Waldemar Hartmann

Waldemar Hartmann





"Also, in Island gibt es kein Weizenbier"

Er wurde schon "Deutschlands berühmtester Schnauzbart" genannt, war als "Duz-Maschine" verschrien und avancierte als "Weißbier-Waldi" zum Werbeträger und zur bis heute ganz zünftig klingenden Marke: Waldemar Hartmann war in seiner aktiven Zeit immer viel mehr als nur ein vielbeschäftigter Sportreporter - was natürlich auch, aber beileibe nicht nur, mit einem legendären Ausraster eines gewissen Rudi Völler zu tun hat. Waldi ist und bleibt eine Legende, mindestens so wie sein alter TV-Spezl "Rubi", Gerd Rubenbauer, der am 20. Mai sein 70. Lebensjahr vollendet. Hartmann ist früher dran. Er macht am Samstag, 10. März, die 70 voll - und wird mit seiner Frau Petra (47) vermutlich nicht mit Weißbier anstoßen. Denn Hartmann, der sich vor der TV-Karriere in Augsburg als Kneipenwirt und DJ verdingt hatte, ist gar kein Weißbiertrinker. Er hat's eher mit Wodka - in dieser Sache ist der sympathische Bayer bis heute nicht müde geworden, zu insistieren.

Trotzdem ist es seit jenem 6. September 2003 nicht mehr zu ändern: Fußball, Fernsehen und Weißbier, also das, was für viele Fans seit jeher eine heilige Dreifaltigkeit bildet, ist für alle Zeiten mit dem Namen des Sportmoderators Waldemar Hartmann verbunden. Die Geschichte dahinter sorgt bei allen, die damals live vor dem Fernseher saßen, noch heute für jenes ganz besondere Kribbeln, wie es nur Zeitzeugen im Angesicht des Unfassbaren ereilt.

Unmittelbar nach einem überaus drögen 0:0 im EM-Qualifikationsspiel der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft auf Island wurde im Ersten Deutschen Fernsehen TV-Geschichte geschrieben, als der damalige Teamchef Rudi Völler im ARD-Studio bei Hartmann ausbrach wie einer dieser isländischen Vulkane mit unaussprechlichen Namen. Völler schäumte sich zunächst zu einer Tirade auf das damalige Kommentatorengespann Gerhard Delling und Günter Netzer hoch, um dann gegen alles und jeden in der Fußballjournaille zu wettern - und auch Hartmann sollte nicht ungeschoren davonkommen.

Als der Moderator auf seine schon damals berühmt-berüchtigte jovial-bajuwarische Art zu beschwichtigen versuchte, raunte Völler ihn an: "Du sitzt hier locker bequem auf deinem Stuhl, hast drei Weizenbier getrunken und bist schön locker." Und, patsch, von diesem Moment an pappte es an Waldi: das "Weißbier"-Etikett. Da half es auch nichts mehr, dass er, ganz Profi, sogleich zum coolen Konter ansetzte. "Also, in Island gibt es kein Weizenbier. Ich bin auch kein Weizenbier-Trinker", hob Hartmann entrüstet an ... Man saß damals, fünf Jahren nach Trappatonis "Flasche leer"-Tirade, vorm Fernseher und konnte es kaum glauben. Obwohl, in einem war sich jeder, der es miterlebt hat, ganz sicher: Das war kein tieferer Tiefpunkt, sondern ein echter Höhepunkt der deutschen Fernsehunterhaltung. Immer wieder gern genommen - auch weil sich Hartmann und Völler, wie übrigens auch Delling und Völler, längst wieder bestens vertragen. Alles gut.

Auch mit Harald Schmidt verbindet dem ehemaligen BR-Sportchef bis heute eine Freundschaft. Die beiden moderierten erstmals bei den Olympischen Winterspiele 2006 in Turin gemeinsam die Late Night-Show "Olympia mit Waldi & Harry", eine Zusammenarbeit, die während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 eine Neuauflage mit Waldis WM-Club fand und sich bei den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking fortsetzte. Man habe sich blind verstanden, gibt der gebürtige Nürnberger heute über den schwäbischen Kollegen zu Protokoll.

Natürlich ließen sich unendlich viele Meriten aufzählen - wo war der sachverständige Moderator nicht überall dabei, in den 80er-, 90er- und "Nullerjahren". Aber dass man ihm solche Unterhaltungsformate zutraute - auch "Waldis Club" ist unvergessen -, sagt vielleicht am meisten aus über den besonderen Stil und Charakter des Ur-Bayern. Und überhaupt: Wen sie mit einem "i" am Ende des Spitznamens adeln, den mögen die Menschen. Das steht genauso außer Frage, wie die Tatsache, dass Waldi Hartmann bei den Kritikern nie hoch im Kurs stand. "Ich bin vom Feuilleton jahrelang verprügelt worden. Außer damals bei Völlers Weißbierwutrede, da war's plötzlich eine Sternstunde, obwohl ich nur meinen Job machte", sagte er in einem Interview. Er ist einer dieser Typen, denen man so was abnimmt: "Ich spielte nie eine Rolle und veränderte nie meinen Stil. So etwas führt zwar zu einer hohen Ablehnungsquote. Aber ich sagte mir immer: Wenn jemand mit dem kleinen Dicken aus Bayern nix anfangen kann - da gibt's einen Knopf auf der Fernbedienung!"

Er war immer ein Freund der klaren Worte. Nur einmal, es ist noch nicht sehr lange her, war Hartmann dann doch ein bisschen kleinlauter. Was mit einem Blackout des ehemaligen ARD-Sportmoderators bei Günther Jauch zu tun hatte: Als Telefonjoker bei einem Promi-Special im Jahr 2013 sollte er folgende Frage beantworten: "Welche Fußballnation konnte bei den bisherigen 19 Weltmeisterschaften nie den Titel im eigenen Land gewinnen?" A: Brasilien, B: Deutschland, C: Argentinien, D: Frankreich. Er legte sich auf Antwort B fest. Irritierte Blicke überall: München 1974 - war da was? Der "Bild"-Zeitung war das die Schlagzeile "Größte TV-Blamage aller Zeiten" wert. In späteren Ausgaben rehabilitierte sich Waldi durch fundiertes Sportwissen wieder. Als ob es daran je wirklich einen Zweifel hätte geben können.

Auf seiner Homepage gibt Waldemar Hartmann, der am Dienstag, 13. März, bei Markus Lanz im ZDF zu Gast ist, mit charmantem Augenzwinkern Auskunft über seine aktuellen Pläne: "Seit ich im November 2015 nach Berlin gezogen bin, hat mein eher als ruhigeres Rentnerleben geplantes Dasein in der Hauptstadt plötzlich richtig Fahrt aufgenommen", lässt er wissen. "Alte Kontakte wurden neu belebt, zahlreiche andere erst neu geknüpft. Nicht nur im für mich ja so gewohnten Umfeld des Sports, vielmehr jetzt mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft oder Unterhaltungsbranche. Fußball verbindet eben alle. Und wenn man im letzten Drittel des Lebens angekommen ist, hat man natürlich auch reichlich Erfahrung sammeln können. Die kann man nicht in einem 'Crashkurs' lernen, Erfahrung muss man erfahren. Die weiterzugeben ist ein Teil meines aufregenden Lebens geworden." Diese Internetseite sei "nur ein erster Schritt". Alles Gute - Prost, Waldi!

Quelle: teleschau - der mediendienst