Power Rangers

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Go, go, Power Rangers?

Gefühlt gehören sie zu den 90er-Jahren wie Eurodance, Diddl-Mäuse und Tattoo-Kettchen. Doch während diese Trends zumindest zwischenzeitlich in der Versenkung verschwanden, waren die "Power Rangers" nie wirklich weg: Immer wieder erfand sich die Serie um die jugendlichen Weltenretter neu und geht im nächsten Jahr, derzeit unter dem Titel "Power Rangers Ninja Steel", in die 25. Staffel. Falls demnächst jedoch wieder bunte Plastik-Power-Rangers die Kinderzimmer bevölkern sollten, dürfte das wohl eher an dem Kinofilm liegen, der nach Angaben des verantwortlichen Filmstudios der Auftakt einer fünf- bis siebenteiligen Reihe sein könnte.

Dass die Power Rangers ein Phänomen der 90-er sind, wird auch im Film sogleich widerlegt - allerdings auf etwas andere Weise: Schon als die Dinosaurier über die Erde stapften, verteidigten außerirdische Rangers den lebensspendenden Zeo-Kristall im Inneren des Planeten gegen die mächtige Hexe Rita Repulsa (Elizabeth Banks). Die gehörte einst selbst der Heldentruppe an, bis ihr Machthunger sie schließlich zum personifizierten Bösen machte. Nun, 65 Millionen Jahre später, konnte sich die Weltraumhexe aus dem nassen Grab befreien, in das sie einst vom sterbenden roten Ranger Zordon (kaum zu erkennen: Bryan Cranston) verbannt wurde.

Die Aufgabe, die Welt vor dieser tödlichen Bedrohung zu schützen, fällt fünf Teenagern zu: dem vorbestraften Ex-High-School-Football-Star Jason (Dacre Montgomery), der in Ungnade gefallenen Cheerleaderin Kimberly (Naomi Scott), dem Technikfreak Billy (RJ Cyler), dem Draufgänger Zack (Ludi Lin) und der ewigen "Neuen" Trini (Becky G). Kids, die sich, wie im Film überbetont wird, nicht mal richtig kennen, aber zufällig gemeinsam in das uralte Power-Rangers-Raumschiff hineinstolperten, das tief unter ihrer Kleinstadt verborgen liegt. Elf Tage bleiben ihnen, um eine kampfbereite Einheit zu werden, die es mit Rita Repulsa, ihrer steinernen Armee und dem riesigen Dämon Goldar aufnehmen kann.

Dass die Kinder eben keine geborenen Superhelden sind, sie sich erst miteinander, ihren neuen Kräften und ihrer neuen Verantwortung anfreunden müssen, mag im Kampf gegen uralte außerirdische Mächte vielleicht ein Nachteil sein. Nicht jedoch im Kampf um die Gunst des Publikums: dieses gelegentliche Scheitern, auch in wichtigen Momenten, lässt die jugendlichen Helden eher zu Identifikationsfiguren werden als die Außenseiterrollen, in die Drehbuchautor John Gatins die bildschönen Teenager mit aller Gewalt zu pressen versucht. So fühlt sich der Zuschauer mit dem Quintett verbunden, obwohl er wirklich nur das Minimum an Informationen über dessen Mitglieder erhält. Und obwohl die verkrampften Dialoge den jungen, unverbrauchten Schauspielern manchmal merklich im Wege stehen.

Größere Probleme als den Nachwuchs-Rangers, ihre Stärken zu entdecken, bereitet es Regisseur Dean Israelite, den richtigen Ton für seine 105-Millionen-Dollar-Produktion zu finden. "Power Rangers" ist kein Film, der Nostalgie in Kindern der 90er-Jahre weckt, wie es etwa "Die Schöne und das Biest" derzeit recht gut gelingt. Zwar bemüht man sich, mit Anspielungen auf "Transformers", "Avengers" oder "Stirb langsam" auch die zu erreichen, die 1995 ihre Samstagvormittage mit den Superhelden in den knallbunten Spandexanzügen verbrachten. Doch insgesamt richtet sich der Film klar an eine neue "Power Rangers"-Generation, deren Sinn für Humor die Macher anscheinend nicht richtig einzuschätzen wissen. So entschied man sich für einen Mittelweg, der nie so richtig ernst und nie so richtig witzig ist, und vertraut darauf, dass das Zielpublikum nicht die Augen verdreht, wenn die Helden in Zeitlupe zu pathetisch anschwellendem Soundtrack in den Kampf ziehen.

Freigegeben ist das Actionabenteuer jedoch erst ab zwölf Jahren, weil es in den blutfreien Kampfszenen bisweilen doch recht heftig zur Sache geht. Das ist nicht nur ein Alter, in dem man der "Power Rangers"-Thematik schon wieder weitestgehend entwachsen ist, sondern in dem man auch legal Filme der "X-Men"- oder "Avengers"-Reihe schauen darf. Helden-Sagas, deren Handlung etwas vielschichtiger und deren Humor schlagfertiger ist. Erwachsener eben. Und in keinem Alter ist es so von Bedeutung, sich erwachsen zu fühlen, wie zu Beginn der Teeniezeit.

Quelle: teleschau - der mediendienst