Thor 3: Tag der Entscheidung

Thor 3: Tag der Entscheidung





Eine Lachnummer von Untergang

Auch wenn Odins Palast in Asgard in erhabenem Gold leuchtet, der Glanz in der Götterwelt hatte immer etwas Schummriges in Marvels Kinouniversum. Düster war es in Kenneth Branaghs erstem "Thor"-Film (2011), der Nachfolger "Thor - The Dark Kingdom" (2013, Regie: Alan Taylor) trug die Finsternis im Titel. Nun schwingt Odins Sohn also zum dritten Mal den Hammer: "Thor - Tag der Entscheidung" heißt er in Deutschland, was ein wenig unglücklich ist. Das Original firmiert unter "Thor: Ragnarok": Ragnarök ist die Götterdämmerung der nordischen Mythologie. Es geht also ans Eingemachte. Und dann das: keine Spur von Dunkelheit. Der Film, den der Neuseeländer Taika Waititi inszenierte, ist knallbunt, überall lauert eine Pointe. Kann das gut gehen?

Es ist schon auffällig, dass Marvel seine Superhelden neuerdings alle in den Quatsch Comedy Club schickt. Das mag bei "Guardians Of The Galaxy" und "Deadpool" der passende Modus Operandi sein. Aber dass Thor (Chris Hemsworth) zum Komiker wird? Der mächtige Beschützer der neun Welten? Der immer etwas steife Donnergott mit den unbeschreiblichen Muskelbergen und den langen Haaren? Das ist doch ein ernsthafter Kerl und so herrlich altmodisch.

Okay, die Sache mit den langen Haaren hat sich im Film recht schnell erledigt, Thor kriegt eine moderne Frisur verpasst. Unfreiwillig, der neue Haarschnitt hat also nichts damit zu tun, dass er sich mit der Wissenschaftlerin Jane Foster auseinandergelebt hat. Das Ende der Liebe liegt vor allem daran, dass Schauspielerin Natalie Portman dem Vernehmen nach keine Lust mehr hatte, eine Frau zu spielen, die immer wieder gerettet werden muss.

Thor bleibt freilich nicht lange allein. Auf dem Müllplaneten Sakaar findet er eine neue Liebe: Die letzte Walküre (Tessa Thompson) braucht nun wirklich keinen Beschützer. Immerhin bändigt sie einen alten Bekannten Thors: Der wird in der quietschigen Welt vom Grandmaster (Jeff Goldblum) als Gladiator zwangsverpflichtet. Sein Gegner: der unglaubliche Hulk (Mark Ruffalo), den es vor einigen Jahren und nach den Ereignissen von "The Avengers: Age Of Ultron" an den Rand des Universums verschlagen hatte.

Dass Thor und Hulk eine Wiedersehensparty feiern können, verdanken sie Hela (Cate Blanchett). Thors große Schwester, übrigens die erste weibliche Oberschurkin in einem Marvel-Film, hat sich aus der Verbannung befreit und will an alte blutrünstige Glanzzeiten anknüpfen: Die Göttin der Toten hatte einst mit ihrem Vater Odin (Anthony Hopkins) die neun Welten erobert, bevor sich Papa entschloss, ein gutmütiger Allvater zu werden.

Nun plant die rachsüchtige Hela den Untergang aller Welten und knöpft sich erst mal Asgard vor. Das ist nicht besonders schwierig, weil Loki (Tom Hiddleston) seinen Tod im Vorgängerfilm nur vorgetäuscht hatte, Odin (Anthony Hopkins) in ein New Yorker Altersheim abschob und als neuer Herrscher dem Lotterleben frönt.

Wenn man's genau nimmt, wimmelt es in "Thor: Tag der Entscheidung" nur so vor gestrandeten, gebrochenen, enttäuschten Gestalten. Ihr emotionales Potenzial aber wird geflissentlich ignoriert: zugunsten des nächsten Einzeilers. Es ist ziemlich ernüchternd, dass im Marvel-Universum auch so etwas wie eine kreative Götterdämmerung einsetzt. Es wird immer witziger, immer lauter, immer actionreicher. Der Overkill an Pointen und Action jedoch kann fehlende Ideen, fehlenden Mut nicht verbergen.

So geht es also mit Höchstgeschwindigkeit von Gag zu Gag. Das ist ziemlich einfältig, dennoch unterhaltsam. Zwei Stunden vergehen im Fluge, wenn man sich zurücklehnt, alle zwei Minuten auf die Schenkel klopft und "Thor: Tag der Entscheidung" als das genießt, was der Film ist: ein Comictrip, der düsteren Zeiten mit kunterbuntem Hedonismus begegnet. Das muss auch mal erlaubt sein. Auch wenn am Ende nichts nachhallt.

Quelle: teleschau - der mediendienst