Small Town Killers

Small Town Killers





Zu schnell unterwegs

Dänische Filme sind meist etwas Besonderes. Seit rund 20 Jahren ist die Trefferquote hoch, man kann fast blind einen der skandinavischen Filme auswählen und stieß überdurchschnittlich oft auf ein Kleinod. Komödien der besonderen Art ("Adams Äpfel"), spannende Familiengeschichten ("In einer besseren Welt") und Gangsterfilme jedweden Kalibers ("Old Men In New Cars") untermauern den guten Ruf. Neben Größen wie Thomas Vinterberg, Susanne Bier und Lars von Trier etablieren sich neue Namen. Ole Bornedal hat zahlreiche Kino- und TV-Filme gedreht und war auch schon im Ausland aktiv. Zeit, nachzuspüren, ob er es mit der Rückkehr in die Heimat und der Geschlechter/Killer-Komödie "Small Town Killers" schafft, sich nach einem lange zurück liegenden Erfolg neu zu etablieren.

Es sollte gemütlich zugehen in einem Dorf wie Nibe. Doch da kann man sich täuschen. Warum das Leben und Treiben in der schwarzen Komödie "Small Town Killers" sehr hektisch ist, soll später erklärt werden. Zunächst zum Wesentlichen - dem ewigen Krieg zwischen Frauen und Männern, dem auch Ole Bornedal ein Kapitel hinzufügen möchte und das beginnt so: Wenn der Mann immer nur an Sex denkt, kann das auch Kompliment sein. Dann nämlich, wenn es sich um den Ehemann handelt, der hingerissen ist von seiner Ehefrau. So ist das beim dicken Ib (Nicolas Bro) und der schönen Gritt (Mia Lyhne), und auch Edward (Ulrich Thomsen) findet seine Angetraute Ingrid (Lene Maria Christensen) noch immer zum Anbeißen. So gesehen ist in den Ehen alles in Ordnung, wenn nur die Damen sich nicht so schrecklich bedrängt fühlen würden. Sie sind von der Leidenschaft ihrer Gatten genervt.

Kommt Zeit, kommt Wut. Als sich selbst der Dorfpolizist über sie lustig macht, beschließen die angetrunkenen Dänen ihre Scheidung. Von diesem Plan kommen sie schnell ab, als sie die Nebenkosten bemerken. Beim nächsten Suff entsteht die Idee, einen Killer zu engagieren, was Edward gleich mal ins Internet eintippt. Vom liebenden zum enttäuschten Ehemann über den scheidungswilligen Sturkopf bis zur Abholung des Killers am Flughafen vergehen keine 30 Minuten. Heißt: Dieser Film hat viel zu erzählen und kaum Zeit, für seine Motive und um in die Tiefe zu gehen.

Dass es in diesem Tempo weitergeht, dass nie in aller dänischer Gemütlichkeit ein Handlungsstrang durcherzählt wird, schadet der Komödie zunehmend. Denn die Gags sind wirklich abgehangen: Die Ehefrauen sitzen mit dem russischen Profikiller am Küchentisch. Sie halten ihn für einen polnischen Arbeiter ihrer Handwerker-Männer, er denkt, er befände sich - warum auch immer - an der Rezeption seines Hotels und vertreibt sich die Zeit mit ein paar Freundlichkeiten an die anwesenden Damen, denen er, ganz professionell, auch gleich seinen Auftrag verrät. Nun im Bilde, wählen die Frauen die Flucht und lassen sich gerne wegen Trunkenheit am Steuer festnehmen.

Anfangs hilft der Charme der beiden Hauptdarsteller noch über das mangelhafte Drehbuch hinweg. Doch die Idee, zum Gegenschlag auszuholen, muss der Regisseur von seinem Ausflug nach Hollywood mitgebracht haben. Wenn er dann zwei solch grob gerasterte Klischee-Psychos (Marcin Dorocinski und Gwen Taylor) auf die Paare loslässt, können auch ein durchtrainierter Schauspieler wie Ulrich Thomsen ("Adams Äpfel") und der vielbeschäftigte Nicolas Bro ("Dänische Delikatessen") nicht mehr viel zur Kurzweil beitragen. Da helfen auch keine putzigen Wollmützen oder verschrobene Gedankenspiele mehr weiter.

Macht man den gleichen Fehler zweimal, kopiert die ohnehin weit hergeholte Killeridee, um weiter durch seinen eigenen Film zu jagen und braucht dazu etliche seltsame Wendungen, tut man dem Zuschauer, der lieber etwas kaut, statt Einheitsbrei zu schlucken, keinen Gefallen. So würde der Killer von seinem Auftrag absehen, wenn er einen Beweis hätte, dass die Ehen wieder intakt sind. Muss man erwähnen, dass in der Folge Thomsen und Bro in Frauenkleidern durch die Szenerie stöckeln?

Schade ist, dass die Konstellation zum Schluss durchaus Potenzial hätte. Doch entweder war Bornedal so im Schwung, dass er es nicht bemerkte, oder er hatte - Ironie des Schicksals - keine Zeit mehr, den Figuren endlich etwas Raum zu geben. Das ist umso verwunderlicher, wenn man weiß, dass der 58-Jährige der Macher des Meisterwerks "Nightwatch" ist, dem dänischen Kultklassiker, den Hollywood neu verfilmte und dessen Drehbuch Maßstäbe setzte. Somit ist Bornedal sogar Vorreiter der Dänemark-Welle, denn das Original stammt aus dem Jahr 1994. Doch nach "Small Town Killers" ist man geneigt zu sagen: Dabei war Bornedal sogar Vorreiter der Dänemark-Welle.

Quelle: teleschau - der mediendienst