Cornelia Gröschel

Cornelia Gröschel





"Für das Leichte bin ich eigentlich zu ernst"

"Honigfrauen" (Sonntag, 23.04., 30.04. und 07.05., 20.15 Uhr, ZDF) ist ein erstaunlich leichter "Coming of Age"-Dreiteiler über die Träume zweier DDR-Schwestern. Ort und Zeit der Handlung: der ungarische Balaton-See Mitte der 80-er, wo sich ost- und westdeutsche Urlaubsträume begegneten. Cornelia Gröschel, ehemaliger Kinderstar aus Dresden, spielt neben Sonja Gerhardt die Hauptrolle. Für die 29-Jährige ist der exponierte Part ein Schritt aus jener Mittelmäßigkeit, in der ihre Karriere zuletzt zu versanden drohte. Seit sie denken kann, hat die ehemalige "Heidi"-Darstellerin immer vor der Kamera gestanden. Trotz ihrer klassischen Ausbildung an einer renommierten Schauspielschule weiß Cornelia Gröschel jedoch erst seit kurzem, dass sie tatsächlich Schauspielerin sein will. Die Geschichte einer "entschlossenen" Zweiflerin.

teleschau: Sie sind 1987 geboren, da war die DDR schon fast Geschichte. Haben Sie trotzdem etwas von dem im Film beschriebenen Lebensgefühl in Ihrer DNA?

Cornelia Gröschel: Ich glaube schon. Allein durch meine Eltern, die ja klassische DDR-Kinder waren. Den Traum vom Reisen hatten die auch. Mein Vater sang im berühmten Dresdener Kreuzchor, er fuhr ohnehin durch die Welt. Meine Mutter jedoch nicht. Vielleicht hat sie mir deshalb schon früh immer wieder mitgegeben, dass ich ganz viel reisen soll.

teleschau: Sie haben bereits als Kind gedreht. Weil Sie aus einer Künstlerfamilie kommen?

Cornelia Gröschel: Ach, so künstlerisch waren wir gar nicht. Es gab zwei professionelle Sänger in den beiden Generationen vor mir. In Sachen Schauspielerei existierten keine Vorbilder. Meine Mutter hatte ich 1998 auf eine Anzeige in der Zeitung gestoßen - da war ich zehn. Sie suchten ein Mädchen meines Alters für die Serie "In aller Freundschaft". Die hatte damals gerade angefangen. Ich ging zum Casting, und es hat geklappt.

teleschau: Und danach kam eine Rolle nach der anderen?

Cornelia Gröschel: Gewissermaßen, ja. Ich hatte nie vor, Schauspielerin zu werden. Ich dachte, da kommt jetzt noch dieser eine Film - und das war's dann. Doch es ging immer weiter, bis ich mit 16 für ein Jahr weggegangen bin, als Austauschschülerin nach Südafrika. Als ich fürs letzte Schuljahr zurückkam, nahm ich Sprechunterricht. Aber nur, weil ich meinen Dialekt ablegen wollte und ich mir vorstellen konnte, einen Beruf zu machen, bei dem ich öffentlich sprechen muss.

teleschau: Nach dem Abi gingen Sie aber tatsächlich ganz klassisch an die Schauspielschule.

Cornelia Gröschel: Die Sprechlehrerin bereitete mich, so ganz nebenbei, auf die Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule vor. Ohne dass ich das explizit wollte. Also, dachte ich mir, wenn wir das jetzt schon geübt haben, probiere ich mal eine Runde Vorsprechen. Wenn es nicht klappt, dann mache ich endgültig was anderes. Gleich mein erstes Vorsprechen in Leipzig hat funktioniert, die wollten mich. Also sagte ich mir: Nun gehe ich da mal da hin.

teleschau: Hat es Ihnen an der Schauspielschule gefallen? Nach all den Filmen, die Sie schon im Kasten hatten ...

Cornelia Gröschel: Nein, anfangs gar nicht. An der Schauspielschule ist alles groß und extrovertiert. Das konnte ich nicht gut, so war ich auch damals nicht. Erst im dritten Studienjahr - da habe ich die Antigone gespielt - schaffte ich es, endlich mal groß und laut zu werden. Da fühlte ich mich plötzlich großartig. Nach der Aufführung dachte ich: "Krass, das warst du!" Damals habe beschlossen, wirklich Schauspielerin zu werden. Zu einem Zeitpunkt, als ich den Beruf im Prinzip schon 13 Jahre ausübte.

teleschau: Stehen Sie heute noch auf der Bühne?

Cornelia Gröschel: Ja, so zwei- bis dreimal pro Monat. Ich versuche, mir die meiste Zeit fürs Drehen aufzuheben - aber die Bühne ist auf gewisse Weise sehr wichtig für mich geworden. Ich war zwei Jahre fest am Theater in Karlsruhe. Da spiele ich immer noch ein Stück fest und eines als Gast. Die Bühne ist heute ein Lebenselixier für mich, es ist wie Auftanken.

Delegat: Für Kinderstars gibt es zwei Sollbruchstellen in der Karriere. Einmal, wenn sie zu Jugendlichen werden und dann noch einmal, wenn sie erwachsen sind. Gab es diese Brüche bei Ihnen?

Cornelia Gröschel: Künstlerisch schon, würde ich sagen. Als Kind drehte ich im Jahr 2000 "Heidi". Ein Jahr später war ich "Lilly unter den Linden", ein ganz tolles Ost-West-Drama. Und danach? War ich lange Zeit ein dauertelefonierender, zickiger Teenager. Zumindest vor der Kamera. Da kam lange Jahr künstlerisch nichts wirklich Spannendes mehr. Im Prinzip ging es erst wieder 2012 wieder aufwärts. Da drehte ich "Die Schöne und das Biest".

teleschau: Sie kennen ja quasi nichts außer Schauspielerei. Sehen Sie Ihren Beruf heute anders als früher?

