Katharina Marie Schubert

Katharina Marie Schubert





"Man kann sich selbst nicht immer ertragen!"

Seit über 20 Jahren ist Katharina Marie Schubert Schauspielerin. Noch bevor sie ihr Abitur in der Tasche hatte, sicherte sie sich einen begehrten Platz am Max Reinhardt Seminar in Wien und steht seitdem auf Theaterbühnen oder vor der Kamera. Nichtsdestotrotz sind weder ihr Gesicht noch ihr Name den meisten TV-Zuschauern geläufig. Dabei spielte die 40-Jährige schon in"Shoppen" oder im "Tatort" mit - allerdings stets mit eher kleineren Parts. Nun aber hat die gebürtige Giffhornerin im ARD-Beziehungsdrama "Zwei" (Mittwoch, 19. April, 20.15 Uhr, Das Erste) einen umso eindringlicheren Auftritt. An der Seite von Hans Löw verkörpert sie eine unkonventionelle Band-Managerin, die nach zwei Jahrzehnten ihre große Liebe wiedertrifft. Da der intensive Liebesfilm weitgehend von den beiden Hauptdarstellern getragen wird, kann sie ihr Talent hinreichend unter Beweis stellen. Warum Katharina Marie Schubert trotz immer größerer Rollen kein Star werden möchte und wieso wir alle regelmäßig unsere Berufswahl und Beziehung hinterfragen und selbst Ungläubige eine Hochzeit in Erwägung ziehen sollten, all das erklärt sie im Interview.

teleschau: Es gibt nicht viele Interviews mit Ihnen - mögen Sie keine?

Katharina Marie Schubert: Ich werde nicht oft gefragt.

teleschau: Stört Sie das?

Schubert: Nein. Es liegt wohl einfach daran, dass ich bisher selten ganz großen Rollen gespielt habe.

teleschau: So haben Sie mehr Privatleben, das sie ja ohnehin schützen. Man weiß nichts über Sie: zum Beispiel, wo sie wohnen oder ob Sie Kinder haben.

Schubert: Ja, das soll auch so bleiben (lacht). Ich werde Gott sei dank fast nie erkannt. Aber ich kann so viel verraten: Ich lebe in Berlin und bin liiert.

teleschau: Sind Sie privat ebenso extrovertiert wie Fiona, die Sie in "Zwei" spielen?

Schubert: Ich habe und verbreite generell eher gute Laune, aber kann auch sehr ruhig sein. Wenn ich nicht auffallen möchte, dann falle ich auch nicht auf - und das ist meistens der Fall. Im Fernsehen, Kino oder Theater findet meine Arbeit statt, und dabei würde ich gerne durch mein Spiel auffallen, das entweder gefällt oder nicht. Die Leute sollen meine Leistung als Schauspielerin bewerten, nicht mein Privatleben. Deshalb mag ich rote Teppiche auch nicht gerne. Ich weiß nicht, was ich da soll!

teleschau: Aber ein bisschen Katharina Marie Schubert steckt doch in jeder Rolle, die Sie spielen, oder?

Schubert: Das lässt sich gar nicht vermeiden, schon allein dadurch, dass mein Körper vor der Kamera oder auf der Bühne steht. Ich kann Schauspieler nicht verstehen, die sagen: Ich werde 100 Prozent zur Figur.

teleschau: Inwiefern?

Schubert: Die Arbeit an einer Rolle besteht zu großen Teilen darin, dass man als Schauspieler nachvollziehen kann, was diese Figur tut. Aber auch darin, was der Regisseur will. Zudem muss der Schauspieler selber ein Verhältnis dazu zu haben, was er spielt. Diese Überlegungen sind dann immer von mir geprägt, sind Teil meiner Figur und damit natürlich von mir.

teleschau: Sie sind seit über 20 Jahren Schauspielerin. Haben Sie jemals mit Ihrer Berufung gehadert?

Schubert: Ich hadere ununterbrochen mit der Schauspielerei.

teleschau: Wieso?

Schubert: Es ist ein sehr selbstbezogener Beruf, in dem man nur sich hat - und man kann sich selbst nicht immer ertragen. Zudem ist es ein Beruf, in dem man ständig gewollt werden muss, weil man sonst nicht arbeiten kann. Das ist anstrengend und man fühlt sich abhängig. Es gibt also immer wieder diese Krisen, natürlich auch in Bezug auf das eigene Können. Aber ich komme jedesmal wieder an den Punkt, an dem ich denke: Schauspielerei ist ein ganz toller Beruf, den ich weiter machen möchte. Ob ich ihn mein Leben lang ausüben werde, weiß ich nicht, das hängt ja auch von anderen ab, ob ich die Chance dazu bekomme.

teleschau: Und wenn Sie wüssten, dass Sie stetig gute Rollen hätten ...?

Schubert: Vielleicht käme ich dennoch irgendwann an den Punkt, an dem ich denken würde: Jetzt habe ich alles gesagt und gezeigt. Regelmäßige Reflektion ist unbedingt erforderlich - in fast jedem Beruf -, damit dieser nicht zur Routine wird. Die Leistung muss etwas bleiben, das man als wichtig und notwendig erachtet. Aber vor allem geht es mir darum, ein glücklicher Mensch zu sein. Wenn einem der Beruf irgendwann zu schwerfällt, muss man überlegen, etwas zu ändern. Das ist im Beruf genauso wie in einer Beziehung.

teleschau: Das müssen Sie genauer ausführen.

Schubert: Eine Ehe kann glücklich sein. Das heißt aber nicht, dass sie ein Leben lang halten muss. Man verändert sich im Leben - und zwar beide Partner. Da muss man gegebenenfalls die Prioritäten anpassen.

teleschau: Ist das Konzept der Ehe noch zeitgemäß?

Schubert: Es ist toll, dass man heiraten kann, aber nicht muss. Aber ich habe in letzter Zeit festgestellt, dass man sich im Leben eigentlich oft die schönen Feste versagt. Also Hochzeiten und Taufen aus Mangel an Glauben - an Gott oder die Beziehung - nicht feiert. Was man aber unbedingt wird "feiern" müssen, sind Beerdigungen. Wir werden alle zwangsläufig an den Krankenbetten unserer Verwandten und Liebsten sitzen oder selber in einem solchen liegen.

teleschau: Sie plädieren dafür, den Moment zu feiern?

Schubert: Genau - und zwar das es kracht! Wir beschneiden uns viel zu oft den Spaß. Sollte die Ehe irgendwann doch auseinandergehen, hat man doch wenigstens die schöne Erinnerung an den Hochzeitstag. Man muss gute Zeiten feiern und nicht daran denken, dass sie ein Ende haben könnten.

Quelle: teleschau - der mediendienst