Bernhard Grzimek

Bernhard Grzimek





Ein Leben für die Tiere dieser Welt

"Guten Abend, meine lieben Freunde!" - So begann "Tierprofessor" Bernhard Grzimek jede Folge seiner Fernsehserie "Ein Platz für Tiere". 31 Jahre lang, von 1956 bis 1987, lief in der ARD "Ein Platz für Tiere". Früher, in den Zeiten öffentlich-rechtlicher Monokultur, holte die von Bernhard Grzimek moderierte Sendung bis zu 75 Prozent Marktanteil. Der Frankfurter Zoodirektor Grzimek, ein älterer Herr mit weißem Haarkranz und merkwürdig näselndem Sprachduktus, begeisterte die Deutschen schon für Umwelt- und Naturschutz, als diese Begrifflichkeiten so noch gar nicht gab. Legendär waren seine ins Fernsehstudio mitgebrachten Tiere, die während Grzimeks Live-Sendung mithin schwer zu bändigen waren. Der legendäre Naturkundler starb vor 30 Jahren, am 13. März 1987. Anlässlich des Jahrestages zeigt ARD-alpha am Sonntag, 12. März, ab 22.15 Uhr, die Dokumentationen "Legenden: Bernhard Grzimek" und "Wiedersehen mit der alten Heimat". 2015 goss Regisseur Roland Suso Richter dieses lange und dabei ziemlich zwiespältige Leben in den 165 Minuten langen Film "Grzimek", den das Erste am Samstag, 11. März, 23.40 Uhr, wiederholt, 3sat hat den Zweiteiler am Freitag, 14. April, 20.15 Uhr, im Programm.

Der Reiz von Grzimeks Sendungen bestand fraglos auch darin, dass er den Deutschen den Blick in exotische Welten eröffnete, als lange Flugreisen noch alles andere als eine Selbstverständlichkeit waren. Er lieferte Bilder von einer damals tatsächlich großen, weiten Welt frei Haus und war dafür permanent auf Achse. Viele Reisen führten Grzimek gemeinsam mit seinem Sohn Michael nach Afrika, wo er sich ebenso für die Erhaltung der Artenvielfalt engagierte. Für seinen Film "Serengeti darf nicht sterben" (1959) wurde er mit dem Oscar ausgezeichnet.

Verdient hatte er der Tierliebhaber eine solche hochkarätige Ehrung schon deshalb, weil er damals mit seinen einzigartigen Naturaufnahmen viel bewegt hat. So war Grzimek etwa mitverantwortlich für die Errichtung des Nationalparks im Bayerischen Wald. Er stellte vor laufenden Kameras die Behauptung auf, der Entschluss für das Naturschutzgebiet sei bereits gefallen. Somit hatten die Verantwortlichen aufgrund des großen öffentlichen Interesses gar keine andere Wahl, als diese Meldung zu bestätigen. Mit cleveren Tricks wie diesem erreichte er immer wieder seine Ziele.

"Stolz? - Ja, wir könnten auf unser Werk stolz sein. Aber das 'wir' gibt es nun nicht mehr. Und allein kann ich mich nicht so recht darüber freuen." Verhalten reagierte Deutschlands populärster Tierschützer Bernhard Grzimek auf den Erfolg seines Afrika-Klassikers, immerhin die erste deutsche Produktion, die mit einem Oscar bedacht wurde. Er konnte, er musste stolz darauf sein - auf seinen berühmtesten Film über die bedrohten Tiere in Ostafrika, auf die Rettung des Wildbestandes in der Steppenlandschaft Tansanias, auf Ehrungen und Auszeichnungen. Doch den Tod seines Sohnes und Kameramannes Michael, der 1959 während der Dreharbeiten mit einem umgebauten Propellerflugzeug tödlich verunglückte (er stieß am Ngorongorokrater mit einem Gänsegeier zusammen und stürzte ab), verwand der deutsche Tierfilmer nie.

