Claus Theo Gärtner

Claus Theo Gärtner





"Jeder wäre gern Matula"

300 Folgen als TV-Ermittler, so viele hatte nicht mal Derrick auf dem Buckel. Weshalb sich Claus Theo Gärtner seinen Ruhestand nach 32 "Ein Fall für zwei"-Dienstjahren mehr als verdient hatte. Doch lange konnte der Matula-Darsteller die Füße nicht stillhalten. Erst zog es den 73-Jährigen auf die Theaterbühnen von Basel und Braunschweig, dann mit seiner Frau auf große Reise durch die Sahara - und als an seinem 70. Geburtstag die Anfrage des ZDF nach einer Wiederbelebung der Rolle kam, zögerte er keine Sekunde. Nun löst der bekannteste Lederjackenträger der Nation im Krimi-Special "Matula" (ZDF, Fr., 14.4., 21.15 Uhr) wieder einen Kriminalfall. Diesmal als einsamer Wolf, der im Wohnmobil haust und sich zurück ins Leben kämpft. Wir haben mit dem Urgestein des deutschen Fernsehens über die Rolle seines Lebens, den gescheiterten Versuch des Rentnerdaseins und seine nächsten Reisepläne gesprochen.

teleschau: Matula ist aus dem Ruhestand zurück. Ist er denn nach seinem temporären Ausstieg noch ganz der Alte?

Claus Theo Gärtner: Ja, der Matula ist derselbe Antiheld wie immer. Der Unterschied ist vielleicht, dass er erst nachdenkt, bevor er handelt.

teleschau: Weil der Körper nicht mehr so mitmacht?

Gärtner: Der Körper macht wunderbar mit, das ist es nicht. Aber Matula ist klüger geworden. Und er nimmt sich nicht allzu ernst. Wobei ein gewisses Augenzwinkern war ja auch früher dabei. Er ist nun mal kein James Bond, er weiß das und kokettiert mit seinem Loser-Dasein.

teleschau: Wäre er lieber James Bond gewesen?

Gärtner: Nö. Damit hat er nichts am Hut, dafür ist er viel zu bodenständig und pragmatisch. Er ist kein Träumer.

teleschau: Haben Sie den Matula denn vermisst in der Zwischenzeit?

Gärtner: Nein, überhaupt nicht. Eigentlich hatte ich mit dem Thema abgeschlossen. Ich wollte ihn ja gern loswerden.

teleschau: Warum?

Gärtner: Weil ich etwas Neues machen wollte, andere Rollen spielen. Die Angebote blieben aber leider aus.

teleschau: Weil man in Ihnen nur den Matula sieht?

Gärtner: Das ist meine Vermutung. Als ich den Heiner Geißler in einem Helmut-Kohl-Film dargestellt habe, hat die "FAZ" 2009 geschrieben: "Was macht der Matula denn in der Pfalz?" Da war mir klar, dass ich verbrannt bin.

teleschau: Hat Sie das getroffen?

Gärtner: Ja, und ich habe daraufhin zum Produzenten gesagt: Nach der 300. Folge höre ich auf. Und so kam es dann auch.

teleschau: Trauern Sie womöglich verpassten Chancen hinterher - oder anders gefragt: Waren 30 Jahre "Ein Fall für zwei" Fluch oder Segen?

Gärtner: Sowohl als auch. Der Segen war natürlich, dass ich in meinem Leben keinen Tag arbeitslos war - das kann nicht jeder Schauspieler von sich behaupten. Der Fluch war, dass ich aufgrund der eng getakteten Drehpläne nichts nebenbei machen konnte, obwohl es Anfragen gegeben hätte. Ich wäre gern mal mit dem "Traumschiff" unterwegs gewesen, aber das ging terminlich nicht.

teleschau: Würden Sie trotzdem alles noch mal genauso machen?

Gärtner: Absolut. Ich sehe mich als Glückspilz. Ich gehöre einer Generation an, die keinen Krieg mitmachen musste, die ein ständiges Aufwärts erlebt hat, und ich hatte eine wunderbare Zeit am Theater. Ich kann mich wirklich nicht beklagen.

teleschau: Was war das Highlight Ihrer Theaterkarriere?

