The Birth of a Nation - Aufstand zur Freiheit

The Birth of a Nation - Aufstand zur Freiheit





Der gescheiterte Rebell

Es sah alles so gut aus für diesen Film, für das ambitionierte Lebenswerk von Nate Parker, an dem er jahrelang gearbeitet hatte. Sein Ehrgeiz war nicht umsonst: "The Birth of A Nation" gewann beim Sundance Filmfestival 2016 gleich zwei Preise, den Großen Preis der Jury sowie den Publikumspreis. Das Historiendrama um Sklaverei und Rebellion, das auf einer wahren Geschichte beruht, wollten in der Folge alle haben, Verleiher als auch Streaming-Dienste. Auch der Oscar schien dem Regisseur, Produzenten, Autor und Hauptdarsteller Parker zum Greifen nah. Und dann kam alles anders: Lang zurückliegende Vergewaltigungsvorwürfe gegen den Filmemacher wurden wieder laut. Der Hype um den Film ebbte schnell ab; sang- und klanglos kam das Drama in die amerikanischen Kinos und blieb hinter den Erwartungen zurück. Nun startet das gewaltige Epos auch in unseren Kinos.

Der junge Nat (Tony Espinosa) ist ein Sklavenjunge, aber er ist etwas Besonderes - er kann lesen. Eine Fähigkeit, die er sich selbst beigebracht hat und die die Frau (Penelope Ann Miller) des Plantagenbesitzers fördert: Nat darf die Bibel lesen. Aber die Arbeit auf den Baumwollplantagen ist wichtiger, und erst viele Jahre später, als Erwachsener (jetzt gespielt von Nate Parker), kann Nat sein Bibelwissen wieder einbringen. Sein finanziell angeschlagener Besitzer Samuel (Armie Hammer) borgt ihn anderen Plantagenbetreibern, um deren Sklaven mit Predigten im Zaum zu halten. Was diesen Menschen widerfährt, welcher Gewalt und Armut sie tagtäglich ausgesetzt sind, geht an Nat, der es bei seinem Herren besser hat, nicht spurlos vorüber.

Als er die Ausbeutung und die Gewalt durch die weißen Plantagenbesitzer nicht mehr aushält, plant der bis dato fromme und gehorsame Nat 1831 den Aufstand und bringt die Sklaven gegen ihre Besitzer auf. Mehr als das: Es wird ein blutiger Kreuzzug, in deren Folge gut 60 Weiße aus Rache niedergemetzelt werden. Die brutalen Szenen, auch jene im Vorfeld des Aufstands, wo die Sklaven von ihren Besitzern aufs Widerlichste gequält und missbraucht werden, sind nur schwer zu ertragen. Insofern ist dieser moralisierende Film, der die Figur Nat Turner kühn und unkritisch als aufrechten Helden feiert, nichts für sensible Gemüter.

Der Filmemacher Nate Parker, der die wahre Geschichte des Nat Turner schonungslos und mit eindeutiger Haltung erzählt, war bis dato ein ziemlich unbekannter Schauspieler. Aber einer, der sein Werk selbstbewusst als "Schlag gegen die weiße Vorherrschaft und den Rassismus in diesem Land und anderswo" verstanden wissen wollte und mit einem gewissen Stolz erklärte, dass die wenigen Helden in diesem Zusammenhang eben Schwarze waren. So weit, so gut.

Dann wurde Parker von seiner Vergangenheit eingeholt. Wenige Monate nach dem Erfolg in Sundance war in den Zeitungen zu lesen, dass er Ende der 90-er an der Penn State University eine Studentin vergewaltigt haben soll. 2001 wurde er freigesprochen, weil nicht zweifelsfrei nachzuweisen war, ob der Beischlaf einvernehmlich gewesen war oder nicht. Doch als sich herausstellte, dass sich die frühere Kommilitonin im Jahr 2012 das Leben genommen hatte, weil sie sich von dem Vorfall und dem Prozess nie erholen konnte, war Parkers Freispruch nichts mehr wert. Auch weil von seiner Seite zu keiner Zeit ein Wort des Bedauerns gekommen war, stattdessen Desinteresse und selbstgerechte Ignoranz. Und das ausgerechnet von einem Filmemacher, der auszog, um die Amerikaner und gerne auch den Rest der Welt Recht und Moral zu lehren.

Insofern dürfte die Rezeption dieses eindringlichen und sicherlich auch wichtigen Films, der eine ungewöhnliche Haltung einnimmt, schwierig werden. Weil Parker im Film Rassismus und Diskriminierung anprangert, Probleme, mit denen nicht nur die amerikanische Gesellschaft nach wie vor zu kämpfen hat, aber im echten Leben daran scheitert, angesichts seiner Vergangenheit Empathie und Einsicht zu zeigen. Parker tut so, als wäre er unfehlbar. Ein fragwürdiger Held - ganz so wie Nat Turner.

Quelle: teleschau - der mediendienst