Dieses traurige Kapitel nimmt nicht nur im "Grzimek"-Film breiten Raum ein, es wurde auch von Grzimeks Enkel Christian als Dokumentarfilm neu aufgerollt. 2009, anlässlich des 100. Geburtstag des Tierfreundes, begab er sich auf "Die Flügel der Väter" - mit einer nachgebauten Maschine, um das ganze Abenteuer begreiflich zu machen. 50 Jahre zuvor waren Bernhard und Michael Grzimek durchaus blauäugig unterwegs. Ihre Do 27 mit der Kennung "D-Ente" und dem Zebra-Muster wurde Markenzeichen der beiden Abenteurer. Christian Grzimek erinnerte sich: "Mein Vater hatte erst seit kurzer Zeit einen Flugschein", und anstelle eines Autopiloten hatten die deutschen Tierfilmer einen Autoatlas an Bord ...

"Er war ein sehr heiterer und humoristischer Mann, aber auch sehr diszipliniert. Morgens um sechs Uhr stand er auf, machte Kniebeugen und notierte dann akribisch seinen Blutdruck", erinnerte sich einst Christian Grzimek an seinen berühmten Großvater Berhard. "Punkt sieben Uhr war er auf Rundgang im Zoo. Er war aber auch ein sehr guter Manager, sonst hätte er das alles nicht leisten können. Er hatte ja ungefähr sieben verschiedene Berufe gleichzeitig."

Sein PR-Talent machte sich bereits in der Stunde Null bemerkbar. Der aus Schlesien stammende Grzimek, studierter Veterinär, war nach dem Krieg in Frankfurt gelandet und wurde dort am 1. Mai 1945 zum Direktor des stark beschädigten Zoos bestellt. Gerade mal 20 größere Tiere hatten die Bombenangriffe überlebt. Weil Grzimek trotz der Lebensmittelnot Futter für seine Tiere abzweigte, bekam er Ärger mit der amerikanischen Militärregierung. In einer der ersten Szene des Biopics "Grzimek" bittet er einen amerikanischen Major unter den Augen Frankfurter Passanten, ein possierliches, exotisches Kleintier mit seiner Dienstwaffe zu erlegen. Weil er die Tiere bei weiter bestehendem Versorgungsverbot lieber erschießen denn qualvoll verhungern lassen wollte.

Szenen wie diese sind typisch für Bernhard Grzimek, der nach dem Krieg nicht nur den Frankfurter Zoo zu einem der bedeutenderen der Welt entwickelte, sondern sich auch als Tierschützer und Umweltaktivist einen Namen machte. Grzimek gilt als erster "Grüner" der Republik, seine Medienmacht nutzte er bis fast ans Ende seines Lebens, um die Deutschen gegen Skandale wie Robbenjagd oder die Haltung von Hennen in Legebatterien auf die Barrikaden zu bringen. Mit Erfolg: Die Deutschen spendeten Unsummen für Grzimeks Projekte, seine bis heute aktive "Frankfurter Zoologische Gesellschaft" gilt als Retter des Nationalparks Serengeti im Norden Tansanias.

Bernhard Grzimek, öffentlicher Tierfreund, der zu den Menschen lebenslang ein oft schwieriges Verhältnis pflegte, sah das allerdings anders. Er war Pessimist, sah die Welt auf ihren Untergang zurasen und fügte bei Unterschriften gerne einen Stempel mit einem vielsagenden Zitat hinzu: "Im Übrigen bin ich der Meinung, dass das Anwachsen der Menschheit verringert werden muss." Gegen Ende seines Lebens, er starb 1987 während einer Zirkusvorstellung an einem Herzinfarkt, verließ ihn mehr und mehr die Überzeugung, wirklich etwas bewirkt zu haben.

Ulrich Tukur spielt Bernhard Grzimek, wie man es von ihm gewohnt ist: facettenreich, verführerisch und mit Leben getränkt. "Grzimek führte seinen Lebenskampf leidenschaftlich und bis an die Grenzen seiner Kraft", weiß der Schauspieler. " Und doch ahnte er, dass er den Untergang der Natur und des Planeten nicht würde verhindern, allerhöchstens ein wenig hinauszögern können." Das, so Tukur, nähme er "aus dem Film mit nach Hause: Auch wenn du die Welt nicht verändern kannst, versuche es trotzdem!"

Quelle: teleschau - der mediendienst