Gärtner: Mein Engagement an der Schaubühne in Berlin. Das waren die wilden 68-er, es gab einen großen Aufbruch in jenen Jahren, vieles hat sich verändert, und wir waren mittendrin im Geschehen.

teleschau: Zurück zu Ihrem Ausstieg aus "Ein Fall für zwei" - was haben Sie danach gemacht?

Gärtner: Ich habe Theater gespielt, in Basel und in Braunschweig. Und ich war wie geplant mit meiner Frau auf Reisen. Mit unserem Truck, einem 12,5-Tonnen-Allrad-Reisemobil, sind wir ein paar Monate durch Nordafrika getourt. Die Sahara war ein Traum. Wenn man nachts auf einer Luftmatratze im Sand liegt und in den Himmel schaut, hat man das Gefühl, man könnte in der Milchstraße spazieren gehen oder nach den Sternen greifen. Ich hätte ewig dort bleiben können. Aber alles hat ein Ende.

teleschau: Warum, Sie waren doch schon im Ruhestand?

Gärtner: Meine Frau musste zurück an die Arbeit. Und ich habe dann erst mal mein Rentner-Dasein gefristet zwischen Basel und Berlin.

teleschau: Das klingt nicht so begeistert ...

Gärtner: Nein, das Rumsitzen liegt mir nicht. Eine Woche lang kann ich die Füße hochlegen, aber dann muss auch wieder was passieren. Es war einen Versuch wert, aber ich brauche das nicht noch mal.

teleschau: Als der Anruf vom ZDF bezüglich der Wiederbelebung des Matula kam, wie lange haben Sie gezögert, bevor Sie das Angebot angenommen haben?

Gärtner: Keine Sekunde.

teleschau: Warum glauben Sie, hat man ihn aus dem Ruhestand zurückgeholt?

Gärtner: Zum einen aufgrund der Gewöhnung, er war mehr als 30 Jahre lang jeden Freitagabend präsent, die Zuschauer mögen solche Konstanten. Zum anderen weil diese Figur ein Antiheld ist und damit ein authentischer Charakter. Jeder Mann will Matula sein.

teleschau: Man möchte ja meinen, jeder Mann will James Bond sein ...

Gärtner: Nein, der Unterschied zu Bond ist zu groß. Der Antiheld steht einem näher, mit dem kann man sich besser identifizieren.

teleschau: Und bei Ihnen, wieviel von Matula steckt in Ihnen?

Gärtner: Die Abenteuerlust und ein gewisses Draufgängertum, das eint uns. Es gibt aber Aspekte, die uns trennen. Er stellt Rotwein in den Kühlschrank, das würde ich nie machen.

teleschau: Apropos Abenteuerlust, ist die nächste Reise bereits geplant?

Gärtner. Nicht konkret, aber es gibt ein paar Ideen. Freunde von mir waren soeben im Iran, das muss fantastisch sein, die Landschaft soll traumhaft schön sein und die Menschen extrem gastfreundlich. Mal abwarten, wie sich die politische Situation entwickelt, aber das Land würde mich definitiv reizen. Früher war das weniger problematisch. Da bin ich einfach mit dem VW-Bus nach Indien gefahren, heute geht das nicht mehr so einfach.

teleschau: Nachdem Matulas Haus in der letzten Folge von "Ein Fall für zwei" abgebrannt ist, lebt er neuerdings im Wohnmobil. Wäre das was für Sie, ein Nomadenleben?

Gärtner: Zum Reisen ja, zum Leben nein. Meine vielen Wohnsitze machen mich konfus genug. Manchmal wache ich morgens auf und muss mich erst orientieren, wo ich gerade bin.

teleschau: Sie haben im Ruhestand gemeinsam mit Ihrer Frau das Buch "Matula, hau mich raus!" geschrieben. Wie war die Arbeit an Ihren Memoiren?

Gärtner: Das war ein wunderbares Aufarbeiten. Und es war eine fruchtbare Zusammenarbeit, die uns viel Spaß gemacht hat. Das Beste daran war, dass wir die ganze Zeit zusammen sein konnten.

teleschau: Hat Ihre Frau dabei Geschichten erfahren, die sie nicht kannte?

Gärtner: Mit Sicherheit.

Quelle: teleschau - der mediendienst