Fiona Coors

Fiona Coors





"Ich bin total berührbar"

Sonntags, 20.15 Uhr, ist im ZDF bekanntlich "Herzkino"-Zeit. Während im Ersten die "Tatort"-Ermittler Mord und Totschlag aufklären, sind zeitgleich im Zweiten große Gefühle geboten. Diesmal steht die Melodrama-Schraube fast am Anschlag: In "Herzenssache" (Sonntag, 26. März, 20.15 Uhr), einer Verfilmung nach Katie Fforde, geht es um die Bostoner Taxifahrerin Audrey, deren Sohn bei einem Unfall starb und dessen Herz Audrey zur Transplantation freigab. Die Begegnung mit dem Jungen, der es fortan trägt, soll in ihrem Leben einiges verändern. Fiona Coors, die Audrey spielt, spricht im Interview über berührende Filmszenen. Die 44-jährige gebürtige Hamelnerin, die in der Nähe von München lebt, definiert Romantik und Kitsch aus ihrer Sicht und erklärt ihr Faible für Liebesbriefe.

teleschau: Frau Coors, lassen Sie uns übers "Herzkino" sprechen. Wann haben Sie zuletzt einen Film gesehen, der Ihnen ernsthaft ans Herz ging?

Fiona Coors: Och, ich muss zugeben, dass mich Filme allgemein relativ schnell berühren. Sobald es eine Produktion ist, die eine Etage tiefer rückt, die mich berührt und beeindruckt, ist das für mich "Herzkino".

teleschau: Was meinen Sie mit "eine Etage tiefer"?

Coors: Wenn ehrliche Gefühle rund ums Herz transportiert werden.

teleschau: Haben Sie ein Beispiel?

Coors: Ja, "Suffragette", ein Film über den britischen Frauenaufstand 1912, in dem Meryl Streep mitspielt. Das war für mich eine absolute Herzensangelegenheit: der Mut der Frauen damals, die ja wirklich ihr Leben riskiert haben, als sie in einer von Männern dominierten Welt für mehr Rechte demonstriert haben, etwa das Recht zu wählen. Für mich muss es nicht immer die gängige "Kriegt sie ihn oder kriegt sie ihn nicht"-Geschichte sein, die ein "Herzkino" bestimmt.

teleschau: Verdrücken Sie auch manchmal ein Tränchen beim Filmschauen?

Coors: Auf jeden Fall! Ich bin total berührbar. Wobei ich weniger anfange zu weinen, wenn ich etwas schrecklich finde, als wenn mich Schauspieler mit herzerwärmendem Spiel und tollen Texten kriegen.

teleschau: Haben Sie vielleicht auch eine Vorliebe für Kitsch?

Coors: Mich berührt einfach alles, was menschelt. Ein weiteres Beispiel ist der Film "Brokeback Mountain", in dem sich zwei Männer lieben. Den fand ich wirklich toll. Und Kitsch müsste man ja auch erst mal definieren.

teleschau: Bitte!

Coors: Kitschiges hat für mich immer etwas Oberflächliches, meist auch Süßes, das mich eher zum Schmunzeln bringt, als dass es mein Herz berührt. Kitsch geht nicht wirklich tief - im Gegensatz zur Romantik ...

teleschau: ... die Sie wiederum wie definieren würden?

Coors: Romantik muss nicht unbedingt ein Abendessen bei Kerzenschein sein. Es kann auch ein Heiratsantrag auf einem überfüllten Bahnhof sein. Bei Romantik kommt es nicht auf die Umgebung an, nicht auf die Kulisse, sondern nur auf ein echtes Gefühl, das es in dem Moment eben gibt.

teleschau: Wann haben Sie zuletzt persönlich etwas Romantisches erlebt?

Coors: (überlegt lange) Es gibt so viele schöne romantische Momente in meinem Leben. Das muss gar nicht immer mit "Mann und Frau"-Gegebenheiten zu tun haben. Es kann auch, wie neulich am Set, ein Blumenstrauß sein, den ich von einer Kollegin als Dankeschön bekommen habe. Auch das fand ich superschön und irgendwie auch romantisch.

teleschau: Ihr Set fürs ZDF-"Herzkino" war zuletzt in Boston und Umgebung. War da vielleicht dann doch erst mal der Drehort an sich romantisch?

Coors: Die ganze Küstenregion um Boston herum ist auf jeden Fall wunderschön. Ich würde dort gerne mal wieder hinfahren, dann am liebsten zum Urlaubmachen (lacht).

teleschau: Was hat Ihnen dort besonders gefallen?

Coors: Es gibt dort diese riesigen alten Villen an den Klippen mit kleinen Privatstränden davor. Das ist natürlich beneidenswert. Auch die Skyline von Boston, ob am Tag oder bei Nacht, ist beeindruckend. Manchmal bin ich auch einfach den Strand entlang geschlendert, mit der warmen Sonne im Rücken, und dann habe ich mich umgedreht, die Stadt gesehen und war einfach total angetan von diesem Anblick.

teleschau: Sind Sie eigentlich auch manchmal von sich selbst gerührt, wenn Sie spielen oder später Ihre "Herzkino"-Filme sehen?

Coors: Wenn Szenen "eine Etage tiefer rücken", bin ich beim Spielen oft berührt. Vor allem von Max Hegewald war ich berührt, der einfach so toll gespielt hat. Es gab Momente beim Drehen, da hatten wir vor Rührung beide Tränen in den Augen. Und wenn ich mir das jetzt anschaue, muss ich zugeben: Ja, da bin ich dann auch ein bisschen gerührt (lacht).

teleschau: Sind Sie vielleicht auch gut im Schreiben von rührenden Geschichten? Wie wäre es mit einem "Herzkino"-Roman, den Sie dann später auch selbst verfilmen?

Coors: Ich beschäftige mich gerade sehr intensiv mit einer Figur, trage sie sozusagen im Herzen. Sie ist aber eher nicht im Bereich des "Herzkinos", sondern im harten Alltag unterwegs. Aber sie darf auch romantische Momente erleben. Mal schauen, was daraus wird. Zum Romaneschreiben fehlt mir einfach die Zeit.

teleschau: Vielleicht keine Romane - aber Liebesbriefe schreiben Sie schon ab und an, oder?

Coors: Ja - ich mag auch diese ja schon fast nostalgische Form sehr. Ein Blatt Papier, ein Stift und der Gedanke daran, wie der Empfänger ihn liest. Manchmal ist es auch einfach der kleine Zettel mit der Bitte um den anstehenden Einkauf, der mit einem lieben Satz oder einem Herz umrahmt ist.

Quelle: teleschau - der mediendienst