Ricky Whittle

Ricky Whittle





"Ich hatte jeden Tag Magie-Training"

Ex-Knacki Shadow, gespielt von Ricky Whittle, trifft in der Serie "American Gods" (ab Montag, 1. Mai) auf einen gewissen Mr. Wednesday (Ian McShane), der ihm einen Job anbietet. Hätte er gewusst, dass er in einen brutalen Krieg zwischen den Göttern hineingezogen wird, hätte Shadow wohl abgelehnt. Schauspieler Ricky Whittle (35) dagegen ist froh, diese fantastische Rolle angenommen zu haben, wie er beim Interviewtermin in London betont. Zusammen mit seinen Kollegen hofft der gebürtige Engländer, dass die Amazon-Produktion das nächste große Ding auf dem Serienmarkt wird. Wünschen würde man es dem charmanten Schauspieler auf jeden Fall.

teleschau: Shadow Moon ist ein großer Fan von Münztricks. Haben Sie als Vorbereitung auf die Rolle auch welche gelernt?

Ricky Whittle: Ja, habe ich. Ich hatte zwei Monate Zeit, um mich auf die Dreharbeiten vorzubereiten. Im Buch lässt Shadow die Münze ja immer über seine Fingerknöchel tanzen, das beruhigt ihn. Ich fand es wichtig, dass das in der Serie echt rüberkommt. Pro Tag hatte ich deshalb eine Stunde "Magie-Training" mit Jay Sankey und David Corn, zwei großartigen Zauberern aus L.A. und Toronto. Zusätzlich habe ich mir YouTube-Videos angesehen, um mich zu verbessern, und irgendwann hatte ich tatsächlich den Dreh raus. Dann ging ich ans Set und sah Ian McShane, wie er seine Fingerknöchel ohne Münze tanzen lässt. Ich habe ihn gefragt, was er da macht, und er meinte nur, die packen da später mit CGI eine Münze drauf. Ich antwortete ihm: "Was? Ich habe zwei Monate geübt, um das hinzukriegen, und die lassen dich die Münztricks mithilfe von Special-Effects machen?" Ich war so wütend (lacht).

teleschau: Aber mit Magiern zu arbeiten, ist mal etwas anderes ...

Whittle: Es war wirklich unglaublich cool, diese Dinge zu lernen. Später in der Serie sind wir in einem Casino, und ich darf meine Tricks noch mal auspacken. Aber ich rate niemandem, solche Sachen in der Realität in einem Casino zu machen. Die brechen dir wahrscheinlich die Finger, wenn sie dich dabei erwischen (lacht). Aber ja, es hat wirklich Spaß gemacht, und ich bin nun auf jeder Party der Lieblings-Onkel, weil ich Münzen hinter Ohren hervorzaubern kann.

teleschau: Was war das Schwierigste daran, Shadow zu verkörpern?

Whittle: Es war körperlich eine unglaubliche Herausforderung. Ich musste über 17 Kilogramm Gewicht zulegen. Dafür musste ich über vier Stunden pro Tag trainieren und über 4.000 Kalorien am Tag essen.

teleschau: Das klingt sehr anstrengend ...

Whittle: Das Schlimmste war tatsächlich das Essen. Man isst nicht mehr, weil man Hunger hat, sondern weil es an der Zeit ist. Man isst von dem Moment an, wo man aufsteht, bis zu dem Moment, wo man ins Bett geht. Auch wenn man satt ist, muss man essen. Ich habe irgendwann auch nichts mehr geschmeckt, weil ich die ganze Zeit das gleiche Zeug in mich reinstopfen musste. Abgesehen von den physischen Anstrengungen war es auch mental harte Arbeit. Wir haben immerhin sieben Monate gedreht, waren viel unterwegs.

teleschau: Die Serie heißt "American Gods". Aber geht es wirklich um Götter?

