Felix Klare

Felix Klare





Die Gretchenfrage des Lebens

Ein an sich glückliches Akademikerpaar schlittert in die Beziehungskrise: Er will ein Kind, sie nicht. Im grandiosen "Ich will (k)ein Kind von dir" (Freitag, 17. März, 20.15 Uhr, ARD) laufen die "Tatort"-Kommissare Felix Klare (38) und Franziska Weisz (36) zu großer Form auf. Dass es Parallelen zur Lebenswirklichkeit der Schauspieler geben mag, stört bei dem ebenso leicht wie verblüffend realistisch inszenierten Werk nicht. Während Franziska Weisz (noch) keine Kinder hat, blicken Felix Klare und seine Frau Zora Thiessen, die im Film eine Nebenrolle als Ex-Freundin spielt, auf eine Schar von bislang vier Nachkommen. Ein Gespräch über die tiefere Ursache von Kinderwünschen und die Frage, ob sich das im Film gezeigte Problem überhaupt innerhalb der Beziehung lösen lässt.

teleschau: Im Klischee haben meist die Frauen einen starken Kinderwunsch. Ist ein bedingungsloser männlicher Kinderwunsch eine Art Tabu?

Felix Klare: Das kann durchaus sein. Dabei ist der Wunsch, Kinder haben zu wollen, etwas sehr Natürliches. Ob er nun von einer Frau oder einem Mann kommt. Ein Kinderwunsch braucht keine Erklärung. Dennoch versuchen wir ständig, nach Argumenten für oder gegen Kinder zu suchen. Bei Frauen, denen man einen natürlicheren Zugang zu ihren Instinkten zugesteht, nennen wir das ab Mitte oder Ende 30 dann Torschlusspanik. Bei Männern gibt es das aber auch.

teleschau: Mit einer anderen Dynamik - wegen der längeren Fruchtbarkeit?

Klare: Ja, aber wenn das Gefühl erst mal da ist, dass man Kinder haben will, kann diese Dynamik bei Männern genauso stark werden wie bei Frauen. Irgendwann fragt sich der eine oder andere Typ, ob es noch mehr in Leben gibt als ein hübsches Auto, eine nette Wohnung, häufiges Ausgehen und nette Urlaube. Und dann kann so ein Kinderwunsch auch beim Mann ziemlich dynamisch werden.

teleschau: Ihre Frau und Sie haben vier Kinder. Gab es vorher immer Einigkeit, dass man diese Kinder auch haben will?

Klare: Unsere große Familie hat sich nach und nach einfach so entwickelt. Es gab keinen großen Plan. Zora und ich sind schon sehr lange zusammen. In den ersten Jahren haben wir sicherlich über andere Dinge als Familienplanung gesprochen. Ich glaube aber tatsächlich, dass ich mir früh ein Kind gewünscht habe. Vielleicht, weil ich selbst das jüngste von vier Geschwistern bin. Da wünschte ich mir immer, dass noch jemand Kleineres da ist. Vielleicht spielt so etwas im Unterbewusstsein später eine Rolle.

teleschau: Es gab zwischen Ihnen und Ihrer Partnerin keine Konflikte um die Frage, ein Kind oder ein weiteres Kind zu bekommen?

Klare: Alle Kinder waren, wie man so schön sagt, Wunschkinder. Es gab aber schon mal eine Schwangerschaft vor dem ersten Kind. Generell verfolgen wir aber keinen großen Familienplan. Das zeigt auch die Tatsache, dass unsere Kinder altersmäßig relativ große Abstände haben. Meine Kinder sind zwischen 14 und zwei Jahren. Zwischen Pubertät und Krabbelgruppe ist alles dabei. Man muss sehr unterschiedliche Bedürfnisse und Probleme abdecken. Für uns als Familie ist das nicht unanstrengend.

teleschau: Ihre Figur sagt im Film, dass er nach seinem Tod etwas von sich weiter auf der Erde haben will. Ist dieses Argument das vielleicht stärkste für unseren Kinderwunsch?

Klare: Es ist auf jeden Fall ein starkes Argument, das da in uns wirkt. Und es ist eines, das auch streng naturwissenschaftlich denkende Menschen nachvollziehen können. Wir haben so viele Äußerlichkeiten von unseren Eltern geerbt. Nase, Augen, Stimme und so weiter. Egal, wie toll oder blöd wir das finden - es verbindet und berührt uns auf eine sehr tiefe Weise. Wenn schon Äußerlichkeiten so deutlich vererbt werden, liegt es nahe, dass auch unser Innerstes, quasi die Seele, in Kindern weiterlebt. Unser Kinderwunsch ist insofern auch ein Mittel gegen die Angst vor dem Tod.

teleschau: Wenn bei einem Paar einer einen starken Kinderwunsch hat, der andere aber partout nicht will - kann eine solche Beziehung überhaupt überleben?

Klare: Überleben können viele Paare, die Frage ist aber immer: Wie überleben sie? Bleiben wir bei unserem Film: Würden sie trotz Kinderlosigkeit zusammen bleiben, muss der Frau klar sein, dass die Sehnsucht bei ihrem Mann bleibt. Die geht nicht einfach so weg. Und die Wunde, die das hinterlässt, kann man auch nicht mehr schließen. Die Frage ist, ob man mit dieser Wunde leben kann und will.

teleschau: Frauen, die gehen, weil ihr Partner kein Kind will, sind in Filmen oder generell in Kunst etablierter ...

