Frank Elstner

Frank Elstner





Der Feuermacher

Das ist doch mal ein schönes Geburtstagsgeschenk: Als die ARD vor wenigen Tagen Frank Elstner mit einer großen Gala feierte, wollten das mehr "junge" Zuschauer (also solche zwischen 14 und 49 Jahren) sehen als die parallel bei RTL laufende Castingshow "DSDS". Dabei ist Elstner, der am 19. April sein 75. Lebensjahr vollendet, schon seit geraumer Zeit kein Stammgast mehr im deutschen Fernsehen. Hin und wieder steht er zusammen mit Ranga Yogeshwar für "Die große Show der Naturwunder" vor der Kamera, seine große Zeit aber liegt schon einige Jahre zurück. Woran liegt es also, dass dieser Mann, der schon immer mehr von einem Biologielehrer hatte als von einem Fernsehstar, noch immer fasziniert? Vielleicht ja, weil dieses Relikt, das aus einer anderen Zeit zu stammen scheint, noch immer etwas von diesem guten, alten Fernsehgefühl ausstrahlt, das es heute so nicht mehr gibt.

Schon die Formate, die Elstner einst moderierte, haben diesen Klang im Titel, der an eine untergegangene Welt denken lassen könnte: "Punkt, Punkt, Komma, Strich", "Die Montagsmaler" oder "Nase vorn" etwa, Titel, die heute wohl kaum mehr jemanden vor die Glotze locken würden. Es war eben eine andere Zeit damals, nicht nur gesellschaftlich oder politisch, auch die Fernsehlandschaft war eine andere. Da gab es ARD, ZDF, die Dritten - ein paar Knöpfe auf der Fernbedienung reichten aus zur Abendunterhaltung. Vom Lagerfeuer ist bisweilen die Rede, wenn an diese Zeit erinnert wird und an ihre Sendungen, um die sich die Familie scharte. Frank Elstner, er beherrschte die Kunst des Feuermachens über viele Jahre so gut wie sonst kein anderer im deutschen Fernsehen.

Zur Welt kam Elstner im österreichischen Linz, 1942, im vierten Kriegsjahr. Timm Maria Franz Elstner, so heißt er eigentlich, entstammt einer Theaterfamilie - "Ich bin in der Garderobe des Theaters groß geworden", erinnerte er sich im Interview an diese Zeit. "Meine Mutter hat Theater gespielt, und ich habe währenddessen in der Garderobe auf sie gewartet." Etwas Selbstverständliches sei diese Welt des Entertainments für ihn gewesen, und er sollte schon selbst bald seine eigene Unterhaltungskarriere verfolgen.

Die ersten Schritte waren zwar noch klein - als zehnjähriger Bub sprach er in einem Hörspiel des Südwestfunks das Bambi -, aber sie wiesen die Richtung. Der junge Elstner nahm Schauspielunterricht, war oft gebuchter Kindersprecher im Radio, das Gymnasium aber vernachlässigte er unterdessen, fiel durchs Abitur. Er bereue seine damalige Einstellung zur Schule, erzählte Elstner unlängst, obwohl er auch ohne Abschluss schnell Karriere machte. Statt die Schulbank zu drücken, nahm er ein Engagement am Theater an, freilich nur ein kurzer Zwischenschritt, denn schon bald zog es ihn wieder zum Radio.

In Luxemburg moderierte Elstner die "Fröhliche Welle", stieg schnell auf zum Leiter des deutschen Programms von Radio RTL. Ende der 60-er dann erste Fernsehauftritte, Elstner moderierte die Spielshows "Punkt, Punkt, Komma, Strich" und "Spiel ohne Grenzen", schließlich "Die Montagsmaler". Das waren sie, jene ersten Lagerfeuer-Momente, in denen sich Elstner als geborener Moderator bewies.

Sein Geheimnis sei es, nicht extrovertiert zu sein wie manch heutiger Kollege, glaubt Elstner. "Ich bin kein Selbstdarsteller, der sich einen verrückten Anzug anzieht oder der sich die Haare wild wehend frisiert", sagt er. Mit seinem Aussehen habe das zu tun: "Wenn ich einen Kopf größer wäre, dann hätte ich vielleicht eine andere Lust, eine Show-Treppe herunterzulaufen." Aber so, indem er sich selbst zurücknahm, ließ er seinen Gästen stets den Platz, den sie brauchten. "Ich bin einer, der Geschichten sucht, die Leute in den Mittelpunkt stellt und sie ins rechte Scheinwerferlicht rückt." Ein Rollenverständnis, mit dem man sich heute kaum für einen Moderatorenjob qualifizieren würde.

Die Ideen der Elstner-Shows waren simpel - bei den "Montagsmalern" etwa ging es darum, gezeichnete Begriffe zu erraten -, aber effektiv. "Den roten Faden in meiner Biografie könnte man vielleicht unter der Frage zusammenfassen: 'Gibt es nicht etwas Einfaches, von dem die Menschen bisher noch nicht geglaubt haben, dass es tragfähig ist?'", sagt Elstner über Elstner. Das war bei seinem nächsten Show-Baby nicht anders.

"'Wetten, dass ..?' bleibt bei mir an der Spitze", sagt Elstner, wenn er sich an jene Show erinnert, die ihn in der deutschen Fernsehlandschaft unsterblich machte. Elstner erfand die Show ("Binnnen drei Stunden schrieb ich die ganze Sendung aufs Blatt"), moderierte sie sechs Jahre lang, verkaufte sie in die ganze Welt. "Wetten, dass ..?" war nicht mehr nur Lagerfeuer, es war ein Flächenbrand. Bevor die Sendung nach 34 Jahren eingestellt wurde, unter Elstners drittem Nachfolger Markus Lanz, versammelte sich bisweilen tatsächlich halb Fernsehdeutschland vor dem Fernseher, um die mitunter absurden Wetten zu verfolgen, die in der Show dargeboten wurden. Aber vor allem auch, weil auf der Studiocouch neben Elstner, Gottschalk, Lippert und schließlich Lanz immer auch die Prominenz aus Übersee Platz nahm.

Nach "Wetten, dass ..?", das Thomas Gottschalk ab 1987 weiterführte, war Elstner noch voller Ideen, der ganz große Hit aber wollte ihm nicht mehr gelingen. Für RTL moderierte er den US-Import "Jeopardy!" und "April, April", bevor er Ende der 90-er zu den Öffentlich-Rechtlichen zurückfand. 15 Jahre lang talkte er mit den "Menschen der Woche", der Showklassiker "Verstehen Sie Spaß?" brachte ihn - mittlerweile zum dritten Mal verheiratet und fünffacher Vater - zurück in die Primetime. "Ich bin als Unterhalter auf die Welt gekommen", sagte Elstner einmal über sich selbst. Und das ist er freilich auch heute noch, ein Entertainer, wenn auch nicht mehr ganz so oft wie einst.

Quelle: teleschau - der mediendienst