Christine Kaufmann

Christine Kaufmann





"Nicht ganz von dieser Welt"

"Ich habe alle Wettbewerbe verloren, ich habe nur einen einzigen Preis gewonnen - und zwar einen Golden Globe", sagte Christine Kaufmann noch Anfang März in einer Koch-Show von München.tv. Es schien ihr blendend zu gehen, sie plauderte gut gelaunt über ihr ereignisreiches Leben. Doch dann der Schock: Nur zwei Wochen danach wurde sie infolge eines Zusammenbruchs in ihrer Wohnung in eine Klinik in München eingeliefert. Die Diagnose: Leukämie. Laut Medienberichten wachten ihr Bruder Hans-Günther Kaufmann (73) sowie die Töchter Allegra (50) und Alexandra (52) bis zuletzt an ihrem Krankenbett. Jetzt starb die Schauspielerin im Alter von 72 Jahren im Kreise ihrer Familie.

Schnell verbreitet sich die Nachricht von Kaufmanns Krankheit in diesen Stunden bis nach Amerika. Auch dort war die Münchnerin ein Star. Mit Kirk Douglas drehte sie 1960 das Kinodrama "Stadt ohne Mitleid", für das sie den Golden Globe als beste Nachwuchsschauspielerin erhielt. Ihr Filmpartner von einst hat sie nicht vergessen, gegenüber "Bild" ließ der 100-Jährige noch vor ihrem Tod ausrichten: "Um Gottes willen, das tut mir unendlich leid! Meine Gebete und Gedanken gehen an Christine und ihre Familie. Eine der charmantesten und liebevollsten Frauen, die ich jemals kennenlernen durfte."

Christine Kaufmann begann ihre Schauspielkarriere bereits im zarten Alter von acht Jahren. Regisseur Harald Reinl drehte mit ihr die "Rosen-Resli", einen der ersten großen westdeutschen Kinoerfolge nach dem Zweiten Weltkrieg. Prompt wurde das junge Mädchen zum Kinderstar. "Ich habe eine Theorie entwickelt. Ich denke, dass es für das Land Deutschland wichtig war, zu weinen", sagte sie mit Blick auf diese Rolle im "Club der Köchinnen".

Noch heute werde sie oft auf diese Rolle angesprochen: "Zu mir kommen Leute und sagen: 'Frau Kaufmann, ich habe so geweint!'" Lange habe sie nicht verstanden, warum Leute so begeistert von ihren Tränen berichten. Aber gerade nach dem Krieg sei Trauer wohl wichtig für die seelische Hygiene gewesen. "Es gibt Sachen, über die man weinen möchte. Und ich denke, dass der letzte Krieg ein Anlass dazu war. So viel Unglück für so viele Menschen! Und dass ich wahrscheinlich wie eine Art Waschmaschine war. Dass man nach dem Waschgang sagt: 'So, es ist jetzt sauber. Jetzt haben wir geweint."

Auch mit Nachfolgern wie "Ein Herz schlägt für Erika" oder "Die singenden Engel von Tirol" konnte die im steirischen Lengdorf geborene Leinwand-Schönheit große Erfolge feiern. Nach ihrem Golden-Globe-Gewinn war sie auch international ein Star. 1961 hatte sie bei Dreharbeiten den US-Schauspieler Tony Curtis kennengelernt, den sie 1963 heiratete und der der Vater ihrer zwei Töchter wurde. Fünf Jahre später folgte die Scheidung.

Nach ihrer Ehe mit dem Hollywood-Star Curtis war Kaufmann noch drei weitere Male verheiratet. Zuletzt von 1997 bis 2011 mit dem Zeichner Klaus Zey. Ihre bislang letzte Filmrolle hatte die Schauspielerin, die in den 80er-Jahren auch im Fernsehen für Furore sorgte (unvergessen ihre Rolle in der legendären Helmut-Dietl-Serie "Monaco Franze"), 2013 in dem Filmdrama "Stille" an der Seite von Jan Fedder und Iris Berben. Zudem konzentrierte sich Kaufmann auf ihre Kosmetikfirma CHK und veröffentlichte zahlreiche Bücher zu den Themen Liebe, Gesundheit, Wellness und Lifestyle. Wie gut ihr die eigene Wellness-Formel selbst bekam, durften auch die "Playboy"-Leser bestaunen. Zweimal ließ sie für das Magazin die Hüllen fallen: erstmals 1974 und ein zweites Mal 1999, im Alter von 54 Jahren.

Fotografisch in Szene gesetzt wurde sie über all die Jahre immer wieder von ihrem Bruder Hans-Günther Kaufmann, ihrer vielleicht engsten Bezugsperson. "Ihr Leben liegt jetzt in Gottes Hand", sagte er kurz vor dem Tod der Schwester gegenüber der Münchener "tz". Sie sei "ein Wesen nicht ganz von dieser Welt" gewesen und ein "Bestandteil des kollektiven Bewusstseins, Teil der deutschen Nachkriegsgeschichte". Treffender kann man es nicht sagen.

Quelle: teleschau - der mediendienst