenfigur im deutschen Fernsehen eine gute Resonanz findet und wir damit weiter machen können. Das ist mein großer Herzenswunsch für die nächsten Jahre.

Quelle: teleschau - der mediendienst