Patricia Schäfer

Patricia Schäfer





Noch mal träumen mit 50

"Rote Rosen" ist ein deutsches TV-Phänomen: die einzige Telenovela, die Menschen mittleren Alters in den Vordergrund rückt. Das erfolgreiche Konzept der Dauer-Erzählung aus Lüneburg: Jedes Jahr übernimmt eine neue Hauptdarstellerin den Staffelstab. Eine andere Geschichte aus der Mitte des Lebens wird erzählt. In "Rote Rosen"-Staffel 14 (ab Mittwoch, 12. April, 14.10 Uhr, ARD) spielt Patricia Schäfer eine verheiratete Frau mit beinahe erwachsenen Kindern, der das Schicksal die Chance auf eine neue Liebe zuspielt. Die in Berlin lebende Schauspielerin, selbst Mutter zweier fast erwachsener Kinder, ist im März 50 Jahre alt geworden. Von 2011 bis 2013 verkörperte sie Viktoria Wolf in "Verbotene Liebe". Seitdem war die Auftragslage bei Patricia Schäfer eher mau. Über neue Chancen, Entscheidungen und Risiken des Lebens mit 50 spricht sie nun offene Worte.

teleschau: Frau Schäfer, Sie starten gerade in ein arbeitsreiches Jahr ...

Patricia Schäfer: Ja, mit einem sehr schönen Beginn. Als es hier noch Winter war, hatten wir die ersten Drehtage in Italien. Mein Mann - in der Rolle - ist nämlich Archäologe, wir sind gemeinsam an der Amalfiküste und auf Capri unterwegs. Das war natürlich ein traumhafter Einstieg. Italien macht einfach etwas Gutes mit einem.

teleschau: Mittlerweile sind Sie jedoch auf der "Rote Rosen"-Homebase in Lüneburg gelandet.

Patricia Schäfer: Ja, auch sehr schön. Ich bin endlich aus dem Hotel raus und bewohne eine gemütliche Bleibe in der Altstadt mit Blick auf Fachwerk-Giebel.

teleschau: Normalerweise leben Sie in Berlin. Wie hart ist es, für ein Jahr Dreharbeiten das Zuhause zu verlassen?

Patricia Schäfer: Ein bisschen komisch ist es schon, vor allem wegen meiner Kinder. Aber die sind nun 16 und 19, nicht mehr ganz so klein. Wir haben schon ein bisschen Erfahrung mit solchen Abwesenheiten. Obwohl in Berlin viel gedreht wird, hat mich der Beruf seltsamerweise immer aus der Stadt weggeführt. Vielleicht wollen sie mich in Berlin nicht (lacht). Zuvor habe ich ja in Köln "Verbotene Liebe " gedreht. Das waren zweieinhalb Jahre und Köln ist noch mal deutlich weiter weg als Lüneburg.

teleschau: Damals waren Ihre Kinder auch noch ein bisschen kleiner.

Patricia Schäfer: Das war der Hauptgrund, warum ich ausgestiegen bin. Weil es nicht mehr ging. Meine Tochter war 14, die Pubertät fing an. Ich hatte das Gefühl, ich verliere den Kontakt. Da reicht das Telefonieren beziehungsweise das Wochenende nicht mehr aus. Kinder in diesem Alter wollen dann auch nicht rund um die Uhr mit ihrer Mutter abhängen. Die wollen weiter ihre Freunde treffen. Ich bat darum, dass meine Rolle kleiner wird oder dass man die Drehtage organisiert, aber das klappte nicht. So habe ich bei "Verbotene Liebe" aufgehört. Dazu kam: Ich war auch ein bisschen müde und die Figur in meinen Augen zu Ende erzählt. Insofern war es eine Entscheidung ohne Reue - und mein Serientod eine runde Sache (lacht).

teleschau: Nun sind Sie jedoch wieder ein Jahr weg. Wer schaut denn nun unter der Woche nach den Kindern?

Patricia Schäfer: Mit dem Vater meiner Kinder bin ich schon lange nicht mehr zusammen. Trotzdem haben wir ein sehr gutes Verhältnis. Wir sind Freunde und organisieren das gemeinsam.

teleschau: In der neuen "Rote Rosen"-Staffel geht es um zwei Freundinnen, die sich in den gleichen Mann verlieben. Eine Frau ist Single, die andere - Ihre Rolle - eine einigermaßen zufriedene, verheiratete Frau mit Kindern.

Patricia Schäfer: Wobei die Kinder eben 17 und älter sind. Das ist ja ein Knackpunkt in jeder Beziehung. Wer bin ich, wer sind wir noch, wenn die Kinder so langsam das Haus verlassen?

teleschau: Es gibt die Ansicht, dass jede neue Liebe nur ein Symptom dafür ist, dass man mit der alten unzufrieden war. Oder gibt es das - die alles überwältigende neue Liebe aus dem Nichts?

Patricia Schäfer: Ich glaube - ab einem gewissen Alter - ist es eher ersteres. In meiner Rolle liegt die Unzufriedenheit an jenem berühmten steten Tropfen, der den Stein höhlt. Helen, meine Rolle, muss in der Beziehung immer zurückstecken - weil ihr Mann seinen Job komplett in den Vordergrund rückt.

teleschau: Ist es im fortgeschrittenen Lebensalter schwieriger, sich zu trennen? Oder wird es einfacher?

