Wolke Hegenbarth

Wolke Hegenbarth





"Eigentlich müsste ich Anwältin sein"

Schauspielerin Wolke Hegenbarth ist eine angenehme Interviewpartnerin. Das liegt einerseits daran, dass sie beim Gespräch in München einfach super drauf ist, andererseits, dass sie in 20 Minuten mehr Infos packt, als die meisten ihrer Kollegen in 30 Minuten unterkriegen. Man merkt: Sie erzählt einfach gerne - von ihrem Job, ihrem ehrenamtlichen Engagement oder auch von der Fernsehserie, durch die sie bekannt wurde: "Mein Leben und Ich" (2001 bis 2007, RTL). Ab Dienstag, 28. März, geht die 36-Jährige als findige Sekretärin Klara Degen im Ersten (18.50 Uhr) wieder auf Verbrecherjagd. Und auch ansonsten ist bei der Schauspielerin "Alles Klara".

teleschau: Wie viele doofe Witze und Wortspiele mussten Sie sich wegen Ihres Namens schon anhören?

Wolke Hegenbarth: Überraschend wenige. Im Boulevardjournalismus oder im Fernsehen machen sie gerne so Überschriften wie "Jetzt schwebt sie auf Wolke 7", aber es hält sich in Grenzen (lacht). Die Leute fühlen sich durch den Namen Wolke wohl kreativ angeregt.

teleschau: Woher kommt denn der Name?

Hegenbarth: Mein Papa fand "Wolke" einfach nur schön. Der Name hat aber keine tiefere Bedeutung. Ich fand ihn aber immer toll und hatte bisher nur gute Erfahrungen mit meinem Namen.

teleschau: Ihre Rolle in "Alles Klara", Klara Degen, ist unheimlich neugierig. Stecken Sie Ihre Nase auch gerne in die Angelegenheiten anderer Leute?

Hegenbarth: Die Grundtendenz zur Neugier ist bei mir schon da, aber mit dem Älterwerden nimmt die Neugier ein wenig ab. Früher hat mich einfach alles interessiert, jetzt interessiert mich noch viel, aber ich würde nicht mehr allem so viel Energie widmen. Mit Neuem und Anderem kann man mich aber bis heute begeistern.

teleschau: Sie verkörpern oft Frauen, die etwas merkwürdig sind - auf eine gute Art und Weise. Sind Sie selbst auch ein bisschen so?

Hegenbarth: Über die Jahre ist mir schon aufgefallen, dass ich eher ein Freigeist bin, jemand, der nicht so richtig in irgendwelche Schubladen passt. Der Beruf fördert das wahrscheinlich noch, da man anders arbeitet und lebt als viele andere.

teleschau: Sind Sie auch so wagemutig wie Klara? Sie bringt sich ja des Öfteren sogar in Lebensgefahr ...

Hegenbarth: Ja. Also in Lebensgefahr war ich bisher, Gott sei dank, noch nicht, aber ich denke schon, dass ich wagemutig bin. Ich gehe zum Beispiel überall hin. Ich verreise unheimlich gerne, auch an nicht touristische Orte, und kenne keine Berührungsängste. Bei mir gibt es keine Grenzen, beziehungsweise ich suche sie, jeder hat ja irgendwo eine Grenze, und ich bin bereit, an meine zu gehen.

teleschau: Könnten Sie sich im Notfall verteidigen?

Hegenbarth: Ne. Komischerweise, obwohl ich so oft alleine sonstwo unterwegs bin. Da mein Leben zum Glück bisher so friedlich verlief, hatte ich noch keinen Anstoß, mich damit näher zu beschäftigen. Hoffen wir mal, dass ich auch in Zukunft so viel Glück habe.

teleschau: In einer der neuen Folgen geht es um Tod und Sterbehilfe. Haben Sie sich über solche Dinge schon einmal Gedanken gemacht?

Hegenbarth: Ich habe tatsächlich eine Patientenverfügung. Das habe ich zusammen mit meinen Eltern festgesetzt. Im Fall der Fälle weiß man natürlich nicht, ob das alles so abläuft, wie man sich das vorgestellt hat, aber zumindest haben wir unsere Absichten einmal klar formuliert. In der Hoffnung natürlich, dass es nicht dazu kommt.

teleschau: Da Sie so reiselustig sind - kehren Sie Deutschland vielleicht einmal ganz den Rücken?

Hegenbarth: Temporär vielleicht, aber nie auf Dauer. Europa allgemein als Lebensmittelpunkt ist 100 Prozent sicher für mich, und Deutschland ist ja mein Arbeitsort. Das viele Reisen wiederum ist großartig, ich möchte das nicht missen, aber zu wissen, wo man lebt, dass man gerne hier lebt, in dieser Luxus-Welt, das ist sehr wichtig.

teleschau: Haben Sie schon Reiseziele für 2017?

Hegenbarth: Ich gehe einen Monat nach Kalkutta und mache da meinen freiwilligen sozialen Monat. Vor fünf Jahren habe ich damit angefangen, einen Monat meiner Zeit für andere zur Verfügung zu stellen. Erst war ich in Westafrika, dann Ostafrika, jetzt eben Indien.

teleschau: Was machen Sie da genau?

