Rudolf Krause

Rudolf Krause





Der Tiefenentspannte

Krimifans kennen Rudolf Krause. Vielleicht nicht seinen Namen, aber doch sein Gesicht. Seit 15 Jahren steht der Schauspieler zweimal jährlich an der Seite von Senta Berger vor der Kamera. In der ZDF-Reihe "Unter Verdacht" spielt er Hauptkommissar André Langner, den Sidekick der von Berger verkörperten Kriminalrätin Prohacek. Es ist eine auf den ersten Blick undankbare Rolle. Denn Langner wirkt immer ein wenig wie der gemobbte Außenseiter, den keiner leiden kann. Und dann steht Rudolf Krause, dieser durch und durch unscheinbar wirkende Schauspieler, auch noch im Schatten der großen Senta Berger. Wahrlich kein einfacher Job. Im Jahr 2002 ging die langlebige Reihe erstmals auf Sendung, bald ist Schluss. Senta Berger, mittlerweile 76, will nicht mehr. Keine guten Aussichten für einen wie Rudolf Krause, der sonst nur selten im Fernsehen zu sehen ist. Der 53-Jährige aber, das lässt er im Interview immer wieder durchblicken, nimmt das nahende Ende seiner Paraderolle ziemlich gelassen.

Wann die letzte Folge von "Unter Verdacht" gezeigt wird, ist noch nicht bekannt. Nach der Doppelfolge "Verlorene Sicherheit" (Samstag, 17. Juni, 20.15 Uhr) stehen noch mindestens drei weitere Filme der Reihe auf dem Programm. Dass das Ende bald kommt, ist allerdings klar. Schon länger hatte Senta Berger ihren Ausstieg verkündet und damit auch das Ende von "Unter Verdacht".

Für Rudolf Krause bedeutet das einen tiefen Einschnitt - sollte man meinen. "Jede Arbeit hat einmal ein Ende", sagt er und klingt dabei, als würde er sich nicht von einer langjährigen Rolle trennen, sondern von einer abgetragenen Lieblingsjeans. "Uns war klar, dass die Reihe nicht unendlich weitergehen würde." Finanziell werde er das Ende der Langzeitengagements schon spüren, "ich drehe ja nicht jeden Tag große Kinofilme. Aber ich versuche, mir da keine großen Sorgen zu machen. Das Leben geht weiter." Er spiele dann eben mehr Theater, werde "Sprechersachen und Hörspiele" machen, das gehe schon. Von Panik keine Spur, und wie er da so ganz entspannt vom Ende seiner größten Rolle erzählt, die eigentlich auch seine einzige große Rolle bislang war, glaubt man ihm das durchaus.

Rudolf Krause, Jahrgang 1964, kam in Karlsruhe zur Welt und verbrachte seine Jugendjahre in Hannover. "Ich war so eine Art Klassenclown", erinnert er sich an seine Schulzeit. "Ich wollte Spaß haben und die Leute unterhalten." Irgendwann habe er dann gemerkt, dass man als Clown nicht immer gut ankommt. "Wenn man immer nur Späßchen macht, versteckt man sich vor etwas. Man kann auch mal verletzend sein." Mit diesem Sinneswandel fiel auch die Entscheidung zusammen, Schauspieler werden zu wollen. Krause studierte Schauspiel an der Hochschule der Künste in Berlin, jener Stadt, in der er auch heute noch lebt - "nicht liiert, aber auch nicht allein", wie er es ausdrückt.

Ursprünglich habe die Produktionsfirma von "Unter Verdacht" einen Münchner für die Rolle des André Langner vorgesehen, erzählt Krause. Als man aber keinen passenden Schauspieler fand, suchte man auch in Berlin - und stieß auf ihn. "Nachdem ich zum ersten Mal versucht hatte, Langner zu spielen, merkte ich dem Regisseur und der Casterin an: Jetzt ist etwas passiert", erinnert sich Krause an das Casting, zu dem er mit Thermoskanne und Wiener Würstchen als Requisiten erschien. "Was genau, konnte ich nicht sagen. Ich wusste nicht einmal, ob es gut war oder nicht." Es wird wohl gut gewesen sein, denn Krause bekam bekanntermaßen die Rolle. Zuvor aber musste er, der passionierte Fahrradfahrer, noch den Führerschein machen. "Bei den ersten Drehs, bei denen ich Auto fahren musste, bin ich oft abgesoffen", erzählt Krause. "Dann musste ich noch 'ne Runde drehen."

Fragt man Krause, was er vermissen wird, wenn er nicht mehr für "Unter Verdacht" vor der Kamera steht, nennt er seine Maskenbildnerin, schwärmt von der Qualität der Kameraarbeit und erzählt von der Nähe, die in den letzten Jahren zwischen ihm und seinen Kollegen Senta Berger und Gerd Anthoff entstanden sei. "Wir drei sind durch die vielen Jahre der gemeinsamen Arbeit recht vertraut miteinander und verstehen uns gut", sagt er. Seine Rolle, André Langner, erwähnt er nicht. Krause muss lange überlegen, ob er seinen Hauptkommissar vermissen wird. "Ich werde das Projekt als Ganzes vermissen. Von André Langner kann ich mich, glaube ich, schon ganz gut verabschieden. Ich habe ihn ja sehr lange gespielt", sagt er dann. Wahre Liebe sieht womöglich anders aus. "Er war für mich persönlich nicht immer nur eine angenehme Rolle", meint Krause. Ein Außenseiter sei Langner lange Zeit gewesen. "Man fragte sich, was er überhaupt bei der Polizei will."

Ein bisschen fragt man sich das auch bei Rudolf Krause selbst. Was will dieser unscheinbare, tiefenentspannte Typ eigentlich beim Fernsehen? Schauspielerei, das bedeutet doch Rampenlicht und roter Teppich. "Ich habe gar nicht das Bedürfnis, etwas Besonderes zu sein", sagt Krause dann auch wenig überraschend. "Ich bin in bestimmten Situationen eher ein scheuer Mensch." Ein Nachteil sei das aber nicht, er stehe gerne auf der Bühne. "Man muss bei sich sein, um etwas zu finden, das man dann mit dem Publikum teilt."

Ein bisschen scheint ihm die Rolle des André Langner in den letzten 15 Jahren aber doch ans Herz gewachsen zu sein. Fragt man Rudolf Krause nach seinem Lieblingsfilm aus mittlerweile 26 abgedrehten Folgen, nennt er "Türkische Früchtchen" aus dem Jahr 2013. Langner geriet in dem Film in Konflikt mit Jugendlichen. "Dabei wurde er körperlich, fast gewalttätig und ist richtig aus der Rolle gefallen", erklärt Krause und schiebt, durchaus überraschend, nach: "Ich fand es toll, dass meine Figur für eine Folge so einen Raum bekommen hat."

Quelle: teleschau - der mediendienst