Patricia Schäfer: Das wird jeder anders beantworten. Ich bin ja schon sehr lange getrennt. Vielleicht ist es schwieriger, weil man nicht mehr jene Kraftreserven hat, die ein junger Mensch besitzt. Weil man auch nicht mehr so viele Optionen im Leben besitzt. Ja, ich glaube, es wird eher schwieriger.

teleschau: Auch weil viele Menschen mit zunehmendem Lebensalter ängstlicher werden?

Patricia Schäfer: Bei vielen werden die Verlustängste größer. Auch, weil man in der Regel bereits Verluste erlebt hat. Man kennt die Brüchigkeit des Lebens. Wahrscheinlich sagen sich deshalb viele halb glückliche, halb unglückliche Partner: "Na ja, so schlecht haben wir es nicht." Man hat gemeinsam viel erlebt und sich auch mal geliebt. Also bleibt man erst mal.

teleschau: Das klingt jetzt ein bisschen traurig. Da ist es natürlich leichter, wenn da tatsächlich eine neue Person ist.

Patricia Schäfer: Ja, aber selbst dann ist, wie in unserer Geschichte, längst nicht alles klar. Viele Paare oder Dreiecks-Konstellationen zögern eine Entscheidung hinaus. Da überlegt man Jahre hin und her, ob man sich trennt. Der härteste Schritt ist jedoch, sich in Blaue hinein zu trennen. Alleine zu sein im Alter stelle ich mir sehr unschön vor.

teleschau: Ist man als 50-jähriger Single alt - und schwer vermittelbar?

Patricia Schäfer: Durch das Internet und die ganzen Partnerschafts-Börsen scheint es einfacher geworden zu sein, jemanden zu finden. Andererseits hat diese Kultur dafür gesorgt, dass Toleranzgrenzen in sich anbahnenden Beziehungen sinken. Viele denken: Ich probiere vielleicht noch mal jemand anderen. Insofern ist es am Ende vielleicht doch nicht leichter als früher.

teleschau: Kämpfen zwei Frauen mit 50 anders um einen Mann als mit 20 oder 30? Fairer, unfairer?

Patricia Schäfer: Ich habe so etwas persönlich noch nicht erlebt. Und hoffe auch darauf, es niemals zu erleben. Vielleicht kämpft man mehr, weil man weiß: So viele Lieben werden da nicht mehr kommen.

teleschau: Kämpft man auch mit anderen Waffen?

Patricia Schäfer: Eigentlich müsste man sich mit der Rivalin auseinandersetzen, aber wer macht das schon? Ich kann es nicht sagen. Ich habe mich noch nie wegen eines Mannes mit einer Freundin gestritten oder gar zerstritten.

teleschau: Nun arbeiten Sie ein Jahr im Akkord bei "Rote Rosen". Wird das Ihrer Karriere gut tun?

Patricia Schäfer: Das hoffe ich natürlich. Erst mal ist es schön, dieses Jahr Arbeit zu haben und so eine prominente Rolle zu spielen. Was danach kommt, weiß ich natürlich nicht. Einerseits könnte passieren, dass ich danach als "Rote Rosen"-Hauptdarstellerin abgestempelt bin. Andererseits wäre es auch möglich, dass ich, weil ich in diesem Jahr hoffentlich viele Menschen in meinen Bann gezogen habe, verstärkt neue Angebote erhalte.

teleschau: Wie war es nach "Verbotene Liebe"?

Patricia Schäfer: Da erlebte ich eine ziemliche Durststrecke. Ich hätte nicht gedacht, dass danach so wenig Castings oder Drehangebote kommen. Ich nutze solche Zeiten jedoch, um Theater zu spielen. Da komme ich ja auch ganz klassisch her. Und liebe die Bühne auch sehr.

teleschau: Wie sehr leidet man unter solchen Durststrecken, die ja die meisten Schauspieler kennen?

Patricia Schäfer: Es ist ein großer Lernprozess, Durststrecken nicht persönlich zu nehmen. Man ist halt sein eigenes Produkt. Oft hängt es gar nicht an den eigenen Fähigkeiten, dass man nichts angeboten bekommt. Als Schauspieler erfolgreich zu sein, hat oft mit Zufällen, gutem Networking oder anderen Dingen zu tun.

teleschau: Wie sehr schiebt man Misserfolge auch aufs Alter?

Patricia Schäfer: Das tut man auf jeden Fall, gerade als Frau. Altern ist für jeden eine schwierige Aufgabe. Als Schauspielerin wird man im Gegensatz zu anderen Berufen jedoch mit der Nase drauf gestoßen, dass man nicht mehr jung ist.

teleschau: Ist ein Format wie "Rote Rosen" insofern ein Trost, weil davon erzählt wird, dass im fortgeschrittenen Lebensalter noch etwas geht?

Patricia Schäfer: Auf jeden Fall. Deshalb stehe ich komplett hinter dem Format. "Rote Rosen" ist eine tolle Anregung, auch mit 50 noch mal über die eigenen Lebensträume und ihre Verwirklichung nachzudenken.

Quelle: teleschau - der mediendienst