Cornelia Gröschel: Ja, eigentlich seit jenem Jahr 2012. Vorher war es einfach nur ein Job. Ich habe nicht viel darüber nachgedacht. Dann gab es einen Morgen, ich war damals fest am Theater in Karlsruhe, da sollte laut Maja-Kalender die Welt enden. Ich wachte auf und dachte mir: "Okay, ich glaube nicht, dass heute die Welt endet. Aber ich bin mal gespannt, welcher Gedanke mir heute kommt." Ich habe dann am Theater gekündigt, meine Managerin verlassen, bei der ich meine gesamte Karriere als Kinderstar verbracht hatte und beendete auch eine langjährige Liebesbeziehung. Seit dieser Zeit suche ich meine Rollen sehr genau aus. Ich sage seitdem viel ab.

teleschau: Nach welchen Kriterien suchen Sie aus?

Cornelia Gröschel: Ich suche nach Figuren, die ich ernst nehmen kann. Für das Leichte bin ich eigentlich zu ernst.

teleschau: Gerade das Leichte brauchten Sie jedoch für diesen Urlaubsfilm, in dem Sie ja auch die Begeisterung einer jungen DDR-Bürgerin für Sonne, Sonne, Liebe, Freiheit lebensecht rüberbringen ...

Cornelia Gröschel: Vielleicht ist "leicht" auch der falsche Begriff. Ich kann das Leichte vielleicht schon, ich liebe auch Komödie - aber ich kann keine naiven, flachen Figuren mehr spielen. Obwohl ich intelligente Schauspielerinnen bewundere, die so etwas können.

teleschau: Sie sind immer noch keine 30. Dazu blond und im klassischen Sinne gutaussehend. Ist das eine Kombination, die einem viele flache Rollenangebote einbringt?

Cornelia Gröschel: Ja, es kommt schon viel in diese Richtung. Das sind heute jene Rollen, die ich absage. Wobei es immer darauf ankommt, wie man einen solchen Charakter in einem eher leichten Film füllt. Man kann auch dort Tiefen ausloten und Figuren realistisch hinbekommen. Umso mehr freue ich mich über Angebote wie "Honigfrauen", wo Leichtigkeit mit Tiefgründigkeit und Ernsthaftigkeit zusammenfallen.

teleschau: Sie funktionieren sehr gut mit Sonja Gerhardt als Schwesternpaar. Ist eine solche Chemie Glücksache oder eine Frage der Schauspielkunst?

Cornelia Gröschel: Ich glaube, das, was man als Chemie bezeichnet, ist tatsächlich Glückssache. Ich kannte Sonja vorher nur oberflächlich, von einem Casting. Ich stand als Besetzung für die ältere Schwester schon länger fest. Wir haben längere Zeit junge Schauspielerinnen für die Rolle meiner Schwester gecastet. Sonja war von Anfang an meine Wunschpartnerin. Die Leichtigkeit zwischen uns, die im Film rüberkommt, die war auch tatsächlich da.

teleschau: Ist schwesterliche Liebe eine besondere Form weiblicher Verbundenheit?

Cornelia Gröschel: Ja, ich finde schon. Weil ich selbst zwei Schwestern habe - und einen Bruder -, fiel es mir sehr leicht, mich in die Rolle hineindenken. Ich stellte mir einfach vor, Sonja wäre meine Schwester. Sowohl bei den warmen Gefühlen als auch im Ärger (lacht).

teleschau: Mode und Musik von 1986 wird in "Honigfrauen" ziemlich abgefeiert. Wie empfinden Sie diese Zeit als jemand, der sie nicht erlebt hat?

Cornelia Gröschel: Ich habe schon mal in einem Film gespielt, der Mitte der 80-er angesiedelt war. Tatsächlich fühle ich mich in diesen Klamotten sehr wohl. Natürlich war 1986 im Osten anders als in Westen. Da ich die Ostversion verkörpere, fühlte ich mich sicher mit dem, was ich als Dresdenerin, auch über meine Eltern, aus der Zeit kurz danach an Lebensgefühl mitbekommen habe.

teleschau: Was für eine Art Film ist "Honigfrauen" überhaupt? Thriller, Komödie, Meldodram, Urlaubsfilm?

Cornelia Gröschel: Es ist ein schöner, leichter Sommerfilm. Der in Teil zwei und drei deutlich dramatischer wird. Dennoch wollten wir auch einen Film über die Träume junger Leute drehen. Vor allem jene Träume, die junge Leute damals im Osten hatten.

teleschau: Träume, an die sich jene Zuschauer zurückerinnern sollen, die damals jung waren?

Cornelia Gröschel: Das wäre schön. Ich hoffe, dass es so kommt. Als jemand, der eine ganze Weile in Südwesten Deutschlands lebte, weiß ich, wie weit die DDR als Thema dort entfernt ist. Und im Osten sehen die Menschen gern das, was in einem Film über ihre Zeit nicht zu einhundert Prozent stimmt (lacht). Trotzdem hoffe ich, dass der Film berührt. Meine Mama hat ihn gesehen und er gefiel ihr sehr gut. Das hilft schon mal. Am Ende ist es ja so: Jeder, der sich erinnert, hat auch eine bisschen seine eigene DDR im Kopf.

Quelle: teleschau - der mediendienst