Whittle: Es geht im Kern um zwei Dinge. Einerseits handelt "American Gods" von Einwanderung. Die Serie erzählt, wie die Menschen nach Amerika kamen und ihre Kultur und Bräuche mitbrachten. Wie sich das Land ihretwegen veränderte. Dann geht es allerdings auch darum, dass manche der Götter vergessen wurden, beziehungsweise die Menschen jetzt an neue "Götter" wie Technologie, Medien, Ruhm und Geld glauben. Es ist ja wirklich so: Wenn die Menschen heutzutage ihr Smartphone verlieren, flippen sie aus. Ich denke, die Serie ist jetzt sogar aktueller als vor 15 Jahren, als das Buch herauskam.

teleschau: Woran glauben Sie denn so?

Whittle: Ich glaube an alles, bis es einen Beweis für das Gegenteil gibt. Es ist ignorant, zu denken, dass wir das intelligenteste Lebewesen im Universum sind. Ich glaube an Aliens, Götter, Geister, an alles einfach (lacht). Es gibt so viele Dinge, die wir nicht erklären können. Ich kann nichts Falsches daran sehen, die Magie einfach zu genießen, und sage. Bleibt für alles offen!

teleschau: Was ist für Sie die wichtigste Aussage der Serie?

Whittle: Die Serie beantwortet nicht unbedingt Fragen, sie macht Menschen einfach nur aufmerksam auf diverse Sachverhalte. Aber eine der wichtigsten Aussagen ist wohl: Wenn du einen Gott hast, macht das meinen Gott nicht weniger wichtig oder unwirklich. Was immer dir hilft, durch den Tag zu kommen, dir bei dem Kampf mit dem Leben eine Stütze ist, ist in Ordnung. Wer bin ich, jemand anderem das wegzunehmen, was ihm Kraft verleiht?

teleschau: Die erste Staffel "American Gods" umfasst gerade einmal ein Drittel des Buches. Kommt da also noch mehr?

Whittle: Ich hoffe es. Das Buch bietet uns noch so viele Möglichkeiten, die wir natürlich nutzen wollen. Neil Gaiman schreibt außerdem gerade ein Sequel zu "American Gods". Das kann also noch ewig weitergehen (lacht).

teleschau: Die Serie lebt vor allem von der Chemie zwischen Ihnen und Ian McShane als Mr. Wednesday ...

Whittle: Ian und ich kommen beide aus Manchester. Wir sind beide Fans von Manchester United - also sobald wir uns kennenlernten, haben wir begonnen, über Fußball zu reden (lacht). Später haben wir in seinem Trailer Tee getrunken und zusammen Fußball geschaut, wie echte Briten eben. Wir hatten wirklich eine großartige Zeit, waren von Anfang an ein gutes Team, und er hat mich zu einem besseren Schauspieler gemacht. Und ich glaube, das sieht man auch.

teleschau: Während der letzten Jahre war "Game of Thrones" in der Welt der Serien das Maß aller Dinge. Ist "American Gods" das nächste große Ding?

Whittle: Ja, Ich glaube schon. Es ist schon eine Ehre für uns, überhaupt im selben Atemzug mit einer großartigen Serie wie "Game of Thrones" genannt zu werden, aber wir haben die besten Voraussetzungen. Amazon Prime gibt es fast überall auf der Welt. Die Serie wird global zu sehen sein. Also ja, ich bin sehr gespannt darauf, was die Zuschauer davon halten, aber ich glaube an unseren Erfolg.

teleschau: Haben Sie nicht auch enormen Respekt? Das Buch hat schließlich eine große Fangemeinde ...

Whittle: Es ist großartig, weil man von vornherein Leute hat, die sich die Serie anschauen werden, weil sie gespannt auf die Umsetzung sind. Aber natürlich geht damit schon Druck von Seiten der Fans einher. Sie hatten jetzt 15 Jahre Zeit, sich die Geschichte auszumalen. Viele haben sich Shadow bestimmt ganz anders vorgestellt, als ich ihn spiele. Aber hey, Neil Gaiman war an der Produktion beteiligtm, und er war mit dem, was wir gemacht haben, einverstanden. Also denke ich, die Fans werden das auch sein. Es ist schließlich sein Werk.

Quelle: teleschau - der mediendienst