Klare: Womit wir wieder beim Klischee sind. Klar, jeder versteht eine kinderlose Frau, die ihren Partner mit Mitte, Ende 30 verlässt, weil der keine Lust auf Kinder hat. Das ist dann Biologie, die natürlichste Sache der Welt. Aber ich finde das in beide Richtungen nachvollziehbar. Was für eine Art Überfrau oder Übermann muss das sein, dass Menschen eines der Grundbedürfnisse des Lebens abtöten, nur um bei diesem Partner bleiben zu können. Das Verlassen einer solchen Beziehung halte ich in Fällen wie diesem für normal und menschlich vernünftig.

teleschau: Das Paar, von dem der Film erzählt, ist abseits des Kinderthemas sehr glücklich. Ist es nicht auch traurig, dass ein starker Kinderwunsch Partnerwahl und Liebe ein wenig austauschbar machen?

Klare: Es zeigt eben, wie stark die Biologie in uns ist. Ja klar, dieser Umstand führt sicher häufig zu traurigen Trennungen. Aber vielleicht muss oder sollte man das auch gar nicht werten. Ich kann bei dem Thema ohnehin nicht richtig mitreden, weil ich schon so lange mit derselben Frau zusammen bin.

teleschau: Liebesbeziehungen, die aus der Jugendzeit stammen, sind heutzutage selten. Haben Sie manchmal das Gefühl, Dinge im Leben verpasst zu haben?

Klare: In unserer Beziehung gab es durchaus Aufs und Ab. Es war nie klar, dass immer alles klar ist (lacht). Wie alles im Leben hat auch eine solche Biografie Vor- und Nachteile. Man ist sich halt wahnsinnig vertraut. Zora hat mir meinen ersten Irokesen rasiert, da hatte ich noch überall Pickel und die Nase war größer als der Rest meines Gesichts. Sie kennt mich in solch unterschiedlichen Lebensphasen, das ist toll.

teleschau: Gibt es ein Geheimrezept für eine solch lange Beziehung?

Klare: Vielleicht dass wir wahnsinnig viel Zeit hatten - für alles. Wir sind an sich sehr unterschiedliche Menschen. Die Tatsache, dass wir über eine so lange Strecke gemeinsam gewachsen sind, hat schon etwas sehr Verbindendes.

teleschau: Ihre Frau ist ebenfalls Schauspielerin ...

Klare: Ja, eigentlich sogar mehr als ich. Sie wollte das immer werden, ich dagegen wusste lange Zeit nicht, was ich eigentlich machen will. Ich habe es dann halt mal probiert und bin an der Schauspielschule "Ernst Busch" in Berlin angenommen worden. Als ich gerade fertig war, ist Zora in München an der "Otto-Falkenberg-Schule" angenommen worden.

teleschau: Heute sieht man Sie neben dem Stuttgarter "Tatort" nicht in allzu vielen weiteren Rollen. Halten Sie sich bewusst ein wenig zurück, auch der Kinder wegen?

Klare: Ich versuche, etwa vier Filme im Jahr zu machen. Zwei davon sind "Tatort"-Folgen. Weil ich aber von Beruf Schauspieler bin und nicht "Tatort"-Kommissar, versuche ich daneben noch zwei ganz andere Filme zu machen. Meist kann ich mir die aussuchen. Ich muss nicht jeden Mist machen. Natürlich weiß ich, dass dieser Zustand auch ein bisschen der "Tatort"-Prominenz geschuldet ist.

teleschau: Haben Sie genug Zeit für Ihre Kinder zwischen den Drehs?

Klare: Es ist immer ein Balanceakt zwischen Beruf, Ökonomie und der Zeit für die Familie. Mit vier Kindern in München muss man schon etwas verdienen, um über die Runden zu kommen. Aber Ich bin Gott sei Dank kein Mensch, der viel Luxus braucht.

teleschau: Überlegen Sie manchmal, wie es wäre, mehr zu arbeiten?

Klare: Ein, zwei Filme mehr im Jahr würden sicher manches erleichtern. Ich sage in der Tat viel ab. Die Familie ist meine Basis. Wenn es daheim schlecht läuft, kann ich nicht gut arbeiten. Ein Film bedeutet, dass ich vier oder fünf Wochen weg bin. Bei vier Filmen ist man ein halbes Jahr beschäftigt. Im Prinzip habe ich also ein tolles Leben. Ein halbes Jahr arbeiten, ein halbes Jahr bei der Familie.

teleschau: Vermissen Sie etwas?

Klare: Zuletzt war es das Theater. Ich mache jetzt erstmals seit fast fünf Jahren wieder etwas auf der Bühne, von der ich ja eigentlich komme. Am Stuttgarter Staatstheater spiele ich in der ersten Adaption des Martin Walser-Romans "Ehen in Philippsburg". Das ist ein Stück aus den 50-ern über das Wirtschaftswunder-Deutschland. Walser schrieb es mit Mitte 20. Etwa zur gleichen Zeit wie Günter Grass "Die Blechtrommel" oder "Katz und Maus". In Fachkreisen gilt der Walser-Roman fast noch einen Tick besser, weshalb es seltsam ist, dass wir jetzt so viel später die erste Bühnenfassung machen. Ich freue mich total auf diese Arbeit.

Quelle: teleschau - der mediendienst