Tanja Wedhorn

Tanja Wedhorn





"Zeit ist Luxus"

"Die Leute auf der Insel sehen sie als blöden Wessi, der offensichtlich nichts kann und dem man besser die Tür vor der Nase zuknallt": Tanja Wedhorn (46) muss schmunzeln, wenn sie über ihre aktuelle Rolle spricht. Sie spielt in zwei neuen Folgen der "Praxis mit Meerblick"-Reihe (Freitag, 13.4., und Freitag, 20.4., jeweils 20.15 Uhr, Das Erste) Nora Kaminski, eine Medizinerin, die auf der Insel Rügen einen Neustart probiert - und dabei auf reichlich Probleme stößt. Wedhorn selbst weiß, was ein echter Schnitt im Leben bedeutet. Ein Gespräch mit der gebürtigen Wittenerin über ihren einstigen Wunsch, Grundschullehrerin zu werden, über Beziehungshilfen, Kinder und andere Glücksgaranten.

teleschau: Frau Wedhorn, nennen Sie doch mal drei Dinge, die Sie momentan glücklich machen?

Tanja Wedhorn: Meine Familie, Theaterspielen und Tanzen.

teleschau: Bräuchten Sie noch etwas Weiteres, um Ihr Glück komplett zu machen?

Wedhorn: Nein, eigentlich nicht. Es ist alles schön, wie es ist. In meinem Leben ist gerade alles sehr geordnet.

teleschau: Wie sieht denn Ihr Alltag derzeit aus?

Wedhorn: Es herrscht gerade ein herrliches Ausnahmegefühl. Ich bin seit Kurzem auf Theatertournee, reise von Stadt zu Stadt, und alles, was ich können muss, ist abends für zwei Stunden Theater spielen. Ich genieße also gerade die Arbeit und das Leben.

teleschau: Wobei Sie in dieser Zeit von Ihrem Glücklichmacher Nummer eins entfernt sind: der Familie.

Wedhorn: Ja, aber die ist ja nicht weg. Mein Mann und meine Kinder haben auch alle ein Leben, dem sie nachgehen.

teleschau: Können Sie denn loslassen? Oder müssen Sie dreimal am Tag zu Hause anrufen?

Wedhorn: Nein, nullmal. Die wollen gar nicht mit mir reden (lacht). Die sind viel zu beschäftigt und - Gott sei Dank - auch alle sehr unabhängig.

teleschau: Klingt nach einem starken Kontrast zum Leben von Nora, die Sie in "Praxis mit Meerblick" spielen. Sie wagt ohne Geld und Partner auf Rügen ein komplett neues Leben - und stößt dabei erstmal auf Ablehnung der Insulaner. Der letzte Neuanfang in Ihrem Leben ist sicher lange her ...

Wedhorn: Ja. Das war, als ich aus Witten wegging, um in Berlin ein Schauspielstudium zu beginnen. Das war in meinem Leben bisher der krasseste Schnitt, er ging einher mit der Entscheidung, die Schauspielerei auch zu meinem Beruf zu machen. Mein Vorteil war, dass ich dabei mit offenen Armen empfangen wurde, wohingegen Nora das Problem hat, dass ihr ein unfassbar schlechter Ruf vorauseilt. Die Leute auf der Insel sehen sie als blöden Wessi, der offensichtlich nichts kann und dem man besser die Tür vor der Nase zuknallt.

teleschau: Sie hingegen haben selbst eine Tür zugemacht, nämlich die zu Ihrem Lehramtsstudium. Das haben Sie für Berlin abgebrochen.

Wedhorn: Ja, wobei ich mich, glaube ich, auch als Grundschullehrerin wohlgefühlt hätte. Mir hat ja niemand in das Studium reingeredet. Es war nur so, dass mein Herz schon immer am Theater hing. Ich war nur eine Zeitlang zu feige, das auch zu zeigen und den richtigen Schritt zu machen. Das war damals anders als bei Noras Sohn, der ja sein Jurastudium abbricht, das er einst nur für seinen Papi angefangen hat.

teleschau: War es denn vor allem die Lust auf Sicherheit, weshalb Sie zunächst Lehrerin werden wollten?

Wedhorn: Es war vor allem die Lust darauf, Kinder zu unterrichten.

teleschau: Trauern Sie dem nach?

Wedhorn: Nein, überhaupt nicht. Ich bin unglaublich glücklich mit dem, was ich habe. Die Schauspielerei ist ein fantastischer Beruf. Wenn man zu tun hat.

teleschau: Zudem habe Sie ja seit den Schultagen eine echte Konstante in Ihrem Leben: Ihren Partner.

Wedhorn: Stimmt, der ist seit 25 Jahren wirklich eine Konstante.

teleschau: Ein Beziehungsgeheimnis hätten Sie allerdings nicht, haben Sie einmal gesagt.

Wedhorn: Nein. Ich glaube, wir hatten einfach Glück, dass wir uns getroffen haben und von unseren Grundeinstellungen sehr ähnlich ticken. Es passt einfach sehr viel bei uns. Wir können uns lassen, wie wir eben sind, und meckern nicht aneinander herum. Wenn man sich der Liebe wegen verstellt, wird das nichts auf Dauer

teleschau: Welche Herausforderungen gibt es dennoch?

Wedhorn: Alltag, Kinder, Jobs - das sind die Zerreißproben. Man muss dann als Team zusammenarbeiten. Wir machen das mit sehr viel Gelassenheit, Großzügigkeit und Humor.

teleschau: Und Ihre Kinder bedeuten aktuell mehr Glück oder mehr Anstrengungen?

Wedhorn: Nur Glück. Auch weil es absolut nicht schwierig ist mit den beiden.

teleschau: Ihr ältester Sohn ist zehn. Schon Angst vor der Pubertät?

Wedhorn: Nee, noch nicht. Das würde das Ganze auch nur unnötig in die Länge ziehen (lacht).

teleschau: Sie nannten eben die Beziehungsruhepole Gelassenheit, Großzügigkeit und Humor. Humor hat Nora auch, zudem hilft ihr eine gewisse Bodenständigkeit beim Neustart weiter. Würden Sie sich die auch attestieren? Sind Sie zum Beispiel sehr genügsam?

Wedhorn: Nein. Ich weiß für mich persönlich, was ich zum Glücklichsein brauche - und was nicht. Und das weiß Nora genauso wie ich.

teleschau: Was brauchen Sie nicht?

Wedhorn: Teure Autos oder gleich mehrere davon. Ich habe auch keinen Drang, noch dieses oder jenes irgendwann zu besitzen.

teleschau: Sie verzichten also auf klischeehaften Luxus. Was ist denn für Sie Luxus?

Wedhorn: Zeit ist Luxus. Zeit mit der Familie und gemeinsame Reisen.

teleschau: Und wenn Sie genau jetzt Zeit mit der Familie hätten: Was würden Sie am liebsten machen?

Wedhorn: Ich wäre jetzt wahnsinnig gerne mit allen auf einem zugefrorenen See und würde eislaufen. Das fände ich cool!

Quelle: teleschau - der mediendienst