Killer's Bodyguard

Killer's Bodyguard





Rasanz, kaputter Charme und dreckige Lache

Eine Art Hillbilly-Musik ertönt aus dem Off, während Leibwächter Michael Bryce (Ryan Reynolds) in Amsterdam in ein Schnellrestaurant der gemütlichen Art rennt, mit einer Parade Muskelprotze auf seinen Fersen. In der Küche angekommen, teilt er kräftig mit Pfannen und Schöpfkellen aus. Als es eng für ihn wird, springt er durchs zersplitternde Fenster, läuft über den Hof, durch eine andere Tür, findet sich in einer Eisenwarenhandlung wieder, haut seinem Verfolger eine Axt in die Brust - und muss verdutzt feststellen, dass er nur noch den hölzernen Stiel in der Hand hält. So geht es noch eine Weile weiter, ehe die Entscheidung fällt, wer die Oberhand behält, und dagegen ist nichts einzuwenden. Denn "Killer's Bodyguard" schafft es zwar nicht in die Top Ten der besten Actionfilme aller Zeiten, aber Schwung und Sinn für haarsträubende Verkettungen sind nicht abzusprechen. Ebenso wenig Schauspielkönnen.

Und es gibt eine Handlung, die durchaus ernsthafte Aspekte hat. Vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag steht der diktatorische Massenmörder Vladislav Dukhovich (Gary Oldman) vor Gericht. Aber bis auf einen Dissidenten gibt es - dafür hat der Angeklagte gesorgt - keine Zeugen mehr und noch weniger Beweise. Die Politik verfällt auf die Idee, den inhaftierten Auftragskiller Darius Kincaid (Samuel L. Jackson), der gut 250 Morde auf dem Konto hat, gegen Dukhovich aussagen zu lassen. Der ist dazu bereit - wenn im Gegenzug seine Frau Sonja (Salma Hayek) aus dem Knast kommt.

Kincaids Transport von Manchester nach Den Haag gestaltet sich jedoch schwierig. Weil es bei Interpol einen Maulwurf gibt, gerät die mit Kincaids Überstellung beauftragte Interpol-Agentin Amelia Roussel (Elodie Yung) in einen Hinterhalt. Nur mit Mühe kann sie sich mit dem wertvollen Zeugen in eine sichere Wohnung retten. Sie sucht Hilfe bei ihrem Exfreund Michael Bryce, einem in Ungnade gefallenen Leibwächter. Der will seinen ursprünglichen Superstatus wiedererlangen und sagt zu. Dass er ausgerechnet seinen alten Gegner Kincaid schützen soll, passt ihm jedoch gar nicht.

Das ironische Superhelden-Spektakel "Deadpool", das er weitgehend nach eigenen Vorstellungen hat gestalten dürfen, mag für Ryan Reynolds eine Wasserscheide in seiner Karriere gewesen sein. Der eigentlich eher soft und gutaussehend daherkommende Hollywood-Star hat seine Liebe zum bizarren und burlesken Knochenbruch, zur Übertreibung und zur derben Narretei entdeckt, und das mit großem Erfolg. "Killer's Bodyguard" schließt daran an, wenngleich weniger avantgardistisch als "Deadpool". Eine bisweilen verstörende Nähe zur Realität federn die zwei "Buddys" in den Hauptrollen aber gut ab.

Wie schon eingangs gesagt: "Killer's Bodyguard" ist rasant, insbesondere in den Grachten von Amsterdam, mit Kincaid am Steuer eines Motorboots, das jede Ausflugsseligkeit gnadenlos zerpflügt, und mit Bryce auf dem Motorrad, der Panzerfaustschützen in den Arm fällt. Aber das Salz in der Suppe ist die eigentümlich hektische Beweglichkeit und der kaputte Charme des neurotisch-zerknirschten Bryce, dessen Zähne nach einem missratenen Telefonat mit der Ex an der Unterlippenunterkante herum nagen, sowie die Lässigkeit und dreckige Lache von Kincaid. Nach wie vor sind es originelle und geradezu liebevoll gespielte Typen, die in Filmen über kleine handwerkliche Mängel und tonale Irritationen hinweg tragen können.

Quelle: teleschau - der mediendienst