Fritz Wepper

Fritz Wepper





Der Unermüdliche

Fritz Wepper ist ein alter Schlawiner. Beim Interview-Termin in München hat der Schauspieler seinen Hund Aron dabei, und als dieser etwas aufdringlich wird, sagt Wepper nur: "Der Aron mag eben hübsche Damen." Ein solches Kompliment lässt der 75-Jährige an diesem Tag bestimmt nicht nur einmal fallen. Anlass für das Gespräch sind neue Folgen der ARD-Serie "Um Himmels Willen", über die zu sprechen der galante Herr nicht müde wird. Schon seit 2002 macht Wepper als Bürgermeister Wöller den Klosterschwestern von Kaltenthal das Leben schwer. Eine lange Zeit, doch der Schauspieler kennt sich aus mit langjährigen Engagements und findet: "Man kann sich einfach glücklich schätzen, dass man nach so vielen Jahren immer noch ein treues Publikum hat."

Auch als Kriminalassistent Harry Klein war der Münchner eine halbe Ewigkeit tätig: erst an der Seite von Erik Ode in Herbert Reineckers ZDF-Kultserie "Der Kommissar", danach als Partner von "Derrick" (Horst Tappert). So lange einer Sache verpflichtet zu sein, stört den Schauspieler offensichtlich nicht: "Ich weiß schon, es gibt Kollegen, denen sind solche Serien nicht künstlerisch genug, zu denen gehöre ich aber nicht. Mir macht das Spaß, mir macht mein Beruf Spaß, mir machen diese Rollen Spaß."

Wepper fing bereits früh mit der Schauspielerei an. Mit elf Jahren war er beim Bayerischen Rundfunk Teil diverser Kindersendungen. 1952 war er zum ersten Mal in einem Theaterstück zu sehen. Richtig bekannt wurde er 1959 im Antikriegsfilm "Die Brücke" von Bernhard Wicki. Angst einen "unsicheren" Beruf wie die Schauspielerei zu ergreifen, hatte Wepper nie. "Wenn man mit elf Jahren Theaterspielen darf und wenn man im Jahr 1951 am Abend mit 25 Mark nach Hause geht, fühlt man sich wie ein Millionär, da kauft man sich die erste lange Hose. Ich habe seit meiner Kindheit immer Geld verdient, und nicht wenig, deshalb stellte sich mir nie die Frage, ob ich mich 'traue', Schauspieler zu werden."

1972 wirkte Fritz Wepper neben Liza Minnelli unter der Regie von Bob Fosse in der oscarprämierten Musicalverfilmung "Cabaret" mit. Kurz, ganz kurz nur, winkte danach die ganz große Hollywood-Karriere. Daraus wurde bekanntlich nichts. "Es gab einmal das Angebot, nach Amerika zu gehen, das hat sich dann zerschlagen, aufgrund eines deutschen Produzenten. Ich bin zufrieden mit dem, was ich habe."

Es siegte der Pragmatismus, auch wenn es scheint, als ob der Schauspieler die verpasste Chance nie so ganz überwunden hat. Hierzulande aber lief es rund für Wepper: "Ich habe eigentlich alle Preise, die man so in Deutschland kriegen kann, gewonnen. Das ist keine Eitelkeit meinerseits, sondern etwas, das mich ungemein freut." Mit 75 gibt es wohl einfach keinen Platz mehr für falsche Bescheidenheit. Auch ansonsten ist Wepper der Heimat verbunden. "Heimat ist etwas Besonderes, das ist die Umgebung, die Mentalität, die Menschen um einen herum, Nachbarn, Freunde. Ich bin auch jedes Jahr in Amerika, finde die Amerikaner toll, war auf der ganzen Welt unterwegs, aber am liebsten bin ich eben zu Hause."

In der Heimat erholt sich der 75-Jährige seit Dezember von einer Herz-OP, in der dem Schauspieler eine neue Herzklappe eingesetzt wurde. Keine leichte Zeit, doch inzwischen gehe es ihm wieder sehr gut, betont er. So gut, dass das Jahr 2017 schon vollends verplant sei. Es steht unter anderem ein 90-Minüter auf Weppers Terminplan, und, wie kann es anders sein, ab Mai steht er bereits wieder für neue Folgen "Um Himmels Willen" vor der Kamera. Auf die Serie wird Wepper sogar von Politikern angesprochen, wie er im Gespräch beiläufig erwähnt: "Landräte und Bürgermeister kommen manchmal zu mir her und sagen: 'Herr Wepper, genau so wie sie das spielen, so ist das bei uns.' Ich meine, wir machen Unterhaltung, keine Dokumentarfilme, trotzdem sind das Geschichten, so empfinde ich das jedenfalls, die um die Ecke passieren könnten."

Aufhören? Das kommt für den Workaholic vorerst nicht infrage: "Was 2018 passiert, das weiß ich noch nicht. Ich plane einfach von Jahr zu Jahr." Am Ende des Gesprächs wird Fritz Wepper dann auch ganz Geschäftsmann. Auf die Frage, was denn in der neuen Staffel "Um Himmels Willen" passiert, antwortet er im perfekten Werbesprech: "Wir bemühen uns, die Zuschauer weiterhin bei Laune zu halten. Also: Dienstag, 20.15 Uhr, einschalten!" Danach setzt sich Wepper - kein bisschen müde - mit Hund Aron an seiner Seite in Position, bereit, die nächste Journalistin zu empfangen. Und auch dieses Mal wird Wepper seinen ganzen Charme einsetzen, als wäre er gerade einmal 30, und nicht 75 Jahre alt.

Quelle: teleschau - der mediendienst