Helmfried von Lüttichau und Christian Tramitz

Helmfried von Lüttichau und Christian Tramitz





Das kleine bisschen Selbstjustiz

Fast immer endet eine Frage in Gelächter, denn Helmfried von Lüttichau und Christian Tramitz leben nicht nur vor der Kamera ihren Humor aus, sondern auch im Interview. Das Ermittler-Duo hält sich als "Hubert und Staller" erfolgreich im ARD-Vorabendprogramm auf dem als notorisch schwierig geltenden Sendeplatz um 18.50 Uhr. Am Mittwoch, 22. März, startet die sechste Staffel um die beiden tapsigen Dorfpolizisten aus dem oberbayerischen Wolfratshausen. Im Interview erzählen von Lüttichau und Tramitz, warum sie schon in der Schule mit der Polizei zu tun hatten und wie wichtig es ist, dass "Hubert und Staller" sich auch mal verhalten wie trotzige Kinder.

teleschau: Herr Tramitz, Herr von Lüttichau, Sie ermitteln als Streifenpolizisten in und um Wolfratshausen bei München. Fühlen Sie sich nach all den Jahren heimisch in "Ihrem" Revier?

von Lüttichau: Ja, sehr. Am schönsten ist es natürlich, wenn wir am Starnberger See drehen. Ich werde jeden Tag 40 Minuten aus München raus dorthin gefahren.

Christian Tramitz: Ich habe auch eine lange Anreise, ich fahre vier Minuten, ich wohne gleich um die Ecke!

teleschau: Wie reagieren denn die "echten" Kollegen vor Ort?

Tramitz: Wir bekommen viel positives Feedback von den Polizisten. Oft meinen sie, wir wären mit unseren Dialogen näher am Alltag dran als andere TV-Kollegen. Ich sage jetzt nicht, welche ich meine.

von Lüttichau: "Tatort"?

Tramitz: Ich habe keine Namen gesagt! (lacht)

teleschau: Bekommen Sie auch Kritik?

von Lüttichau: Vereinzelt. Ich weiß nicht, ob es ein Kompliment ist, wenn mir Beamte sagen, solche Kollegen wie Hubert und Staller sterben aus. Aber der Großteil mag uns. Zu meinem 60. Geburtstag habe ich sogar eine Video-Botschaft vom Polizeirevier München bekommen.

teleschau: Sechs Jahre lang sind Sie schon "Hubert und Staller", und man spürt die Harmonie zwischen Ihnen. Was bringen Sie selbst ins Drehbuch ein?

Tramitz: Es gibt einfach manchmal Sätze, die kann man nicht sagen, oder es gibt Situationen, die passen weder zu Hubert noch zu Staller. Die ändern wir dann zusammen mit dem Regisseur.

teleschau: Sie verbessern den Text also auf eigene Faust?

von Lüttichau: Ja, denn Dialoge, die von uns stammen, können wir leichter spielen. Gerade bei den Krimi-typischen Sätzen wie "Gab's da Streit?" oder "Hatte ihr Mann Feinde?" langweilen wir uns und auch den Zuschauer. Man muss sich anders ausdrücken, als es normale Ermittler tun.

Tramitz: Krimis funktionieren auch ohne diese Sätze!

teleschau: Werfen Sie trotzdem manchmal ein Blick auf die Krimi-Konkurrenz?

Tramitz: Wenn überhaupt, dann schaue ich eher in die dänische, schwedische oder norwegische Richtung. Und den Ulmen-"Tatort", den mag ich, denn dort herrscht ein bisschen Anarchie.

von Lüttichau: Als ich noch am Theater war, da saß ich viel vor dem TV, aber jetzt wo ich selbst im Fernsehen bin, reizt es mich weniger.

teleschau: Auch nicht die Formate, in denen Sie mitspielen?

Tramitz: Sich selbst zuzuschauen, das geht nur phasenweise oder minutenweise. Man denkt sich dann die ganze Zeit: "Was mache ich denn da?" oder "Das sieht ja doof aus".

von Lüttichau: Mal ehrlich, es ist Schwerstarbeit, sich selbst anzuschauen. Man ist meistens enttäuscht, weil man sich die Szene viel besser vorgestellt hatte.

teleschau: Schauen Sie zumindest mit der Familie Ihre Sendungen an?

von Lüttichau: Ja, ich sehe es immer mit meiner Frau an. Die findet es lustig. Das beruhigt mich aber nicht sonderlich.

Tramitz: Ich habe zu große Konkurrenz von KiKa, das schaut mein Sohn lieber. "Hubert und Staller" kann sich da nur selten durchsetzen. Wenn es dazu kommt, dann versichert er mir zwar, es sei lustig, aber ich weiß nicht, wie ehrlich er das meint. Da ist wahrscheinlich auch viel Mitleid dabei.

von Lüttichau: Dass die Ehefrau einen nur aus Mitleid lobt, das ist mir klar, aber Kinder? Ich dachte immer, Kindermund tut Wahrheit kund. Sehr erschreckend.

teleschau: Hubert und Staller sind auch nicht immer Vorbilder ...

Tramitz: Unsere Rollen verhalten sich nicht immer altersgemäß. Ein bisschen Anarchie tut gut und ist legitim. Mir gefällt es, wenn ein Polizist einem Unsympathen, der ihn ärgert, auch mal gegen das Auto tritt oder den Seitenspiegel abbricht. Die Leute scheinen das genauso zu sehen. Es gibt bei uns so ein kleines bisschen - also nicht im Ausmaß von Trump - Selbstjustiz.

teleschau: Erklären Sie sich so auch den Erfolg?