Hegenbarth: Das weiß ich ehrlich gesagt noch gar nicht so genau. Ich gehe in ein Haus des Mutter-Teresa-Ordens. Die Häuser dort haben verschiedene Schwerpunkte, betreiben ein Hospiz, ein Kinderheim, verteilen Essen in den Slums und so weiter. Vor Ort wird man dann da eingeteilt.

teleschau: Machen Sie das alleine?

Hegenbarth: Die letzten vier Jahre habe ich das alleine gemacht, da war ich auf dem Mercy Ship, das medizinische Hilfe an schwer erreichbare und unterversorgte Orte bringt. Aber da sind immer eine Menge anderer Freiwilliger, man wohnt gemeinsam in einer Sechsbett- oder Zehnbett-Kabine, und man findet auf jeden Fall schnell Anschluss. Nach Kalkutta gehe ich jetzt mit einer Freundin, die ich auf dem Schiff kennengelernt habe.

teleschau: Wie reagieren denn die Mitarbeiter auf Sie? Werden Sie da erkannt?

Hegenbarth: Ich war zwei- oder dreimal fast die einzige Deutsche auf dem Schiff, insgesamt waren es 34 Nationen, aber es ist tatsächlich lustig, dass sich meine Anwesenheit doch immer rumspricht. Teilweise kamen dann afrikanische Kollegen zu mir und meinten: "Du bist also die Schauspielerin. Wir haben dich gegoogelt." Von diesen Menschen hat natürlich noch niemand etwas von mir gesehen. Sie finden es einfach nur spannend, weil da sonst nicht so viele Schauspieler sind. Ansonsten arbeitet man einfach gemeinsam, und es spielt überhaupt keine Rolle, was jemand zu Hause so macht. Man hat auch gar keine Zeit darüber nachzudenken, mal ist man von der Arbeit überwältigt, mal geschockt, weil sich in diesen Gegenden die Extreme des menschlichen Lebens zeigen. Wir alle sind da, weil wir gemeinsam etwas Gutes und Sinnvolles für diese Menschen tun wollen.

teleschau: Sie haben sehr jung mit der Schauspielerei angefangen: Gab es in der Schule damals deswegen Probleme?

Hegenbarth: In meiner Schule in Köln haben einige beim Film gearbeitet, da war ich nicht die Erste und auch nicht die Letzte. Deshalb reagierte der Direktor immer so: wann, für was, wie lange? Der Trampelpfad war sozusagen schon da, man musste einfach hinterhergehen.

teleschau: Sie haben Ihr Abitur noch gemacht, aber trotzdem war eigentlich klar, dass Sie Schauspielerin werden ...

Hegenbarth: Ne, ich habe eigentlich gedacht, ich mache das vorübergehend und studiere dann. Und aus vorübergehend wurde "Mein Leben und Ich" und aus "Mein Leben und Ich" wurde dann alles weitere. Dadurch, dass die Serie erfolgreich war und immer weiterging, habe ich mir irgendwann gedacht: Vielleicht ist es doch mein Beruf. Das habe ich aber erst spät für mich entschieden, mit 24 ungefähr. Zu dem Zeitpunkt habe ich immerhin schon neun Jahre geschauspielert.

teleschau: Warum hat das so lange gedauert?

Hegenbarth: Ich fand es sehr schwer, mich dazu zu entscheiden, als Künstlerin zu leben und zu arbeiten. Man begibt sich ja auf dieses sehr schmale Feld, wo sehr wenige Menschen von der Arbeit tatsächlich leben können. Das entspricht mir gar nicht. Vom Typ her müsste ich eher Anwältin sein (lacht), etwas Sicheres und Solides. Jetzt bin ich eben Künstlerin.

teleschau: Aber Sie haben ja selbst gesagt, dass sie wagemutig sind ...

Hegenbarth: Das schon. Aber ich hätte gerne mehr Sicherheit im Beruf. Trotzdem würde ich jetzt unter keinen Umständen mehr tauschen wollen. Aber zu der Zeit hat mich das schon sehr beschäftigt.

teleschau: Sie sind jetzt 36, gab es in Ihrem Leben einen Zeitpunkt, an dem Sie dachten: Jetzt bin ich endgültig erwachsen?

Hegenbarth: Also ich bin eindeutig erwachsen. Aber den Zeitpunkt, wann das passiert, nimmt man nicht wahr. Ich bin nur manchmal schockiert, dass 15 Jahre Jüngere inzwischen auch schon erwachsen sind (lacht). Dann denke ich mir: Krass, ich bin ja alt. Ich bin allerdings auch kein Verfechter der ewigen Jugend, ich finde es nicht erstrebenswert, noch einmal 20 zu sein. Ich habe schon so viel gelernt im Leben, das wäre schrecklich, wenn ich das alles noch mal von vorne machen müsste. Ich bin so froh um die Zeit und auch das Wissen, das ich jetzt habe. Das ist schon gut so.

Quelle: teleschau - der mediendienst