Gold

Gold





Die Romantik des Geschäfts

Wer in eine Goldmine tief im indonesischen Dschungel Geld investiert, will nun mal die eine oder andere Sicherheit, dass er das Richtige tut. Besonders dann, wenn hinter ihm ebenso vermögende wie anspruchsvolle Anleger stehen. Kenny Wells (Matthew McConaughey) kann mit der Skepsis seines Geschäftspartners im Meetingraum jedoch nichts anfangen. Pathetisch hebt er die Hände: "Mit meinen eigenen Händen habe ich nach dem Gold gegraben!" Kennys Geologe Mike Acosta (Edgar Ramirez) steht auf und blickt nachdenklich aus dem Fenster. "Es ist schwierig zu beschreiben, wie es ist, Gold zu finden", sinniert er, "es zu schmecken, ja es zu riechen." Ist das nicht alles schön gesagt? In einem Theaterstück wäre es großartig. Filme hingegen sollten zeigen, was gemeint ist. "Gold" aber bleibt das intensive Erlebnis empfindlich schuldig. Dem "modernen Dschungelabenteuer" (Produzenten-O-Ton) fehlen tragischerweise Bilder für das, was es erzählen will - und nicht nur in der Wildnis.

Obwohl inspiriert von einem Vorfall in Kanada, beginnt "Gold" 1981 in Nevada, USA. Kenny Wells stammt aus einer Dynastie von Goldschürfern und Geschäftsleuten, die Bodenschätze ausbeuten. Nach dem Tod seines Vaters geht es allerdings finanziell schnell bergab, 1988 ist Kenny so gut wie pleite. Nur Dank seiner treuen Freundin Kaylene (Bryce Dallas Howard) hat er noch ein Dach über dem Kopf. Dann beschert ihm eine durchsoffene Nacht einen verheißungsvollen Traum: In Indonesien, am Fuße hoher Zwillingsberge, schlummern riesige Goldvorkommen.

Mit dem letzten Geld fliegt Kenny nach Jakarta, zum Geologen Mike Acosta. Der führt ihn nach anfänglichem Zögern zu den Zwillingstürmen, die ihm im Traum erschienen sind. Sie heuern Arbeiter an und beginnen zu graben. Doch das eingesammelte Geld reicht nicht, die Gesteinsproben sind negativ, und Kenny erkrankt an Malaria. Als er endlich aus dem Delirium erwacht, verkündet Mike ihm einen sensationellen Fund. Kenny stürzt in einen Triumph- und Luxustaumel. Die Beziehung zu Kaylene gerät in die Krise, derweil finstere Banker ihn ausbooten wollen.

Bereits zum dritten Mal in seiner Schauspielerkarriere begibt sich Matthew McConaughey auf Goldsuche, diesmal gepaart mit der Verwandlungskunst, die ihm für "Dallas Buyers Club" den Oscar brachte. Das bedeutet für seinen Kenny Wells zurückweichendes Haar, Bierbauch, viel Alkohol und Kettenrauchen. Penetrantes Dicke-Hose-Gehabe und unermüdliche Hütchenspieler-Gestik sind allerdings dazu angetan, gewaltig auf die Nerven zu gehen. Freilich kittet McConaughey damit einen Film, der sonst völlig ohne Substanz wäre.

Einem Traum folgen und den ganz großen Reibach machen: "Gold" will Big Business als romantisches Abenteuer feiern. Aber was geschieht, berührt nicht im Geringsten. Aus dem Rückblick zu erzählen, raubt dem Stoff die dringend benötigte Unmittelbarkeit und entpuppt sich als handwerklich ungelenk. Von Kennys Goldgräbertum springt kein Funke über. Kenny würde mit eigenen Händen graben? Das ist nie zu sehen, bleibt schieres Gerede. Auch Kennys Exzesse auf der Woge plötzlichen Reichtums wirken schal, weil abgekupfert von gewissen Scorsese-Filmen. In zwei Stunden Laufzeit schrumpft Kenny Wells und "Gold" mit ihm auf eine von sich selbst faszinierte Quasselstrippe zusammen, die davon faselt, dass Glaube an den Erfolg wichtiger sei als Wahrheit. Nicht nur in der Politik sorgt so etwas für viel Überdruss.

Quelle: teleschau - der mediendienst