Tramitz: Wir haben damit null gerechnet, und der Erfolg kam auch erst mit der Zeit. Wir werden immer besser, und ich denke, da ist noch Luft nach oben.

von Lüttichau: Uns glaubt man die Figuren, deshalb kommen wir an. Hubert und Staller sind halt nicht am Reißbrett entstanden. Kinder sehen in uns vielleicht manchmal ein Alternativmodell zu ihren Eltern oder den normalen Erwachsenen. Wir sind da eindeutig cooler, obwohl wir nicht auf jugendlich machen.

teleschau: Sie haben also eine Fangemeinde, trotz des schwierigen Sendeplatzes um 18.50 Uhr?

von Lüttichau: Zu Beginn von "Hubert und Staller" hat man uns unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass es sich um ein "Experiment am äußeren Rand" - so haben sie das damals genannt - handelt.

Tramitz: Um die Uhrzeit sind einfach viele noch nicht zu Hause, wir beide zum Beispiel auch nicht, das ist schade. Trotzdem funktioniert "Hubert und Staller".

teleschau: In der neuen Staffel kommt auch ein Publikumsliebling zurück: Monika Gruber. War das ihr eigener Wunsch?

Tramitz: Es war die Idee vom Produzenten, Oliver Mielke, sie wieder an Bord zu holen. Die Journalistenrolle hatte einfach unglaublich wenig Fleisch, sie war zu theoretisch. Als Cafébesitzerin hat sie nun mehr Spielmöglichkeiten.

von Lüttichau: Wir freuen uns auf ihre Rückkehr, sie hat schließlich zum Ur-Ensemble gehört.

teleschau: Das Team ist ansonsten sehr beständig und eingespielt ...

Tramitz: Viele von ihnen waren schon bei "Tramitz and Friends" dabei. Der Produzent, Mielke, legt wahnsinnig viel Wert auf eine familiäre Atmosphäre. Für uns ist es angenehm, weil die Mitarbeiter unsere Zickereien inzwischen mehr akzeptieren.

teleschau: Auch Sie beide kennen sich schon lange. Es war also kaum ein Zufall, dass Sie bei "Hubert und Staller" zusammenarbeiten?

von Lüttichau: Der Produzent von "Tramitz and Friends", hat sich schon sehr früh gewünscht, eine Serie mit uns zu machen. Bis wir das umgesetzt haben, hat es allerdings gedauert. Das erste Drehbuch zu "Hansi und Hubsi" haben wir selbst geschrieben.

Tramitz: Wir haben es in einer Fantasiesprache verfasst. Allerdings mussten Helmfried und ich feststellen, dass nach zwei Minuten niemand mehr mitkommt. Also sind wir auf Bairisch umgestiegen.

teleschau: Fühlen Sie sich denn wohl, mit dem bairischen Dialekt?

von Lüttichau: Obwohl wir beide in Bayern sozialisiert worden sind, ist es ein Stück der Rolle. Privat spreche ich nicht so, das würde mir eher schwer fallen.

Tramitz: Ich fühle mich schon wohl damit, aber es gibt so Formulierungen wie zum Beispiel "im Kreis rumrudern", da musst du dreimal das R rollen, da haut es mich auch raus.

teleschau: Sie haben zusammen schon das Gymnasium in München besucht, jetzt arbeiten Sie jeden Tag zusammen. Halten Sie sich überhaupt noch aus?

Tramitz: Man muss auch mal eine Pause haben, sonst gerät man aneinander. Streiten bedeutet schließlich Stress, und das kostet Kraft.

teleschau: Während die sechste Staffel im TV zu sehen ist, arbeiten Sie schon an der siebten Staffel. Gibt es einen Moment, in dem Sie sagen: Jetzt reicht's?

Tramitz: Man hört manchmal Geschichten von Kollegen, die nicht mehr miteinander reden und trotzdem weiter drehen. Das kann ich mir nicht vorstellen, alleine wegen der Psyche.

von Lüttichau: Ja, wenn es keinen Spaß mehr macht. Und wenn die Zuschauer es nicht mehr sehen wollen. Ich sehe dem Moment aber eher gelassen entgegen.

teleschau: Das heißt, Sie hatten auch nie etwas mit der Polizei zu tun?

von Lüttichau: Doch klar, man hat uns beide mal beim Schwarzfahren im Bus erwischt. Wir wurden direkt vor das Pasinger Polizeirevier gefahren, damit wir nicht abhauen können.

Tramitz: Und da ist noch eine andere Geschichte! Es wurde mal in meine alte Schule - ich bin zu dem Zeitpunkt schon auf eine Privatschule gegangen - eingebrochen, und ich hatte aus irgendeinen Grund Helmfrieds Ausweis in meinem Mantel, der noch in der Schule hing. Die Polizei hat den natürlich gefunden und gleich bei Helmfried angerufen.

von Lüttichau: Mein Vater fragte mich ganz ernst: "Junge, hast du in diese Schule eingebrochen?"

teleschau: Aber Sie waren es ja nicht ...

Tramitz: Dank Helmfried kam mein Name dann ins Spiel, und ich habe einen Anruf von der Polizei bekommen. Ich dachte, mich veräppelt jemand und habe am Telefon nur gesagt: "Leck mich am Arsch". Nach ein paar mehr Anrufen musste ich aufs Polizeirevier nach Moosach, und dort konnte ich alles aufklären. Ich habe sie damit überzeugt zu sagen: "Wer ist denn so doof und bricht in eine Schule ein und wirft dann noch seinen Ausweis da hin!"

Quelle: teleschau - der mediendienst