A United Kingdom

A United Kingdom





Verbotene Liebe

Es ist eine Liebe "against all odds"; eine Beziehung, die nicht sein darf, weil sie nicht sein kann. Im London der späten 40-er sind Schwarze geduldet, werden aber immer noch als "Nigger" beschimpft - egal, über welche Herkunft und welchen Bildungsstand sie verfügen. Rassismus ist für die schwarze Filmemacherin Amma Asante ein Herzensthema, schon in ihrem letzten Spielfilm "Dido Elizabeth Belle" (2013) machte sie insbesondere die Sklaverei zum Thema und erzählte die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte einer Mulattin im England des 18. Jahrhunderts, die dazu beiträgt, den Sklavenhandel abzuschaffen. Mit "A United Kingdom" greift sie nun einen weiteren Aspekt, nämlich die Apartheid auf und inszeniert eine große Liebe, die sich behaupten muss zwischen gesellschaftlicher Diskriminierung und romantischer Utopie.

Es ist gleich die große Liebe, als sich die Londoner Büroangestellte Ruth Williams (Rosamund Pike) und der charismatische Seretse Khama (David Oyelowo), der in London studiert, zum ersten Mal begegnen. Doch die Beziehung der beiden hat im Grunde keine Chance: Zum einen droht Ruths Vater, sie zu verstoßen, zum anderen würde auch Seretse als künftiger König von Botswana sein Volk mit einer weißen Frau an seiner Seite brüskieren.

Und doch beschließen sie zu heiraten, allen Anfeindungen und ähnlich gearteten Widerständen zum Trotz. Ihre Reise nach Afrika, wo Seretse seinem Stamm ihre neue Königin vorstellen will, gerät zum Desaster. Nicht nur das von Apartheid beherrschte Südafrika, auch das ferne Britische Königreich intrigiert in der Folge gegen die verbotene Liebe, die zum Politikum wird und die internationalen Beziehungen massiv belastet. Reziproker Rassismus, Beleidigungen, Erniedrigung und Diskriminierung in den eigenen Reihen: Die beiden Liebenden müssen an allen Fronten kämpfen.

Rosamund Pike und David Oyelowo, die schon für "Jack Reacher" (2012) zusammen vor der Kamera standen, spielen das kämpferische Paar mit großer Leidenschaft und Überzeugung. Was er als Darsteller vermag, das zeigt der vom Theater kommende Oyelowo, der bereits in "Selma" (2014) in der Rolle des Martin Luther King brillierte, in einer feurigen Rede vor seinem Volk, wo er sich zu seiner Frau bekennt und hierfür den Verzicht auf den Thron in Kauf nimmt.

So ist "A United Kingdom" von Amma Asante, die sich selbst als "schwarze Britin" sieht, vor allem eine bewegende, hoch emotionale Liebesgeschichte, gleichwohl mit manchmal etwas kitschigen Anklängen, die man beispielsweise aus den TV-Melodramen aus der Feder einer Rosamunde Pilcher kennt. Mit einem solch schlichten Vergleich wird man dem authentisch kostümierten Film aber nicht gerecht, denn das Rassendrama, das auf dem Buch "Colour Bar" von Susan Williams beruht, dokumentiert ein wahres und wichtiges Stück Zeitgeschichte.

Asantes Absicht ist dabei klar: "A United Kingdom" ist ein Plädoyer dafür, aufzustehen, sich für seine Werte einzusetzen, die Grenzen in den Köpfen der Menschen mit einem unerschütterlichen, freien Willen einzureißen. Es gilt, der Hässlichkeit der Welt zu trotzen, jeder Form von Rassismus entschlossen entgegenzutreten. Es ist eine traurige Erkenntnis, dass diese zentrale Botschaft von "A United Kingdom" heute wieder wichtiger und aktueller erscheint.

Quelle: teleschau - der mediendienst