Überflieger - Kleine Vögel, großes Geklapper

Überflieger - Kleine Vögel, großes Geklapper





Kleiner Spatz ganz groß

Nur ein Spatz zu sein, mit solchen Gedanken hält sich Richard gar nicht erst auf. Gleich nachdem er aus dem Ei schlüpfte, wurde der Held der europäischen Ko-Produktion "Überflieger - Kleine Vögel, großes Geklapper" von Störchen adoptiert und hält sich nun selbst für einen - nur eben etwas zu klein geraten. Die Probleme beginnen jedoch, als die Zugvögel im Herbst ihre Reise nach Afrika antreten und ihm nicht zutrauen, dass er es auch dorthin schaffen könnte. Richard sieht das anders und lässt nichts unversucht, seine Familie wieder einzuholen. Ein actionreiches Animationsabenteuer mit melancholischen Untertönen beginnt.

Emotional werden die kleinen Zuschauer vom deutschen Regisseur Toby Genkel und seinem deutsch-iranischen Co-Regisseur und Drehbuchautor Reza Memari anfangs ziemlich gefordert: Klammheimlich machen sich die Störche auf den Weg nach Afrika, während Richard noch schläft. Er wacht an einem dramatisch stürmischen Morgen allein auf und stürzt verzweifelt aus dem Nest. In der Nacht attackieren ihn dann Fledermäuse, bis er die zunächst gruselig wirkende Zwergeule Olga (gesprochen von Nicolette Krebitz) kennenlernt, die zu seiner Retterin und Freundin wird.

Damit ist der Film auch schon bei seinem eigentlichen Thema: Außenseitern und ihren Bemühungen, gesellschaftsfähig zu werden. Weil sie für eine Zwergeule zu groß geraten ist, hat nämlich auch Olga niemanden, von ihrem fiktiven Freund Oleg abgesehen. Später kommt noch Kiki dazu, ein oft laut kreischender, affektierter Wellensittich, der lange in einem Käfig in einer Bar lebte und davon träumt, Revuestar zu werden. Die drei müssen nun zu einem Team zusammenwachsen und erkennen dabei, was sie aneinander haben. Im Gegensatz zu vielen US-Produktionen trauen die Macher ihren Zuschauern zu, mit ambivalenten Figuren umgehen zu können. Beim feigen und weltfremden Kiki zum Beispiel dauert es ein bisschen, bis sich zeigt, dass er das Herz am rechten Fleck hat.

Als wichtige Ratgeber auf ihrer ebenso ereignisreichen wie humorvollen Reise kommen zudem die Online-Tauben ins Spiel. Sie sitzen auf Stromleitungen, sind somit angeschlossen ans Netz, dabei geben sie Geräusche von sich, die typisch für Computer und Smartphones sind. Und sie sind mit anderem auf den Stromleitungen sitzenden Federvieh in fernen Ländern verbunden und können so wichtige Reiseinfos an die drei Vögel auf ihrem Weg nach Afrika übermitteln.

Optisch begeistern die "Überflieger" vor allem mit den aufwendig gestalteten Landschaftsaufnahmen. Auch die Vögel überzeugen, selbst wenn nicht alle in puncto Gefieder gleichstark ausgearbeitet wurden. Den auf einem Bein schlafenden und mit seinem Schnäbelchen klappernden Richard werden die kleinen Zuschauer auf jeden Fall sehr süß finden. Die Mischung aus Actionszenen, Gags und Sprachwitz rund ums Thema Vogel stimmt ebenfalls, der Showdown am Ende sorgt noch mal für Spannung. Einen fahlen Beigeschmack hat lediglich, dass es so wirkt, als sei Richard es nur durch seinen heldenhaften Einsatz wert, wieder in die Familie aufgenommen zu werden. Das passt eigentlich nicht zum Grundtenor des Films, der als witziges Roadmovie doch gerade für die Außenseiter eine Lanze bricht.

Quelle: teleschau - der mediendienst