Im Zweifel glücklich

Im Zweifel glücklich





Grundlos unglücklich

Im Zweifeln ist Ben Stiller gut. Seine Rollen sprechen Bände. Der New Yorker mit dem komödiantischen Talent hatte beispielsweise in "Das erstaunliche Leben des Walter Mitty" (2013) und im Jahr darauf bei "Gefühlt Mitte Zwanzig" das Gefühl, dass das Leben an ihm vorbeizieht. Auch an dieser Stelle, als Familienvater im beschaulichen Sacramento, nagt es an ihm: War das wirklich alles? War alles gut so? Ben Stiller zweifelt. Austin Abrams inszenierte "Im Zweifel glücklich", der nun in die Kinos kommt.

Immerhin, Brad (Stiller) liebt seine Frau Melanie (Jenna Fischer), und sein Sohn Troy (Austin Abrams) ist gut geraten. Weil die Dame des Hauses beruflich eingespannt ist, opfert der liberale Vater seine Zeit, um mit Troy Colleges an der Ostküste zu begutachten. Auf diese Weise wird er mit seiner Studienzeit konfrontiert und beginnt, sich mit den Freunden von damals zu vergleichen. Die haben es zu etwas gebracht, landeten in Hollywood oder in der Politik, sind Banker, Genies oder Aussteiger. Und da laufen sie ab, die vergilbten Klischees, in filmisches Butterbrotpapier gewickelt. Knallbunte, überzogene Bilder von Männern im Paradies mit mehr als einer Frau, am Swimmingpool mit adretten Schwulen in engen Shorts oder in Geld, alternativ dem Ozean schwimmend - alles, alles besser als Brads Alltag, keine Frage.

Brad pendelt sich kaum über Normalnull ein, will aber wenigstens jetzt über sich hinauswachsen und seinem Sohn helfen, indem er seine alten Beziehungen spielen lässt. Dazu muss er den damaligen Freund, der mittlerweile so einflussreich an Universitäten ist, treffen. Und zur völligen Überraschung stellen wir fest, dass nicht alles Gold ist, was glänzt.

An Tagen wie diesen hat man das Gefühl, die USA sind ein Entwicklungsland. Serviert Regisseur Mike White dem Publikum 2018 tatsächlich diese dröge Story, bei der man sich bereits in den ersten Minuten fragt "Was zum Teufel ist eigentlich dein Problem?". Wenn der Zuschauer mit dieser Frage beschäftigt ist, ist das kein gutes Zeichen. Es wird auch nicht besser, wenn sich der Protagonist hier und da ebenso diese Frage stellt. Die Figur von Ben Stiller ist angelegt, als gehöre sie zu einem dieser Frauenfilme voller Unentschlossenheit und grundlosem "Ich weiß nicht", "Alles doof", "Hach, den anderen geht es viel besser, schaut mich nur an" und ähnlich unwichtigem Kleinkram. Da läuft Ben Stillers trauriger Blick ins Leere.

Freilich wartet der Zuschauer auf eine Pointe, was könnte nicht stimmen mit der Non Profit Organisation, die Brad ins Leben gerufen hat, was treibt seine Frau, während er weg ist und wann packt der Sohn die Crackpfeife aus? Doch nichts passiert, alles in bester Ordnung, der nette (und hochtalentierte) Troy hat gar Verständnis für die Sorgen und Nöte des Papas, tauscht die Rollen und berät seinen alten Herren in Sachen Gelassenheit, obwohl es bei ihm gerade um Harvard oder nicht Harvard geht. Ach, ist das alles schön.

Aber wozu der Film. Es fühlt sich an, als sollte er eine ganz andere Geschichte erzählen, denn egal, wo Brad bohrt, er stößt auf inhaltliche Leere. So ist der Hedgefonds-Manager (Luke Wilson) gar nicht so glücklich wie erwartet und vielleicht hat der Hawaii-Bewohner Billy (Jemaine Clement) auch gewaltig einen an der Waffel. Vom Charakter des sich an Hochschulen tummelnden Bestsellerautors (Michael Sheen) kann er sich gleich vor Ort ein Bild machen und bereut dieses Treffen schon bald.

"Walter Mitty" hatte allen Grund, aus seinem blassen Leben auszusteigen, Brad hier veranstaltet in erster Linie Kopfkino, das mit schwammigen Drehbuchideen die ehemaligen Studienfreunde mit oberflächlichem Neid bedenkt - dabei ist das ein weites Feld, filmisch gut zu beackern. Doch Mike Whites zweiter Film stützt sich auf die Gedanken des Hauptdarstellers und da diese konfus sind, kommt auch die Geschichte nicht von der Stelle.

Quelle: teleschau - der mediendienst